„Seit Jahren liegen Ausbaupläne für das Kraftwerk Kaunertal auf dem Tisch, bis heute sind die erforderlichen Informationen unzureichend“, schreiben der Alpenverein und der WWF in einer gemeinsamen Aussendung. Vor diesem Hintergrund fordern die beiden Organisationen ein Moratorium für den geplanten Ausbau des Kraftwerks Kaunertal.
Aufgrund ungelöster Sicherheitsfragen und unvollständiger Unterlagen könne das Projekt des Landesenergiekonzerns Tiwag nicht genehmigungsfähig sein. „Die klimabedingten Risiken und Naturgefahren im hochalpinen Raum steigen dramatisch. Darauf hat die Tiwag bisher keine tragfähigen Antworten gegeben. Das Projekt hat zu viele ungelöste Sicherheitslücken – nicht zuletzt würde mit dem Platzertal ein Tiroler Naturjuwel für immer zerstört“, kritisieren ÖAV-Generalsekretär Clemens Matt und WWF-Expertin Bettina Urbanek.

2012: erste Einreichung zur UVP
Die Pläne für das Mega-Pumpspeicherkraftwerk waren zum ersten Mal im Jahr 2009 eingereicht, die Umweltverträglichkeitsprüfung erstmals 2012 gestellt worden. Nach mehreren Verbesserungsaufträgen seitens der Behörde sowie Revisionen hat die Tiwag im Juni 2024 eine Teilung des Vorhabens in zwei Projektteile vorgenommen.
Für den ersten Projektteil strebt die Tiwag einen rechtskräftigen Teilbescheid an, die Unterlagen für die UVP wurden Ende März 2025 eingereicht. Das entsprechende Gutachten war zunächst für Februar 2026 angekündigt, mittlerweile ist aber von einer dreimonatigen Verzögerung auszugehen. Der Bescheid würde dann wohl erst 2027 ergehen. Ob der Baustart, wie geplant, 2029 erfolgen kann, ist damit unklar.
Gefahr von Felsstürzen zu wenig berücksichtigt
Dezidiert gegen einen zeitnahen Baustart sprechen sich jedenfalls Alpenverein und WWF aus, die eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung der steigenden Risiken für Kraftwerke im Hochgebirge fordern.
„Das Risiko von Felsstürzen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vervierfacht. Davor als Kraftwerksbetreiber die Augen zu verschließen, ist grob fahrlässig“
Bettina Urbanek, WWF
Aus ihrer Sicht sind die Gefahrenbewertungen für große Felsstürze, Muren oder mögliche Flutwellen in Speicherseen, wie sie für die UVP vorgenommen wurden, unzureichend: „Das Risiko von Felsstürzen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vervierfacht. Davor als Kraftwerksbetreiber die Augen zu verschließen, ist grob fahrlässig“, sagt WWF-Expertin Bettina Urbanek.

Wissenschaftlich sei längst belegt, dass der Rückgang der Gletscher und des Permafrosts zu großen Felsstürzen führen kann. Dabei handle es sich um die „neuen Schlüsselrisiken im Hochgebirge“, die Kaskadeneffekte auslösen können, „die zu Katastrophen führen“, warnt Urbanek.
Naturschutzorganisationen stützen sich auf Analyse von Haeberli
Die Analyse der UVP-Unterlagen des Geomorphologen Wilfried Haeberli vom August 2025 habe bestätigt, dass die Unterlagen aufgrund dieser Mängel neu erarbeitet werden müssten.

Die Bliggspitze etwa, an der in den letzten Jahren vermehrt Felsstürze beobachtet wurden, befindet sich in unmittelbarer Nähe des Gepatsch Speichersees. Auch zum Risiko der Gletscherseen, die sich aufgrund der Gletscherrückgangs oberhalb des Stausees bilden könnten, liefere die Tiwag keine Antworten.

