Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören

WWF: Die Isel wird nicht ausreichend geschützt

Die EU beanstandete Mängel, das Land besserte nach. Für den WWF reicht aber auch der neue Entwurf nicht aus.

Im März dieses Jahres richtete sich die EU-Kommission mit einer Stellungnahme an Österreich: Darin war von Mängeln bei den Natura-2000-Schutzgebieten, Erhaltungszielen und Managementplänen die Rede.

Österreich wurde dazu aufgefordert, die Defizite zu beheben und innerhalb von zwei Monaten zu antworten, andernfalls könnte eine Klage beim Gerichtshof der Europäischen Union drohen.

Defizite im Natura-2000-System

Konkret bezog sich die Kommission in ihrem Mahnschreiben nicht auf ein einzelnes Schutzgebiet, sondern sie identifizierte drei strukturelle Defizite im österreichischen Natura-2000-System.

Erstens seien Schutzgebiete nicht oder nicht rechtzeitig ordnungsgemäß ausgewiesen worden. Zweitens würden viele Ausweisungsakte keine klaren Informationen enthalten, welche Arten und Lebensraumtypen in den jeweiligen Gebieten geschützt werden sollen. Drittens würden Erhaltungsziele und -maßnahmen entweder völlig fehlen oder sie seien zu allgemein und ohne die erforderliche Verbindlichkeit formuliert worden.

Osttiroler Gletscherflüsse: Arten und Lebensräume fehlen

Im Falle des Natura-2000-Gebiets „Osttiroler Gletscherflüsse Isel, Schwarzach und Kalserbach“ verwies die Kommission darauf, dass im Ausweisungsakt keine Arten und Lebensräume aufgeführt waren.

Zugleich führte sie wissenschaftliche Hinweise auf mehrere weitere Lebensraumtypen und Arten an, darunter Gelbbauchunke, Huchen, Koppe, Eisvogel, Grauspecht, Kleine Hufeisennase, Großes Mausohr, Bechsteinfledermaus, Mopsfledermaus und Fischotter.

Erhaltungsziele für Tamariske fehlen

Die Tiroler Landesregierung reagierte und legte einen Entwurf der Erhaltungszielverordnung für das Natura-2000-Gebiet in Osttirol vor. Aus Sicht des WWF ist diese Überarbeitung jedoch „unzureichend und europarechtswidrig“.

Die Naturschutzorganisation bemängelt vor allem das Fehlen messbarer Erhaltungsziele für die gefährdete Deutsche Tamariske. Zudem fehlen im Entwurf mindestens acht Lebensraumtypen, darunter prioritäre Auwälder, sowie neun geschützte Arten wie Huchen, Eisvogel und Fischotter. Für all diese Schutzgüter liegen wissenschaftliche Nachweise im Gebiet vor.

„Die EU-Kommission hat die Mängel klar benannt. Dennoch fehlen wesentliche Lebensräume, Arten und messbare Erhaltungsziele. Damit bleibt Tirol klar hinter den europäischen Vorgaben zurück“, beanstandet WWF-Expertin Marie Pfeiffer anlässlich des Endes der Begutachtungsphase am Dienstag, 26. Mai.

„Für einen der ökologisch wertvollsten Wildflüsse Österreichs braucht es einen Schutz, der seinen Namen auch verdient. Tirol muss die europäischen Naturschutzvorgaben endlich vollständig umsetzen“

Marie Pfeiffer, WWF

„Tirol kann Natura-2000-Gebiete nicht nach Belieben ausgestalten. Geschützte Arten, Lebensräume und Erhaltungsziele dürfen nicht willkürlich ausgewählt oder ganz weggelassen werden. Mit dem Entwurf droht Österreich daher eine weitere Eskalation des Vertragsverletzungsverfahrens“, moniert Marie Pfeiffer.

WWF befürchtet Schutzlücken für Naturgebiete

Besonders problematisch seien die Folgen für künftige Genehmigungsverfahren. Die EU-Kommission verweist in ihrem Mahnschreiben ausdrücklich auf eine mangelhafte Natura-2000-Verträglichkeitsprüfung beim Wasserkraftprojekt Schwarzach.

„Wenn geschützte Arten und Lebensräume in Natura-2000-Verordnungen fehlen, können auch die Auswirkungen von Projekten nicht vollständig geprüft werden. Dadurch entstehen Schutzlücken für wertvolle Naturgebiete“, warnt WWF-Expertin Marie Pfeiffer. 

Die Isel und ihre Zubringer zählen zu den letzten naturnahen Gletscherflusssystemen Österreichs. Ihre Schotterbänke bieten Lebensraum für die seltene Deutsche Tamariske, eine Zeigerpflanze für intakte Flusslandschaften, und zahlreiche weitere spezialisierte Arten.

Deshalb wurde die gesamte Isel als Natura-2000-Schutzgebiet ausgewiesen und steht unter besonderem europäischen Schutz. „Für einen der ökologisch wertvollsten Wildflüsse Österreichs braucht es einen Schutz, der seinen Namen auch verdient. Tirol muss die europäischen Naturschutzvorgaben endlich vollständig umsetzen“, fordert Pfeifer abschließend.

Keine Postings

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren