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Prestigeerfolg: Österreich im UNO-Sicherheitsrat

Riesenjubel nach der Abstimmung in der UNO-Generalversammlung in New York. Deutschland ging leer aus.

Österreich hat sich im Ringen um einen nicht-ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat für die Jahre 2027 und 2028 klar gegen Deutschland durchgesetzt. Bei der geheimen Wahl in der UNO-Generalversammlung erreichte Österreich am Mittwoch in New York 131 Stimmen, um drei weniger als der haushohe Favorit Portugal. Deutschland ging im Dreier-Rennen um zwei westliche Sitze mit 104 Stimmen leer aus. Für die Wahl brauchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 127 der 190 Stimmen.


Österreichs UNO-Botschafter Kössler gab Stimme ab. Foto: APA/BMLV/MBNY

Nach Bekanntgabe des Ergebnisses brach in der von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) angeführten österreichischen Delegation großer Jubel aus, wie Bilder vom Livestream des UN Web TV zeigten.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger jubelt mit der österreichischen Delegation über den klaren Abstimmungserfolg in der UN. Foto: APA Images/Gruber

Meinl-Reisinger nahm ebenso wie ihre Amtskollegen Johann Wadephul (Deutschland) und Paulo Rangel (Portugal) persönlich an der Sitzung teil, die von der deutschen Ex-Außenministerin Annalena Baerbock als Präsidentin der UNO-Generalversammlung geleitet wurde. Meinl-Reisinger hatte vor Beginn der Sitzung noch ein Selfie mit Wadephul und Rangel vor dem Rednerpult gemacht.

Regierungsparteien erfreut

„Der Einsatz und die vielen internationalen Kontakte der letzten Jahre haben sich ausgezahlt: Österreich sitzt wieder mit am Tisch, wo über Frieden, Sicherheit und Stabilität entschieden wird“, teilte Meinl-Reisinger im Anschluss an die Verkündung des Wahlergebnisses in einer Aussendung mit. Dank der Kampagne für den Sicherheitsratssitz sei Österreich „heute weltweit so breit aufgestellt wie noch nie“, so die Außenministerin. „Mein Dank gilt allen, die einen Beitrag zu dieser Kampagne geleistet haben. In einem erfolgreichen Zielsprint haben wir die langjährigen Bemühungen Österreichs zum Erfolg geführt.“ In einem Statement nach dem Votum im UNO-Hauptquartier dankte Meinl-Reisinger explizit ihren Regierungskollegen, Vorgängerinnen und Vorgängern. „Das war wahrlich eine Teamleistung“, sagte sie.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach von einem „großartigen Erfolg“ und sprach sich für eine Stärkung der Vereinten Nationen angesichts der „willkürlichen Machtausübung der ‚Stärkeren‘“ aus. „Österreich wird sich im Sicherheitsrat beharrlich für einen auf Völkerrecht und Menschenrechten basierenden Multilateralismus einsetzen“, betonte Van der Bellen.

„Ein großartiger diplomatischer Erfolg für Österreich. Wir werden 2027-2028 Verantwortung im UN-Sicherheitsrat übernehmen!“, schrieb Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) auf X. Als „starkes Vertrauenssignal“ bezeichnete Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) das Votum. „Unsere Aufgabe ist klar: als neutrales Land den Frieden stärken, den Dialog ermöglichen und internationales Recht verteidigen. Die Welt braucht mehr Zusammenarbeit, nicht weniger.“ Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) sprach von einem „großen Tag für Österreich“, forderte aber zugleich eine Reform der Vereinten Nationen mit mehr Handlungsfähigkeit „sowie einen Platz für die EU“.

Grüne pochen auf Völkerrecht, FPÖ sehen Nagelprobe für Neutralität

Die Grünen gratulierten der Außenministerin und dem gesamten diplomatischen Dienst zum „bedeutenden außenpolitischen Erfolg“. „Mit dieser Aufgabe wächst auch Österreichs Verantwortung, humanitäre Hilfe zu stärken und das Völkerrecht konsequent zu verteidigen“, schrieb die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Meri Disoski, in einer Aussendung. „Wir erwarten uns von Österreich eine klare Haltung zum humanitären Völkerrecht - ohne Wenn und Aber. Auch dann, wenn es politisch unbequem ist“, so Disoski etwa mit Blick auf die Konflikte im Nahen Osten.

