Zahlen werden zu Stoff, Statistik zu Erfahrung: Schülerinnen der Klassen 3B, 6B und 7B des BG/BRG Lienz haben im Rahmen der Initiative „Girls in Data Science“ (GiDS) ein ungewöhnliches, fächerübergreifendes Projekt umgesetzt. In einer Kombination von Technik & Design, Mathematik und Informatik übersetzten die Mädchen den „Gender Pay Gap“ – die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen – in textile Formen. Stickmuster machen dabei sichtbar, was sonst abstrakt bleibt.
Unter dem Titel „Stitching the Gap – Between Plenty and Need“ wurden Daten in konkrete, haptische Objekte übertragen. Ergänzt wurde das Projekt durch „Planting Equality“, eine Guerilla-Gardening-Aktion mit Seedbombs als Symbol für gesellschaftlichen Wandel. Ziel war es, komplexe Zusammenhänge nicht nur zu analysieren, sondern erfahrbar zu machen.
Das BG/BRG Lienz ist dabei nicht nur für Osttirol, sondern auch für viele Schülerinnen aus Oberkärnten – etwa aus dem Oberen Drautal, Mölltal, Lesachtal und oberen Gailtal – eine zentrale Bildungsstätte. Entsprechend groß ist die regionale Bedeutung des Projekts, das gezielt Mädchen aus ländlichen Räumen anspricht.
Die Initiative „Girls in Data Science“ ist Teil der internationalen Konferenz „Women in Data Science – Villach“ und verfolgt das Ziel, Mädchen und junge Frauen entlang ihrer gesamten Bildungsbiografie für Datenwissenschaften zu begeistern. Dass dieser Ansatz wirkt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Bei der WiDS Villach 2026 lag der Frauenanteil unter den 482 Teilnehmenden bei 69 Prozent, darunter 82 Schülerinnen und Bachelor-Studentinnen.
„Das Projekt hat eindrucksvoll bewiesen, dass ein innovativer, interdisziplinärer Zugang junge Frauen nachhaltig für technologische Berufsfelder begeistern kann“, sagt Organisatorin Anita Kloss-Brandstätter. „Indem wir Daten mit Kreativität verknüpfen, bauen wir Berührungsängste ab.“
Auch politisch erfährt das Projekt Unterstützung, unter anderem durch das Land Kärnten. Bei einem Besuch vor Ort zeigte sich die Osttiroler Bezirkshauptfrau Bettina Heinricher beeindruckt: „Es ist faszinierend zu sehen, mit wie viel Tiefgang, analytischem Verstand und handwerklichem Geschick die Schülerinnen dieses hochaktuelle Thema aufgearbeitet haben. Projekte wie ‚Girls in Data Science‘ leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Chancengleichheit im digitalen Zeitalter.“
Mit praxisnahen Workshops, dem Aufbrechen klassischer Rollenbilder und einer stärkeren Vernetzung von Schulen und Hochschulen setzt GiDS gezielt Impulse gegen den Fachkräftemangel. Vor allem aber zeigt das Projekt aus Lienz, wie Datenwissenschaft jenseits von Zahlenkolonnen wirken kann – nämlich dort, wo sie verständlich und greifbar wird.
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