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Aufregung um männliche Marketender in Hall

Wenn Männer das Schnapsfass tragen, wollen die Schützen nicht gemeinsam mit der Musikkapelle marschieren.

In Tirol gibt es einmal mehr Aufregung um die Geschlechterrollen bei Traditionsvereinen: Weil bei der Haller Speckbacher Stadtmusik auch männliche Marketender mitmarschieren, wurde sie vom 72. Bezirksschützenfest in Hall in Tirol ausgeladen, berichtete „MeinBezirk“ zuerst. Der Schützenbezirk wollte bei seinem Festtag am 28. Juni Diskussionen um männliche Marketender vermeiden – auch mit Blick auf die erst kürzliche Entscheidung, Frauen am Gewehr nicht zuzulassen.

Bereits beim Schützenjahrtag der Speckbacher Schützenkompanie im März sei es unter den Schützen zu „intensiven Diskussionen und teilweise erheblichen Unverständnis“ aufgrund von männlichen Marketendern gekommen, hieß es seitens der Schützen. Nachdem die Kompanie bei der Stadtmusikkapelle angefragt habe, beim Bezirksschützenfest nur mit weiblichen Marketenderinnen auszurücken und dies dort verneint wurde, entschied sich der Schützenbezirk für die Ausladung der Stadtkapelle.

Historisch gesehen begleiteten auch Männer als Marketender die mittelalterlichen Heere. Heute sorgt das bei manchen Schützen für „Befürchtungen“. Foto: Expa/Feichter

„Im Zusammenhang mit der landesweiten basisdemokratischen Entscheidung, künftig keine Frauen als Gewehrschützinnen zuzulassen, sowie der Befürchtung, dass dadurch erneut ein entsprechender Konnex hergestellt werden könnte“, sei so entschieden worden, sagte Kurt Mayr, Bezirkskommandant des Schützenbezirks Hall.

„Dabei spielte die Teilnahme eines männlichen Marketenders eine zentrale Rolle, da dadurch erneute Diskussionen und öffentliche Kontroversen befürchtet wurden.“ Die Schützen wollten eine „sachliche und ruhige Durchführung“ des Fests gewährleisten, sagte Mayr auch der „Tiroler Tageszeitung“ (Dienstagsausgabe). Der Marketender sollte zudem „vor möglichen persönlichen Anfeindungen und belastenden Situationen“ geschützt werden.

Stadtmusikkapelle wollte auf Marketender nicht verzichten

Für die Obfrau der Stadtmusikkapelle, Claudia Posch, kam ein Verzicht auf ihre Marketender indes nicht infrage. „Zumal einer der Marketender ein fixes Mitglied der Kapelle ist und ihm ein Mitwirken keinesfalls verwehrt werden soll - schon gar nicht aufgrund seines Geschlechts.“ Die Speckbacher hätten sich Anfang 2026 indes bewusst dafür entschieden, auch männliche Marketender zuzulassen. Nicht nur um den Mitgliederstand zu gewährleisten, sondern auch um ein Zeichen für die Gleichbehandlung der Geschlechter zu setzen.

Landesverbände mit unterschiedlichen Reaktionen

Die Causa führte indes auch zu Reaktionen der Verbände auf Landesebene. Der Landesobmann des Tiroler Blasmusikverbandes, Peter Spanblöchl, zeigte „überhaupt kein Verständnis“ und bezeichnete die Ausladung als „starkes Stück“. Marketender hätten jedenfalls einen Platz bei den Tiroler Musikkapellen: „Auch historisch ist das gar kein Thema, das war immer ein männlicher Beruf“.

Der Landeskommandant des Bundes der Tiroler Schützenkompanien, Thomas Saurer, bezog indes nicht direkt Stellung, sondern verwies darauf, „dass die Entscheidung darüber, welche Vereine und Formationen zu einer Veranstaltung eingeladen werden, grundsätzlich beim jeweiligen Veranstalter liegt.“ Diese Eigenständigkeit gelte es zu respektieren, ebenso wie die Autonomie der jeweiligen Verbände, Vereine und Organisationseinheiten.

„Weder Einmischungen in die Angelegenheiten des Blasmusikverbandes und seiner Musikkapellen noch Eingriffe in die Eigenständigkeit der Schützenkompanien und Gliederungen unseres Bundes entsprechen meinem Verständnis einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, so Saurer in einem „Offenen Brief“.

Der Landeskommandant betonte, dass es „unser gemeinsames Ziel“ sein sollte, „Verständnis für unterschiedliche Standpunkte aufzubringen und ein respektvolles Miteinander zu pflegen“. Die Schützen stünden jedenfalls für einen „sachlichen Dialog“. Saurer appellierte „an alle Beteiligten, aufeinander zuzugehen, Brücken zu bauen und den Dialog fortzusetzen.“

Stadtpolitik stellt Förderung auf Prüfstand, NEOS und Grüne mit Kritik

Die Stadtpolitik zeigte sich von dem Vorfall nicht angetan, die Streichung der Förderung für die Veranstaltung stand im Raum. Für Bürgermeister Christian Margreiter könnte es schon „Konsequenzen“ haben, sollte ein „verdienter Haller Verein von einem Bezirksschützenfest ausgeladen“ werden.
Kein Verständnis kam auch vonseiten oppositioneller landespolitischer Vertreter.

