Angesichts einer erschütternden Serie an Todesfällen in der Drogenszene fordern die Grünen die Tiroler Landesregierung ein weiteres Mal zum Handeln auf. In Innsbruck wurden seit Ende Februar vier Todesfälle im Zusammenhang mit Suchtmittelkonsum gezählt, nun ist ein weiteres 14-jähriges Mädchen gestorben. Auch in Osttirol erlagen kürzlich zwei junge Frauen den Folgen einer Überdosis.
Die Landesregierung dürfe nicht länger passiv bleiben, konstatiert Zeliha Arslan, Sozialsprecherin der Tiroler Grünen: „Wir reden hier nicht nur über Drogenkonsum, wir reden über systematischen Missbrauch von Kindern. Expert:innen berichten, dass bereits 13-jährige Mädchen von erwachsenen Männern mit Drogen abhängig gemacht und anschließend sexuell ausgebeutet werden. Das ist ein massives Versagen des Systems."
Niederschwelliger Zugang zu Hilfe
Ein weiteres Mal schlagen die Grünen die Einrichtung eines geschützten Konsum- und Betreuungsraums für Jugendliche vor. Ziel einer solchen Örtlichkeit sei es, junge Menschen aus der Illegalität zu holen, sie zu schützen und ihnen niederschwelligen Zugang zu Hilfe zu ermöglichen.

Besonders alarmierend seien aus Sicht von Arslan Berichte aus der Praxis, denen zufolge Jugendliche gezielt in Abhängigkeit gebracht, mit Drogen gefügig gemacht und in weiterer Folge sexuell ausgebeutet werden. Hier fehle es an sicheren Anlaufstellen, an denen Jugendliche ohne Angst vor Konsequenzen Hilfe bekommen können.
Politisches Handeln gefordert
„Wenn selbst Expert:innen vor weiteren Todesfällen warnen und von organisiertem Missbrauch sprechen, dann ist politisches Nichtstun schlicht verantwortungslos. Jeder weitere Todesfall ist einer zu viel und vermeidbar, wenn wir endlich handeln“, stellt Arslan klar.

Auch die Tiroler Neos sehen Handlungsbedarf und bekennen ihre Rückendeckung für die Arbeitsgruppe „Unterstützung für suchtgefährdete Minderjährige“ der Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol. Deren Mitglieder, bestehend aus Expert:innen der Drogenarbeit mit Minderjährigen, haben sich mit einer Stellungnahme an den Landtag gewandt und herausgestrichen, dass die Situation der hochriskant konsumierenden Minderjährigen sehr verletzlich sei.
Bewältigungsversuch für Überforderung
„Ihre Situation ist geprägt von einem komplexen Zusammenspiel aus Entwicklungsphase, psychosozialen Belastungen und häufig fehlenden stabilisierenden Bezugssystemen. Konsum ist in diesen Fällen selten Ausdruck von 'Unvernunft', sondern vielmehr ein Bewältigungsversuch für Überforderung, psychische Belastung und mangelnde Perspektiven. Eine verkürzte oder moralisierende öffentliche Debatte greift dabei zu kurz und wird der
Realität dieser jungen Menschen nicht gerecht“, schreibt die Arbeitsgruppe in ihrer Stellungnahme.
Bei diesem hochkomplexen Thema brauche es ein Bündel an Maßnahmen, unter anderem eine stationäre Einrichtung für konsumierende unmündige Minderjährige, ein sozialpsychiatrisches Angebot als längerfristiges Unterstützungsangebot sowie den Ausbau der niederschwelligen Drogenarbeit. Auch die grüne Forderung nach einem Konsumraum findet im Schreiben der AG Unterstützung, bei einem solchen sollten Sicherheit, Existenzsicherung und Beziehungsaufbau im Vordergrund stehen.
„Harm Reduction“
Den vorgeschlagenen Angeboten ist gemeinsam, dass sie nicht primär abstinenzorientiert ausgerichtet sind, sondern die Harm Reduction (Schadensbegrenzung) sowie die Sicherung von Existenz und Gesundheit in den Vordergrund stellen. Gerade bei hochbelasteten Minderjährigen sei das vielfach die einzige realistische Möglichkeit, Zugang zu ihnen zu finden und Vertrauen aufzubauen.
Neos-Klubobfrau Birgit Obermüller plädiert dafür, die Einschätzungen der Expert:innen ernst zu nehmen und sieht die zuständigen Landesrätinnen in der Pflicht: Es reiche nicht, sich Empfehlungen nur anzuhören, „sie sind auch umzusetzen“, so Obermüller.
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