Man kann nur hoffen, dass die Planung zum Aus- und Umbau des Bezirkskrankenhauses Lienz professioneller umgesetzt wird, als die Kommunikation durch den BKH-Gemeindeverband unter seinem Obmann, dem Leisacher Bürgermeister Bernhard Zanon.
Wie berichtet, wurden bei der BKH-Vollversammlung am 20. März erstmals Details des größten öffentlichen Bauprojekts in Osttirol präsentiert, das in den kommenden zehn Jahren parallel zum laufenden Betrieb umgesetzt werden soll und nach aktuellen Schätzungen des Verbandes und seiner Berater 200 Millionen Euro kosten wird. Am 7. April wollte man sich im Rahmen einer Pressekonferenz den Fragen der Journalist:innen und damit dem kritischen Auge der Öffentlichkeit stellen.
Es ist ungewöhnlich, einen Medientermin erst mehr als zwei Wochen nach einer Aussendung anzusetzen und jetzt wurde der Termin ohne nähere Angabe von Gründen abgesagt. Zwischen den Zeilen der lapidaren Absage kann man aber einiges herauslesen: „Der neue Termin für die Pressekonferenz, die noch vor dem Sommer 2026 stattfinden wird, wird Ihnen – in Abstimmung mit der Tiroler Landesregierung und mit der Teilnahme von Landesrätin Cornelia Hagele – ehestmöglich bekanntgegeben.”

Dieser Anmerkung geht eine geharnischte Rüge der Landesrätin voraus. Sie ließ via Tiroler Tageszeitung und auch auf Anfrage von Dolomitenstadt.at der Verbandsspitze ausrichten: „Das Land Tirol war bislang in gutem Austausch mit dem Bezirkskrankenhausverband Lienz. Umso verwunderter ist man, dass das BKH Lienz ohne Rücksprache mit dem Land Tirol ein Projekt präsentiert hat. Da seitens des Obmannes des Bezirkskrankenhausverbandes vor der Präsentation kein Finanzierungskonzept vorgelegt wurde, geht das Land Tirol davon aus, dass das BKH Lienz abseits der zur Verfügung stehenden Landesmittel an einer Ausfinanzierung arbeitet. Das Land Tirol arbeitet mit allen Bezirkskrankenhausverbänden daran, tragfähige und nachhaltige Lösungen für die zukünftige Finanzierung und Weiterentwicklung der Tiroler Bezirkskrankenhäuser zu erarbeiten. Dies kann aber nur im direkten Gespräch gelingen.“
Das klingt gar nicht gut. Denn von den 200 Millionen Euro – Insider sprechen schon jetzt von 220 Millionen – erwartet man dem Hörensagen nach 160 Millionen vorwiegend aus Landestöpfen. In anderen Worten: Nicht die Osttiroler Gemeinden werden bei der Umsetzung des Megaprojektes die Ansager sein, sondern der größte Zahler, also das Land. Und die Führungsrolle lassen sich Hagele & Co. nicht gerne streitig machen, zumal 2027 Wahlen anstehen.
Taktisch klug war die Vorgangsweise vom Leisacher Bürgermeister und Verbandsobmann Bernhard Zanon und wohl auch von seiner Stellvertreterin, der Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik nicht. Blanik legte in der Gemeinderatssitzung am vergangenen Dienstag sogar noch eins drauf: „Das Land soll entweder zahlen, oder das Krankenhaus übernehmen.“ Ob in diesem Modus und angesichts knapper Kassen ein tragfähiges Finanzierungskonzept zustande kommt, wird sich zeigen. Hoffentlich noch vor dem Sommer und bis zur nächsten Pressekonferenz.
2 Postings
Offensichtlich wurde das Projekt völlig übereilt präsentiert. Aber warum? Man könnte fast mutmaßen, es hätte vielleicht ein anderes Thema gegeben, das man damit verdrängen wollte.

Da hat eh einige völlig der Realitätssinn verlassen: bei massivem Mangel an Personal im Gesundheitsbereich überall in Europa (auch jetzt schon am BKH Lienz!) und leeren Kassen klingt es absurd, von einem solchen Projekt zu fantasieren!
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