NEOS-Landessprecherin und Klubobfrau Birgit Obermüller sah bei den Schützen den „nächsten Schritt rückwärts“. „Wer jede Form von Gleichberechtigung oder Offenheit als Kontroverse betrachtet, sollte sich fragen, ob er im Jahr 2026 angekommen ist“, sprach sie von einer „Absurdität“.

Auch die Grünen übten starke Kritik an den Schützen. „Der Wunsch nach Gleichstellung entsteht längst innerhalb der Vereine selbst und wird dennoch von Teilen des Schützenwesens radikal abgewürgt“, meinte Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan. Die Schützen hätten „offenbar Angst vor einer gesellschaftlichen Debatte“.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

16 Postings

PdL
vor 2 Tagen

An Dummheit schwerlich zu überbieten, ich stell mir das bildlich vor.

Wenn der Sepp, der Wirt, dem Schützen ein Glas Schnaps auf den Tisch stellt.

Und der Schütz erwidert:

Von Dir trink i koan Schnops, nur wenn die Zenzi mir an bringt.

Aber vielleicht ist es eh besser so, bei manchen Schützen hat der Schnaps schon einige Gehirnzellen stark geschädigt.

Die sollten lieber ein Kracherle trinken.

Traurig ist nur, dass ich diese Hanseln auch noch mit meinen Steuergeldern mitfinanziere.

 
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Zahlen-lügen-nicht..
vor 3 Tagen

Um was sich manche Leute Gedanken machen. Ihnen ist wohl langweilig.🤦

 
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andreas.klotz
vor 4 Tagen

Bevor Frauen diesen Job übernommen haben , war es ein reiner Männerberuf . Man sollte mit der Zeit gehen , die modernen Marketender sind Land Drohnen aus Ukrainisch - Deutscher Produktion . 25 000 dieser Drohnen versorgen die Soldaten an der Front. Sollen halt bei festlichen Anlässe ein paar Drohnen mitfahren , die Welt würde über das innovative Tirol und seine modernen Marketender staunen.

 
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isnitwahr
vor 5 Tagen

wieviele Schützen (Personen) gibt es in Tirol? Ich glaube nicht, daß alle dagegen sind, ich kann mir eher vorstellen, daß das irgendwelche engstirnige, ewiggestrige Bonzen sind, die glauben, alles bestimmen zu können. Wäre interessant, eine geheime Abstimmung mit allen Schützen zu machen, dann könnte man von DEN Schützen sprechen und nicht die angebliche Ablehnung pauschal über alle drüberstülpen.

 
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    Hannes Schwarzer
    vor 4 Tagen

    17000 Mitglieder in 235 Kompanien zählen die 'Wadlstutzen' , dazu 8000 in 159 Vereinen die Sportschützen! Natürlich gibt's Doppelmitgliedschaften und Überschneidungen mit Kompanien und Vereinen. (Der 2003 verstorbene BH Dr. Doblander war zB in fast allen Osttiroler Kompanien und bei mehreren Ostt. Vereinen Mitglied)

     
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      isnitwahr
      vor 4 Tagen

      Danke Herr Schwarzer für die Info. Das sind ja eine ganze Menge "gstandene Manda". Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle gegen männliche Maketender sind...

       
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Sensei
vor 5 Tagen

Ich finde es großartig, dass sich die sturen Manda schlußendlich doch noch mit der modernen Welt befassen müssen, jetzt wo sie laut an ihre Pforten klopft. Vielleicht lernen sie ja etwas dabei.

 
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lia
vor 5 Tagen

männliche marketenter mit schnapsfassln gehören zu den regenbognern nach wien.

 
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    Sensei
    vor 5 Tagen

    Und die männlichen Schützen aus Nordtirol haben mehr Angst vor dem Regenbogen als vor den Franzosen :) Was sagt uns das?

     
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    Moses
    vor 4 Tagen

    Wenn mir als Schütze zwei männliche Marketenter Angst machen würden, dann würde ich einmal ehrlich in mich gehen und die Gründe suchen...

     
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Letsfetz
vor 5 Tagen

Doch mal gegen diese Schützeneinstellung klagen, würd mich wundern, wenn man nicht letztinstanzlich im Sinne der berechtigten Gleichheit aller Geschlechter gewinnen würde, Mensch ist Mensch, so ist das nun mal.

Dieses alte verkrustete Altherrendenken gehört aufgebrochen: "Manda und Weiberleit, es isch Zeit"!

 
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    Hannes Schwarzer
    vor 5 Tagen

    Zur Einordnung: Ex offo ist der Landeshauptmann der LandesoberSTschützenmeister der 'Oberste' der Tiroler Schützenkompanien und auch der Tiroler Sportschützen! Es wäre ein Leichtes, dem (etwas zu konservativen) Landeskommandanten, Thomas Saurer, seine Federn 'gerade' zu richten und ein Machtwort zu sprechen! Warum wohl tut der LH und ÖVP Chef dies nicht ??

     
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      isnitwahr
      vor 5 Tagen

      gute Frage!!!

       
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Duke
vor 6 Tagen

Liest sich wie eine Satire. Wäre ein gutes Thema für Die Tagespresse.

 
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    Hannes Schwarzer
    vor 5 Tagen

    Ich glaube, denen ist das zu blöd!!!!

     
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      Duke
      vor 5 Tagen

      Haben das Thema Schützinnen gerne aufgegriffen. 😉

       
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