Vorweg für alle „Stadtradler“: Der Radsport gebiert in immer kürzeren Intervallen neue Trendfacetten, eine davon ist „Cyclocross“, im Prinzip Querfeldein-Biken mit Downhill-Passagen und am besten im Gatsch, idealerweise im Schneegatsch, dann gilt es nämlich als Wintersport. Hier eine Kostprobe:
Es ist also irgendwie logisch, dass Olympiasieger Benjamin Karl hier ein neues Betätigungsfeld sieht. Während er am Wochenende noch beim Weltcupfinale in Winterberg startet, kündigte er in einem ORF-Interview an, dass unmittelbar danach seine Radsportkarriere beginnen wird. Sein Fernziel: Olympiastart im Cyclocross bei den Olympischen Spielen 2030 in Frankreich. Die Sportart muss zuvor aber überhaupt erst olympischen Status erhalten.

„Ab 23. März konzentriere ich mich auf meine Karriere im Radsport. Und wenn sich der Weg ergibt, werde ich mein Glück im Cyclocross versuchen und probieren, in vier Jahren bei den Olympischen Spielen am Start zu stehen“, sagte Karl. Der Wahlosttiroler hat ganz konkrete Vorstellungen: „Plan A wäre das Profiteam TudorCycling mit Marco Haller, Plan B ein oberösterreichisches Conti-Team.“ Er brauche zunächst viel Infrastruktur und Training für Rennen. „Ob Straße oder Cyclocross ist vorerst egal.“
Rein sportlich gesehen mutet die Idee Karls fast utopisch an. Im Cyclocross, früher Querfeldein, gibt es eine große Dichte. Ob er mit dann 44 Jahren in ein wohl nicht zu großes Starterfeld reinrutscht, ist mehr als fraglich. Gleichzeitig schließt Karl aber die Tür zum Snowboard-Sport auch nicht komplett, denn dass er am vergangenen Sonntag sein „vielleicht“ letztes PGS-Rennen gewonnen hat, lässt auch da eine Hintertür offen. Immerhin gibt es 2027 auch eine Snowboard-Heim-WM im Montafon.
Olympiaprogramm am 24./25. Juni Thema
Ganz unabhängig von Karls Träumen hat aber auch Cyclocross noch einen langen Weg vor sich, ehe im Zeichen der Fünf Ringe, noch dazu im Rahmen der Winterspiele in Frankreich, Rennen gefahren werden können. David Lappartient, der Präsident des Radsport-Weltverbands UCI, ist einer der Betreiber der Idee der olympischen Premiere von Cyclocross in den Olympischen Alpen. Seit 2022 sitzt der Franzose auch im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Für ihn ist Cyclocross, eine Offroadform des Radrennsports, bei der die Teilnehmer Hindernisse überwinden müssen, immer schon ein Wintersport gewesen.
„Wenn die französischen Veranstalter das wollen, das IOC zustimmt, gehört es in die Winterspiele“, meinte Lappartient Anfang Februar in Mailand. Und argumentiert auch damit, dass der Sport mit Mathieu van der Poel (achtfacher Cross-Weltmeister, aber u.a. auch Straßen-Weltmeister) und Pauline Ferrand-Prevot auch über echte Stars verfüge.
Eine Entscheidung über das künftige Olympiaprogramm oder auch neue Sportarten wird für die außerordentliche 146. IOC-Session am 24. und 25. Juni dieses Jahres erwartet. Allerdings würde die Aufnahme einer Radsport-Sparte ins Winter-Olympiaprogramm auch eine Art Tabubruch darstellen - und wohl andere Traditionsbewerbe aus dem dichten Programm kicken. Als Wackelkandidat gilt ja zum Beispiel die Nordische Kombination.
Ein Posting
Es hat vorher schon niemanden Snowboard interessiert, und noch weniger jetzt Cyclocross...beides hat bei Olympia nichts zu suchen.
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