Naturverträgliche Alternativen gefordert
WWF und Alpenverein plädieren dementsprechend für die rasche Umsetzung naturverträglicher Alternativen, darunter die Modernisierung und Effizienzsteigerung bestehender Anlagen. „Mit dem Kaunertal-Ausbau will die Tiwag vor allem ihre Profite im Stromhandel mit dem Ausland maximieren. Eine echte Energiewende sieht anders aus“, so Bettina Urbanek abschließend.
5 Postings
Um dem Argument eines Kommentators über die teure Kernenergie zu widersprechen möchte ich bemerken, dass man natürlich auch alle Kosten unseres zukünftigen Energiesystem einrechnen muss. Der größte Anteil darin sind die notwendigen Speicher und nicht zu unterschätzen der Netzausbau, der alleinig durch die Volatilität von Wind und PV entsteht. Wenn man das alles einrechnet, wird aus unserem zukünftigen Energiesystem nachrechenbar das teuerste. Auch die Größe der notwendigen Speicher wurde angezweifelt. Wenn man sls Vergleich die Österreichischen Gasspeicher nimmt, die ca. 90 TWh speichern können. Am Ende des Winters sind die Speicher jedes Jahr bedrohlich leer, weil wir es ind den letzten paar Sommern nicht geschafft haben, sie voll zu machen. Gas macht aktuell nur ca. 1/4 des energetischen Gasamtverbrsuches aus, Strom ca. 1/3. Da nimmt sich ein Speicherbedarf von ca.6,5 TWh nach einer Verdoppelung des Strombedarfes eigentlich bescheiden aus. Zum ungelösten Atomabfall Problem möchte ich bemerken, dass die beschriebenen Kernreaktoren sogar mit Abfall betrieben werden können, was danach übrig bleibt ist wie schon erwähnt nur mehr 1/100 in der Masse und strahlt nur ca.300 Jahre. Dieser Abfall ist dann entweder eingeschlossen in wasserunlößlichem Salz oder in Glas sicher lagerbar. In unseren Bergen gäbe es genug geologisch stabile Regionen, in denen eine sichere Lagerstätte zu finden wäre. Die Größe einer Kraftwerks Kaverne könnte die geringe Menge an Abfall für Jahrhunderte aufnehmen.
"Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose, was kümmert mich das Kaunertal!" Satire OFF
... naja, wenn man meint durch m e h r Verbrauch den Klimawandel zu beherrschen, dann wird man in Kürze gescheiter sein; die Ignoranz und Bequemlichkeit der Verantwortlichen nützt der Gemeinschaft wenig ...
Das Problem Atommüll ist noch immer nicht gelöst und es ist auch keine Lösung in Aussicht. Der Müll belastet kommende Generationen auf Jahrtausende. Kernenergie kommt für mich nicht in Frage. Rechnet man sämtliche Kosten zusammen, ist es mit Abstand am teuersten, völlig sinnlos.
Die zusätzlichen Gefahren kann ich natürlich nicht professionell einschätzen. Eine komplette Neuausrichtung unseres Energiesystems würde uns die Diskussion um Pumpspeicher und damit Überflutung von Alpentälern, um Windräder, Freiflächen PV Anlagen und Netzausbau ersparen. Alles Themen, die aktuell gerade wieder Osttirol und Kärnten beschäftigen. Was natürlich alle beschriebene Maßnahmen begleitet, ist massiver Fächenverbrauch, massiver Ressourcenverbrauch und massive Zerstörung des Landschaftsbildes. Das Schlimmste daran ist, dass dieses Energiesystem mit Wind und PV ohne ausreichende Speicher niemals zum Ziel einer Energiewende führen könnte. Da Pumpspeicher bislang die einzige Lösung in Netzdimension ist, aber dafür kein passender Standort in unseren Tälern zu finden wäre, hat dieses System von vorne herein ohne Erfolgs Aussicht. Daher ist dieses System möglichst rasch zu verlassen. Wenn wir warten bis die EU das begreift und umsetzt, wird unsere schöne Landschaft weiter zerstört, ohne dass wir einer Lösung näher kommen. Nur Kernenergie der neuesten Generation hätte das Potential, sogar eine Energie Autarkie zu erzielen. Mit ca. 50 Stück Flüssigsalz Reaktoren mit je 300MW elektrisch und 300-400 MW Abwärme könnten strategisch aufgestellt nicht nur den Netzausbau minimieren, mit der Abwärme könnte man mit thermischen Verfahren Wasserstoff, Ammoniak, Energiegase und synthetischen Treibstoff wirtschaftlich sinnvoll erzeugen. Als letztes Glied in der Nutzung könnte man Wärme in Fernheizungen einspeisen.
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