Zwei Gegenpole, die miteinander verwoben sind: Auf der einen Seite steht ein Vater, der an Ordnung, Ehre und bestehende Systeme glaubt. Ihm gegenüber steht sein Sohn, der den Erwartungen nicht mehr standhält - und beginnt zu zweifeln. Zwischen ihnen befindet sich eine Welt, die ins Wanken gerät.
Diesem Zwiespalt spürt die Theateradaption von Joseph Roths „Radetzkymarsch“ nach, die von 15. bis 19. Juli in Sankt Daniel im Gailtal im Rahmen des Kulturfestivals „Bühne der Macht“ aufgeführt wird. Dabei wird die Geschichte einer Familie während des Zerfalls der k.u.k Monarchie nicht als historisches Panorama erzählt, sondern als unmittelbare Gegenwartsbefragung, deren Kernfrage lautet, was wir von früheren Generationen übernehmen - und wo wir beginnen, selbst zu entscheiden.
Damit dreht sich das Theaterstück um Macht, Orientierung und den Mut, anders zu handeln. Außerdem fragt die Inszenierung nach den Spielräumen, die uns bleiben - und nach der Verantwortung, sie zu nutzen. Dabei wird „Radetzkymarsch“ bewusst nicht als abgeschlossene Erzählung verstanden, sondern als offener Denkraum: Vergangenheit und Gegenwart verschränken sich, persönliche Fragen werden sichtbar, gesellschaftliche Dynamiken erfahrbar.
Jugendliche und Senior:innen aus der Friedenssiedlung
Ein wesentliches Element der Inszenierung ist die aktive Einbindung von Menschen aus der Region: Sowohl heimische Jugendliche als auch Senior:innen aus der Friedensiedlung in Lienz sind mit von der Partie und lassen sich auf Fragen nach Autorität, Anpassung und persönlicher Freiheit ein.






„Hier sind Menschen keine Zuschauer:innen, sondern aktiv Gestaltende“, betont Festivalleiter Matthias Mamedof. „Sie bringen ihre Perspektiven ein und stellen Fragen, die uns alle betreffen.“
Zweite Inszenierung nach „Glaube, Liebe, Hoffnung“
Das interdisziplinäre Kulturfestival „Bühne der Macht“ kommt nach der fulminanten Premiere von „Glaube, Liebe, Hoffnung“ im letzten Jahr bereits zum zweiten Mal nach Sankt Daniel. Unter der Regie und künstlerischen Leitung der in Lienz geborenen Cornelia Rainer wird erneut ein vielfältiges Programm geboten, das sich um Macht in ihren verschiedenen Facetten dreht.
Neben der Bühnenadaption von „Radetzkymarsch“ finden Schauspiel- und Filmworkshops, philosophische Sprechstunden, Vorträge und Diskussionsrunden statt. Einen ersten Einblick in das Kulturfestival gibt der Trailer.
Das Festival „Bühne der Macht“ findet von 15. bis 19. Juli in Sankt Daniel im Gailtal statt. Die Premiere von „Radetzkymarsch“ beginn am Mittwoch, 15. Juli, um 20 Uhr im Theaterzelt. Alle Infos und Tickets gibt es auf der Website.
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