Wenn die Vorzeichen nicht trügen, ist am Samstag, 30. Mai, auf der gesperrten Brennerautobahn mit einem gewaltigen Aufmarsch zu rechnen. In den offiziellen Aussendungen des Landes wird die Demo verschämt „als eine von einer Privatperson angemeldete Versammlung auf Basis einer Rechtsprechung des Landesverwaltungsgerichtes“ verklausuliert. Die „Privatperson“ ist Karl Mühlsteiger, der Bürgermeister von Gries am Brenner. Er hat die Versammlung – längst ein landesweiter Protestschrei mit durchaus offiziellem Charakter – privat bei der Behörde beantragt.
Angekündigt und bestätigt ist, dass Vertreter aller im Tiroler Landtag vertretenen Parteien bei der Kundgebung am 30. Mai auf der gesperrten Brennerroute vor Ort sein werden. Die oppositionellen Spitzen Gebi Mair (Grüne), Birgit Obermüller (Neos), Andrea Haselwanter‑Schneider (Liste Fritz) und Markus Abwerzger (FPÖ) machen kein Hehl daraus, dass sie sich in durchaus politischer Mission gegen den Transit-Tsunami stemmen werden, und auch der SPÖ-Verkehrslandesrat René Zumtobel wird laut Berichten „vor Ort sein – Schulter an Schulter mit der verkehrsgeplagten Bevölkerung“.
Landeshauptmann in geteilter Rolle
Taktisch komplexer geht die ÖVP mit der Demonstration um. Laut ÖVP‑Landesgeschäftsführer Florian Klotz werden „selbstverständlich Vertreter aus der Tiroler Volkspartei in Matrei mit dabei sein – aber nicht als Funktionäre, sondern als Tiroler“; einzelne Namen werden nicht konkret genannt. Die Sprachregelung betrifft aber auch den Landeshauptmann. Anton Mattle will sich laut Tiroler Tageszeitung spalten: „Als Landeshauptmann werde ich die Landeseinsatzleitung besuchen, als Privatperson die Demonstration.“
In jedem Fall wird der Verkehrspfropfen am Brenner für ordentliche Verstopfungen auch auf weit entfernten Routen sorgen. Konkret wird die A 13 Brenner Autobahn zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brenner von 11.00 bis 19.00 Uhr in beide Fahrtrichtungen für den gesamten Verkehr gesperrt. Für Lkw gilt die Sperre bereits ab 9.00 Uhr.
Achtung: Auch ein lokales Ausweichen ist nicht möglich. Zur Aufrechterhaltung der Verkehrs- und Versorgungssicherheit in der Region werden die B 182 Brennerstraße sowie die L 38 Ellbögener Straße für den Durchzugsverkehr gesperrt beziehungsweise entsprechend kontrolliert. Auch die B 183 Stubaitalstraße ist am 30. Mai nur für den Ziel- oder Quellverkehr nutzbar. Kathrin Eberle, Bezirkshauptfrau des Bezirks Innsbruck-Land, appeliert deshalb unmissverständlich: „Umfahren Sie Tirol am 30. Mai großräumig.“
Das Land Tirol, die Polizei, die ASFINAG sowie weitere Einsatzorganisationen haben sich nach eigenen Angaben „umfassend auf den 30. Mai vorbereitet.“ Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei bleiben einsatzfähig, für Einsatzfahrzeuge wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen – beispielsweise sind zusätzliche Einsatzfahrzeuge in der Region Wipptal stationiert und Korridore zur bestmöglichen Sicherung der Einsatzwege eingerichtet.
Der Veranstalter muss laut BH Innsbruck-Land insgesamt 100 Ordnerkräfte bereitstellen. Aus Sicherheitsgründen ist das Benutzen von Fahrrädern, Rollern, Rollschuhen und ähnlichen Fortbewegungsmitteln am Versammlungsort verboten.
Am Felbertauern ist man für den Ansturm gerüstet
Auch wenn die Ausweichroute offiziell kaum genannt wird, ist der Felbertauern natürlich eine naheliegende Alternative vor allem für den Pkw-Verkehr in den Süden. Dass auch der Plöckenpass wieder geöffnet ist, steigert zusätzlich die Attraktivität der Route.
Die Felbertauernstraße AG habe deshalb umfassende Maßnahmen getroffen, um den erwarteten Mehrverkehr bestmöglich zu bewältigen, erklärt Vorständin Elisabeth Kreuzer. Die Besetzung der Mautstelle mit Mitarbeiter:innen werde auf die maximal mögliche Anzahl erhöht. Teilautomatisierung soll die Abfertigungsgeschwindigkeit steigern. „Unser Ziel ist es, den zusätzlichen Verkehr so effizient und so sicher wie möglich abzuwickeln," sagt Kreuzer.
Verzögerungen und Wartezeiten sind dennoch wahrscheinlich. Falls erhöhtes Verkehrsaufkommen in Fahrtrichtung Süd vor der Mautstelle zu einem Rückstau in den Felbertauerntunnel führt, sei auch Blockabfertigung vor dem Tunnelportal Nord nicht auszuschließen. Kreuzer: „Diese Maßnahme dient der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und wird nur bei Bedarf gesetzt.“
3 Postings
Die Wipptaler protestieren gegen den Ausweichverkehr auf die Bundesstraße durch ihre Orte und sperren die Autobahn?! Finde den Fehler....
Musst halt den restlichen Text auch lesen: "Auch ein lokales Ausweichen ist nicht möglich."
Es wird die ganze Gegend für Durchzugsverkehr gesperrt.
Und da über die Thematik (zu viel Verkehr) nun berichtet und gesprochen wird, hat die Bevölkerung einen ersten Schritt gemacht.
Der Protest richtet sich auch gegen den Ausweichverkehr an den anderen Tagen....
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