Machen wir uns nichts vor: Alles, was sich digitalisieren lässt, kann die künstliche Intelligenz irgendwann besser als wir. Mit „wir“ meine ich in erster Linie Menschen aus Osttirol (und aus Europa, ausgenommen die Schweiz). Ihnen vorbehalten, meint Markus Gabriel, bleiben die Dinge, die sich der Digitalisierung entziehen: Käsefondue-Essen zum Beispiel. Aber Käsefondue-Essen ist halt keine Osttiroler Spezialität!
Digitalisieren heißt, Sachverhalte in Zahlen ausdrücken. „Digitus“ ist Latein und heißt auf Deutsch „Finger“. Digitale Informationen waren einst solche, die man an seinen zehn Fingern abzählen konnte. In heutigen binären Systemen braucht man dazu lediglich zwei, und vermutlich ist das auch der Grund, weshalb in Osttirol und in Europa (ausgenommen die Schweiz) dem Sachverhalt, dass künstliche Intelligenz mehr kann als der Mensch, alles, was über mehr als zwei Finger verfügt, die Anerkennung verweigert. Schon das Dreifingerfaultier heißt deswegen Ai, Artificial intelligence.

Echte Faultiere hängen gewöhnlich in Hörsälen und in Klassenzimmern herum. Sie benötigen dazu nicht mehr als zwei Finger, weshalb man sie auch „Zweifingerfaultiere“, auf Latein aber „Studierende“ nennt. Sie waren vor ein paar Jahren die ersten, die den Wert der künstlichen Intelligenz nicht nur durchschauten, sondern, zum Ärger ihrer zehnfingerigen Dozierenden, auch in die Praxis umzusetzen verstanden. Zur Strafe streicht man ihnen jetzt das Latein! Und am Religionsunterricht wird auch schon gesägt.
Dabei wäre genau das Latein, als Amtssprache der Jäger und der katholischen Priester, tatsächlich ein Osttiroler Alleinstellungsmerkmal. „Lupus homini lupus“, behaupten die einen, „homo lupo homo“, halten die anderen dagegen. In jedem Fall hat die Homophobie in Osttirol starke Wurzeln.
In Osttirol (und in Europa, inklusive die Schweiz) ist es mittlerweile zur Mode geworden, unter dem Schlagwort „Remigration“, den Wert des Lateins an Menschen zu prüfen, die unsere Werte nicht teilen. Dabei wird allerdings offenbar, dass sowohl der etymologische als auch der wissenschaftliche Ursprung dieses Begriffs der Vergessenheit angehört. Schon aus diesem Grund appelliere ich an den Bildungsminister, den Lateinunterricht aufzuwerten und sich damit ein persönliches Denkmal zu setzen: „Remigratio“ heißt auf Deutsch „Wiederkehr!“.
„Die Menschheit steht vor einem magischen Spiegel, der uns besser durchschaut als wir selbst“, liest man in der Ankündigung des am 26. Feber erscheinenden Buches von Markus Gabriel. In „Ethische Intelligenz“ fordert der philosophische Superstar der letzten Jahre die Nutzung unserer Daten, „um unsere gesellschaftlichen Werte greifbar zu machen und zu kommunizieren“. Warum zur Digitalisierung dieser Werte Religion und Latein ausgedient haben sollen, erschließt sich mir nicht. Wir werden beides brauchen, um, wie Gabriel meint, künstliche Intelligenz nachhaltig zu gestalten und „uns gegen skrupellose amerikanische und chinesische Konzerne zu behaupten“.
Die Inschrift an einem Denkmal, an dem ich immer wieder einmal länger verweile, besagt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings von Lienz aus ein Donnerwetter in China verursachen kann. Doch leider ist dieser Schmetterlingsflügel aus Bronze und kann folglich nicht schlagen. Erschlagen schon.
Ein Posting
Warum Schulen auch einen Serverraum brauchen
Wir sind uns einig: Eine Schule braucht einen Chemiesaal. Einen Physiksaal. Einen Musiksaal.
Aber im KI-Zeitalter braucht sie noch etwas anderes: einen Serverraum.
Nicht als Technik-Spielerei, sondern als Lernort.
Im Unterricht lernen Schülerinnen und Schüler heute, mit KI zu arbeiten – oft über Prompting. Das ist ein guter Einstieg. Für höhere Schulen reicht das aber nicht.
Der nächste Schritt ist, KI nicht nur zu benutzen, sondern zu betreiben.
Mit lokal betriebenen, europäischen KI-Modellen – etwa über Ollama – steht der Server in der Schule selbst. Die KI läuft dort, wo gelernt wird. Man sieht, wie sie aufgebaut ist, wie sie wächst, wo ihre Grenzen sind.
Im Kleinen – aber genau so, wie es in großen KI-Farmen funktioniert: Daten kommen hinein Wissen wird strukturiert Modelle werden gepflegt Verantwortung liegt vor Ort
Aus Unterrichtsfragen entsteht eine Klassen-KI. Aus mehreren Klassen-KIs wächst eine Schul-KI. Eine KI-Gruppe übernimmt Pflege, Zusammenführung und Qualität.
So wird der Serverraum zum Lernraum: für Technikverständnis für Verantwortung für Transparenz
KI ist dann keine Blackbox mehr. Sondern Infrastruktur – wie Strom, Wasser oder das Labor.
Wenn wir junge Menschen auf eine digitale Gesellschaft vorbereiten wollen, müssen wir ihnen zeigen, wie diese Systeme wirklich funktionieren.
Nicht irgendwo in der Cloud. Sondern bei uns, sichtbar, begreifbar, überprüfbar.
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