Anlässlich des Almauftriebs informiert der Naturschutzbund über eine aktuelle wissenschaftliche Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die zeigt, dass Herdenschutz für Schafe und Ziegen auch in den österreichischen Alpen möglich ist.
Ausreichend Fläche vorhanden
Die Untersuchung analysierte erstmals systematisch die Schutzmöglichkeiten auf allen österreichischen Almen mit Schaf- und Ziegenhaltung. Das Ergebnis: Für sämtliche Schafe und Ziegen auf Österreichs Almen gäbe es ausreichend schützbare Flächen – etwa durch Behirtung mit Nachtpferch und Herdenschutzhunden oder durch Elektrozäune.

Für die Studie entwickelten die Forschenden einen Algorithmus, der für jede einzelne Alm geeignete Herdenschutzmaßnahmen berechnet. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem Hangneigung, Vegetation, Flächennutzung, Herdengröße und vorhandene Weidekapazitäten. Zusätzlich wurden 22 Almen vor Ort überprüft, um die Berechnungen zu validieren.
Schutz machbar, aber anspruchsvoll
Die Ergebnisse zeigen, dass bereits heute ein großer Teil der Schafe und Ziegen auf ihren Almen geschützt werden könnte und darüber hinaus zusätzliche Kapazitäten auf geeigneten Flächen vorhanden sind, ohne größeren Weidetieren Platz wegzunehmen. Die Studie kommt damit zum klaren Schluss, dass Herdenschutz für kleine Wiederkäuer in Österreich technisch machbar ist – auch im alpinen Gelände.
„Traditionelle Segnungen haben ihren kulturellen Wert – den tatsächlichen Schutz bieten aber vor allem Menschen, die sich um die Herden kümmern.“
Lucas Ende, Artenschutzkoordinator Naturschutzbund Österreich
Für kleine Wiederkäuer auf nicht schützbaren Almen wären zwar ausreichend alternative Weideflächen vorhanden, eine Verlagerung bringt jedoch erhebliche institutionelle und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Fragen zu Verträgen, Weiderechten, Akzeptanz unter Bewirtschafter:innen, Transportlogistik und Biosicherheit müssten gelöst werden.
Aus Sicht des Naturschutzes braucht es daher neben finanzieller Unterstützung für Zäune, Behirtung und Herdenschutzhunde auch gezielte Beratungs- und Koordinationsprogramme in den Agrarabteilungen der Länder, um praktikable Lösungen für die Almwirtschaft zu ermöglichen.
Behirtung schützt vor vielen Gefahren
„Gerade zur Zeit des Almauftriebs wird sichtbar, wie wichtig die Verantwortung für Weidetiere ist. Traditionelle Segnungen haben ihren kulturellen Wert – den tatsächlichen Schutz bieten aber vor allem Menschen, die sich um die Herden kümmern, Tiere beaufsichtigen und moderne Herdenschutzmaßnahmen umsetzen“, betont Lucas Ende, Artenschutzkoordinator beim Naturschutzbund Österreich.
„Die Anwesenheit von Hirt:innen ermöglicht zudem, Krankheiten oder Verletzungen frühzeitig zu erkennen und Weidetiere bei schlechtem Wetter rechtzeitig in sichereres Gelände zu bringen.“
Herdenschutz kostet Zeit und Geld
Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass Herdenschutz zusätzliche Arbeit und Kosten verursacht. Behirtung, Zäune und Herdenschutzhunde benötigen langfristige finanzielle Absicherung sowie praxisnahe Beratung. Derzeit werden entsprechende Maßnahmen in Österreich nur teilweise gefördert. Die Forschenden empfehlen daher einen deutlichen Ausbau der Unterstützung für Almbäuerinnen und Almbauern.
Für den Naturschutzbund verdeutlicht die Studie klar, dass der Schutz von Almtieren und die Rückkehr großer Beutegreifer vereinbar sind. Als Voraussetzung dafür sieht die Organisation eine verantwortungsbewusste Agrarpolitik mit einem Herdenschutz, der für eine zukunftsfähige Almwirtschaft sorgt.
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