Kritisch äußerte sich die FPÖ. Der neu errungene Sitz sei „kein Grund für Selbstbeweihräucherung“, sondern „eine Nagelprobe für die Standfestigkeit der österreichischen Neutralität“, teilte FPÖ-Außenpolitiksprecherin Susanne Fürst in einer Aussendung mit. Mit Blick auf die Außenministerin meinte Fürst, dass der Sitz „nicht zur Bühne für die Selbstdarstellung einzelner Personen und ihrer brandgefährlichen politischen Irrwege werden“ dürfe. Die österreichischen Vertreter im Sicherheitsrat hätte die Aufgabe, „Vermittlung, Diplomatie und vor allem Neutralität im besten Sinne mit Leben zu erfüllen“.

„Dass Österreich 2027/28 nicht-ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates sein wird, ist ein Erfolg der Außenpolitik dieser Bundesregierung mit Bundeskanzler Christian Stocker an der Spitze“, schrieb ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl in einer Aussendung. NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos hob indes den Einsatz der Außenministerin hervor. Sie habe die österreichische Bewerbung „mit großem persönlichem Engagement vorangetrieben. Sie hat in den vergangenen Monaten international Brücken gebaut, unzählige Gespräche geführt und Vertrauen geschaffen. Dafür gebührt ihr großer Dank“, schrieb er in einer Aussendung.

Hartes Ringen um asiatischen Sitz

Neben den beiden westlichen sollten noch drei weitere Sitze im Sicherheitsrat vergeben werden. Trinidad und Tobago (Lateinamerika und Karibik) und Simbabwe (Afrika) schafften es mangels Gegenkandidaturen auf Anhieb mit 181 bzw. 182 Stimmen. Um einen Sitz der Asien-Pazifik-Gruppe lieferten sich die Philippinen und Kirgistan einen harten Kampf. Im zwei Wahlgängen verfehlten sie jeweils die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit, weswegen eine dritte Wahlrunde stattfinden musste. Im ersten Wahlgang setzte sich Kirgistan mit 110 zu 81 Stimmen durch, im zweiten mit 105 zu 85 Stimmen.

Vierte Bewerbung Österreichs

Österreich hatte sich zum vierten Mal für den prestigeträchtigen Posten im Sicherheitsrat geworben, der fünf ständige und zehn nicht-ständige Mitglieder hat. Die drei bisherigen Anläufe waren erfolgreich, bei seiner letzten Kandidatur um einen nicht-ständigen Sitz für die Jahre 2009/2010 konnte es in einem Dreikampf mit der Türkei und Island knapp die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen.

Der Sicherheitsrat ist das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen. Er besteht aus 15 Mitgliedern. Die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien haben ständige Sitze und können Ratsentscheidungen mit ihrem Veto blockieren. Die zehn nicht-ständigen Mitglieder des Gremiums werden jeweils zur Hälfte alle zwei Jahre ausgewechselt.

8 Postings

LaraLektora
vor 6 Tagen

Eine diplomatische Meisterleistung und hier wird nur gesudert. Bravo an unsere Delegation!

 
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chiller336
vor 6 Tagen

für mich hat angesichts der lage in österreich das wort sicherheitsrat eine wischiwaschi bedeutung. unsere politiker sollten sich in erster linie mal um die sicherheit in österreich kümmern. dazu zählen für mich vergewaltigungen, kindesmissbrauch, tierschutz und noch einiges mehr. mmn sollte man erst die eigenen mankos in den griff bekommen, bevor man sich an den großen internationalen tisch setzt. aber das ist bezeichnend für unsere regierung, als ob wor nicht selber genug probleme im land hätten ...

 
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karlheinz
vor 6 Tagen

So die Hände in die Luft zu strecken ist es wohl auch wieder nicht. Immerhin kostet diese zweijährig begrenzte Mitgliedschaft dem Staat ca 20Millionen. Aber wir haben's ja. Mal sehen was daraus wird?

