„Es hat sich nichts geändert. Im Strukturplan Gesundheit nimmt Hygiene keinen Platz ein.“ Gernot Walder ist kein Mann, der sich ein Blatt vor den Mund nimmt. Der Virologe, dessen Labor als einziges weit und breit schon bei Ausbruch der Covid-Pandemie Anfang 2020 über eine funktionsfähige Testinfrastruktur verfügte, bezweifelt im Gespräch mit Dolomitenstadt-Chefredakteur Gerhard Pirkner die Lernfähigkeit des regionalen und überregionalen Gesundheitssystems.
„Wir sind heute in den Arztpraxen und in den Krankenhäusern nicht besser vorbereitet als 2020“, erklärt Walder. „Da werden viele jetzt widersprechen, aber in der Praxis es ist so. Die Abläufe sind nicht standardisiert und nicht eingeübt – und es wird improvisiert.“
Wie Walder das Ansteckungsrisiko medizinischer Berufsgruppen einschätzt, und warum jede Grippesaison eigentlich die idealen Trainingsbedingungen für Pandemiebekämpfung bietet, erklärt der Fachmann beeindruckend schlüssig.
Natürlich geht es auch um die wissenschaftliche Aufarbeitung von Corona, die Walder als „Erfolgsgeschichte“ beschreibt. Scharfsinnig analysiert er, warum unser Gesundheitssystem, das permanent auf Effizienz getrimmt wird, am Ende doch zur Überforderung neigt: „Ich kann nicht gleichzeitig ein robustes und ein billiges System haben“, ist sein Fazit. Die Lösung sieht der Arzt und Notfallmediziner unter anderem in lokalen Strukturen, die im Notfall auch autark funktionieren. Ein spannendes Gespräch über ein topaktuelles Thema.
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