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Nordschule Lienz: Lob und Kritik vom Rechnungshof

Kontrollbehörde sieht solides Bau- und Finanzmanagement, ortet aber Mängel beim Umgang mit Schadstoffen.

Der Rechnungshof hat heute, 8. Mai, einen ausführlichen Prüfbericht zum Bauprojekt des Schulzentrums Lienz-Nord veröffentlicht und zieht darin eine insgesamt differenzierte Bilanz: Während Planung, Organisation und Finanzierung des Millionenprojekts weitgehend überzeugten, übt die Kontrollbehörde deutliche Kritik am Umgang mit Schadstoffen – und damit an der Einhaltung zentraler Umwelt- und Sicherheitsvorgaben.

Der Bericht lobt aber über weite Strecken die Stadtverwaltung Lienz als Eigentümer und Schulerhalter: „Die von der Stadtgemeinde eingerichtete Projektorganisation war grundsätzlich dazu geeignet, ein Bauprojekt in dieser Größenordnung innerhalb der geplanten Kosten abzuwickeln“, schreiben die Prüfer. 

Das Zeugnis, das der Rechnungshof der Stadt Lienz für das Schulzentrum Nord ausstellt, enthält zwar nicht lauter Einser, ist in Summe aber doch gut. Foto: Wolfgang C. Retter

Trotz massiver globaler Preissteigerungen infolge von Pandemie und Ukrainekrieg sei die Kostenentwicklung nachvollziehbar geblieben. Die ursprünglich mit 23,26 Millionen Euro veranschlagten Baukosten mussten zwar 2022 auf 26,85 Millionen Euro angehoben werden, diese Erhöhung bewertet der Rechnungshof jedoch als plausibel. Ausschlaggebend seien unter anderem zusätzliche Anforderungen wie eine Containerschule sowie ein rascher Anstieg des Baukostenindex um rund zehn Prozent binnen weniger Monate gewesen.

Nach aktuellen Prognosen dürfte die Stadtgemeinde Lienz die genehmigten Gesamtkosten sogar unterschreiten – um rund eine Million Euro. Die Anschaffungskosten des Projekts – bestehend aus Gesamt- und Finanzierungskosten – werden (Stand September 2025) voraussichtlich bis zu 31,46 Millionen Euro betragen. Die Stadtgemeinde wird dafür voraussichtlich um 3,11 Millionen Euro höhere Förderungen bekommen als geplant. Bis August 2025 hatte sie 10,32 Millionen Euro der zugesagten Förderungen, Bedarfszuweisungen und Zweckzuschüsse von 11,78 Millionen Euro nachgewiesen. 

Als weiteren Pluspunkt führt der Rechnungshof die deutliche energetische Verbesserung des Gebäudeskomplexes mit drei Schulen an. Durch thermische Sanierung und moderne Haustechnik konnten laut Bericht mehr als 70 Prozent Energie eingespart werden.

Mangelnde Sorgfalt im Umgang mit Schadstoffen

Doch neben diesem insgesamt soliden finanziellen und organisatorischen Bild zeigt der Bericht auch klare Schwachstellen auf – insbesondere im Bereich Umwelt- und Arbeitnehmerschutz. So kritisiert der Rechnungshof „mangelnde Sorgfalt und Bewusstsein“ beim Umgang mit Schadstoffen im Zuge des Abbruchs.

Bereits 2021 sei bekannt gewesen, dass im Altbestand asbesthaltige sowie künstliche Mineralfasermaterialien verbaut waren. Dennoch seien beim Rückbau wesentliche Vorschriften nicht oder nur unzureichend eingehalten worden. Besonders gravierend für die Prüfer: Eine große, mineralfaserhaltige Zwischendecke wurde nicht getrennt von den übrigen Baurestmassen entsorgt – ein klarer Verstoß gegen abfallwirtschaftliche Standards.

Darüber hinaus fehlten laut Rechnungshof teilweise Nachweise über die ordnungsgemäße Durchführung der Arbeiten, etwa durchgängige Fotodokumentationen oder Bestätigungen über den sicheren Zustand nach Abschluss der Schadstoffsanierung. Die Prüfer sehen hier strukturelle Defizite im Umgang mit gefährlichen Materialien und fordern für zukünftige Projekte deutlich strengere Kontrollen und Dokumentationspflichten.

Auch in anderen Bereichen zeigt der Bericht Verbesserungspotenzial. So bemängelt der Rechnungshof, dass die Kostenplanung nicht durchgängig nach ÖNORM erfolgte, wodurch etwa Risikoreserven nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Die Stadtgemeinde habe aber bereits angekündigt, diese Empfehlung künftig umzusetzen.

Bei der Finanzierung wiederum erkennt der Rechnungshof sowohl umsichtiges Handeln als auch Risiken. Zwar wurden vor der Darlehensaufnahme Vergleichsangebote eingeholt, die gewählte Finanzierungsform berge jedoch ein Zinsrisiko. Positiv wird hervorgehoben, dass zusätzliche Fördermittel bereits zur Reduktion der Verschuldung eingesetzt wurden.

Auch beim Brandschutz gab es zunächst Versäumnisse: Zu Schulbeginn 2023 fehlten wesentliche organisatorische Maßnahmen wie ein Brandschutzbuch oder ein bestellter Brandwart. Diese Mängel wurden jedoch laut Rechnungshof von der Stadt Lienz noch während der Prüfung vollständig behoben.

Der vollständige Rechnungshof-Bericht zum Download

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

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