 
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andreas.klotz
vor 7 Tagen

Gut für Österreich, aber das ganze System gehört geändert . Deutschland ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ,leistet nach den USA den höchsten Beitrag inkl. freiwilliger Leistungen an die UN und ihre Unterorganisationen. USA bin ich mir gar nicht so sicher , die haben viel gekürzt und oft im Zahlungsrückstand. Manche Länder haben massive Schulden bei der UN, aber mehr zu melden wie Deutschland. Deutschland muss einen festen Sitz bekommen , als der große Player in Europa . 4,5 Milliarden zahlt Deutschland jährlich , und du hast nichts zu melden . Da muss man sich nicht wundern, dass die AFD Tag für Tag stärker wird , die haben schon ihre Pressemitteilung in Umlauf gebracht, mit einer Liste an Forderungen, die die UN Organisationen sehr schwächen würde. Bin mir sicher, dass mit dem heutigen Ergebnis ,eine große Mehrheit in Deutschland für massive Kürzungen ist. Das Ergebnis in New York wird von der AFD ausgeschlachtet , um den letzten Ostdeutschen zu überzeugen, die AFD bei den 2 Landtagswahlen im Herbst zu wählen .

 
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    TW-WU
    vor 6 Tagen

    Gut das sich die AfD derweil ausschließlich um die interessen deutschlands kümmert:

    "AfD-Mitarbeiter verurteilt,... Es geht um die Weitergabe vertraulicher Infos an China und die Bespitzelung von Dissidenten"

    https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/ex-mitarbeiter-krah-spionage-urteil-100.html

    "Spionage-Alarm wegen AfD-Reise nach Russland AfD-Politiker besuchen Wirtschaftsforum in St. Petersburg..."

    https://www.heute.at/s/spionage-alarm-wegen-afd-reise-nach-russland-120203442

    "Thüringens Innenminister warf der AfD vor, an Informationen im Sinne Russlands gelangen zu wollen. Die Partei reichte seit 2020 gut 7000 sicherheitsrelevante Anfragen ein..."

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-reichte-seit-2020-gut-7000-sicherheitsrelevante-anfragen-ein-a-a6d2fedb-6830-426f-a5cc-1153d188d530

    AfD-Politiker beehren Putin und den einstigen ICE-Chef Bovino. Das ist mehr als zweifelhafter Umgang. Sie schätzen Mörder und Unterdrücker...

    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-menschenverachtenden-freunde-der-afd-200893932.html

     
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      andreas.klotz
      vor 6 Tagen

      AFD macht nur diese Art von Politik , bei Kommunalwahlen machen sie Bundespolitik und Europapolitik . Bei Landtagswahlen kommt die Große Weltpolitik. Zurück zum Thema UN , Deutschland war nicht vorausschauend und naiv . Sie haben keinen richtigen Wahlkampf gemacht , vergessen, dass Russland die am besten ausgebildeten Diplomaten der Welt hat , die Meister der diplomatischen Arbeit nach russischer Art sind . Russland hat im Hintergrund dafür gesorgt, dass Deutschland nicht in den Sicherheitsrat kommt . Der hat nicht mehr den Einfluss wie mal geplant war, aber trotzdem einen hohen Wert in der Diplomaten Welt . Russland versucht mit allen Mitteln Deutschland zu destabilisieren, da Deutschland den Ukrainekrieg im Sinne der Ukraine lösen will .

       
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      Bahner Bernd
      vor 6 Tagen

      Wenn man der AFD den notwendigen politischen Hebel in die Hand gibt, werden sie sich eingehend mit Europa und dessen Destabilisierung beschäftigen. Einmal an der Regierungsmacht würden sie als 5.Kolonne Russlands auch in der Weltpolitik in deren Sinne agieren. Und da fallen mir noch andere "patriotische" Parteien ein.

       
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    Bahner Bernd
    vor 6 Tagen

    Deutschland ja. Aber noch sinnvoller erschiene es mir, der EU ingesamt als Organisation einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat zu verschaffen. Das würde Europa, auch als Friedensprojekt, mehr politisches Gewicht und Bedeutung nach innen wie nach außen verleihen. Nach dem Rückzug der USA kann es nicht schaden, die abendländische Tradition von liberaler Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in einem weltweiten, immer noch bedeutenden Forum wieder mehr in Erinnerung zu rufen. Zumindest von dem hier bei uns gewachsenen Konzept her; was die Praxis betrifft brauchen wir uns beileibe nicht als Schulmeister aufspielen.

     
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