Bürgermeister Markus Einhauer aus Tristach genügt ein Blick auf sein Smartphone, um einen Echtzeit-Befund der Wasserversorgung seiner Gemeinde zu sehen. Wie gefüllt sind die Hochbehälter? Wie ist der Wasserstand im Tiefbrunnen? Am 28. Mai hat Einhauer keinen Grund zur Sorge, die Werte der Quellen liegen im grünen Bereich, lediglich der Wasserstand im Tiefbrunnen ist deutlich niedriger als vor einem Jahr.

Das gilt auch für den höchstgelegenen See in Tristach, den Laserzsee unterhalb der Karlsbaderhütte. Dolomitenstadt-Leser Rene Lanner hat ihn am 27. Mai fotografiert und sandte uns nicht nur diese Bilder, sondern auch ein Vergleichsfoto vom Juni des Vorjahres. „Für mich wirkt das dystopisch“, schreibt er.


Wir zeigten die Bilder einem, der viel in den Bergen unterwegs ist und auch den Laserzsee gut kennt, Bergrettungsobmann Thomas Zimmermann: „So hab ich den See noch nie gesehen,“ sagt er. Zimmermann ist auch auf dem Wildwasser der Isel zu Hause und attestiert dem Gletscherfluss ebenfalls Wasserarmut, zumindest in seiner Wahrnehmung: „Bemerkenswert finde ich, dass die Isel nicht wie früher am Abend deutlich mehr Wasser führt als tagsüber.“ Für Zimmermanns persönliche Wahrnehmung gibt es auch eine offizielle Bestätigung durch die Wissenschaft.
„Rund 30 Prozent weniger Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel hat der vergangene Winter und seine Ausläufer gebracht.“
Gletscherforscherin Andrea Fischer
„Um rund 30 Prozent weniger Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel hat der vergangene Winter und seine Ausläufer gebracht“, erklärte die am Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Innsbruck tätige Gletscherforscherin Andrea Fischer.
Der Schneemangel heuer wirkt sich neben den früher freiliegenden Gletschern und Gletscherresten auch auf die Pegelstände in Seen, Bächen und Flüssen aus, die teilweise im Frühling auf sehr niedrigem Wasserstandsniveau dahindümpelten. Der Schneefall in hohen Lagen im Mai glich dieses Manko nicht aus, was wohl auch der Grund für den „dystopisch“ anmutenden Pegelstand des Laserzsees sein dürfte.
Weit weniger entspannt als Markus Einhauer auf der „Schattseite“ sind einige seiner Bürgermeister-Kollegen auf der gegenüberliegenden Seite des Lienzer Talbodens. In Iselsberg-Stronach ist das Wasser derzeit schon so knapp, dass es nachts abgedreht wird. Rasenflächen zu gießen, das Auto zu waschen oder gar den Pool zu befüllen ist ausdrücklich verboten. Auch am Friedhof gibt es kein Wasser, um die Gräber zu gießen.

Nicht viel besser ist die Lage in Gaimberg. Dort wohnt Josef Duregger, der uns das Foto eines Aushangs geschickt hat, auf dem zum Wassersparen aufgerufen wird. „Es wird langsam ernst mit dem Wasser auf der Sunseitn, in Gaimberg gibt es relativ viele Objekte mit einer Privatquelle ohne Gemeindewasseranschluss“, merkt Duregger dazu an.
Und auch Dölsach ruft auf der Gemeindewebsite zum Wassersparen auf: „Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und fehlender Niederschläge sind derzeit in der Gemeinde Dölsach rückläufige Quellschüttungen in der öffentlichen Wasserversorgung zu verzeichnen. Um die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser auch weiterhin sicherstellen zu können, bitten wir den Wasserverbrauch auf ein Mindestmaß zu reduzieren.“

Die Bezirksstadt Lienz hat seit jeher eine komfortable Wassersituation, liegt sie doch auf einem großen Grundwassersee und verfügt über vitale Quellgebiete. Wie die aktuelle Grafik der Hydrographie Österreich zeigt, liegt der Pegel des Grundwassers unter der Stadt im mittleren Bereich. Über das „Lienzer Wasser“ haben wir mehrfach berichtet. Allerdings wird sich auch Lienz – ebenso wie die Dörfer – mit einer Gewichtung des Wasserverbrauchs in der Zukunft beschäftigen müssen.

Greenpeace hat 224 Grundwasser-Messstellen in ganz Österreich mit Ende Mai ausgewertet und bilanziert: „Trotz einiger Niederschläge in den vergangenen Wochen zeigen inzwischen 86 Prozent ein niedriges oder sehr niedriges Niveau.“ Besonders dramatisch ist laut der NGO, dass an jeder vierten Messstelle das Grundwasser so niedrig liegt, wie Ende Mai noch nie.
Deshalb wird „Wasserminister“ Norbert Totschnig (ÖVP) aufgefordert, ein Wasserentnahme-Register rasch umzusetzen, damit ersichtlich wird, wie viel Wasser Industrie, Tourismus und Landwirtschaft wirklich verbrauchen. Zudem fordert die Umweltorganisation eine Grundwasser-Abgabe für industrielle Großverbraucher. „Höchste Zeit, dass Totschnig endlich seiner Verantwortung nachkommt und Österreich dürrefit macht", sagt Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace.
5 Postings
ich war heute am Tristachersee, auch da deutlich reduzierter Wasserstand, erschreckend. Pools zu füllen bei drohendem Wassermangel halte ich für wenig sinnvoll, um es freundlich auszudrücken.
lieber René, wenn du schon vergleichbar Fotos bringst, solltest du dir auch die Mühe machen, den selben Bildausschnitt zu machen. Vielleicht gelingt dir das auch wenn es auch ein wenig Aufwand bedeutet. Ich könnt mich auch fragen, wieso oder will mich so einer absichtlich in die Irre führen. Fazit: Tatsachen liefern lg.
ist doch nur nicht dieselbe Entfernung. Deutlich zu erkennen, wieviel niedriger der Wasserstand ist.
Die sonnseitigen Gemeinden werden vielleicht über eine Grundwasserentnahme aus dem Lienzer Talboden nachdenken müssen.
Der Ruf der Ngos nach mehr Bürokratie wird immer unerträglicher. In trockeneren Ländern haben die Grundwassernutzer einen Wasserzähler und zahlen für die Entnahme. Dafür brauchts kein "Wasserentnahme-register" vom Totschnig. Es genügt die Verlängerung der Liste der Wasserzähler.
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