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Contra Plöcken-Scheiteltunnel: „Verkehr ist wie das Wasser“

Markus Sint, Klubobmann der Liste Fritz, antwortet auf das Schreiben von Ingo Ortner.

Guten Tag Herr Ortner,

vielen Dank für ihr Schreiben und ihre kritische Sichtweise.

Wie man zu den Tunnelplänen am Plöcken steht, hängt wohl stark vom jeweiligen Standpunkt ab. Sie sprechen sich dafür aus, ich mich strikt dagegen. Nicht weil ich ihnen oder einigen Befürwortern in Kärnten etwa neidig bin oder nicht gönne, sondern weil ich es als Abgeordneter zum Tiroler Landtag, der diese Region gut kennt, einfach nicht verantworten kann.

Es geht nicht darum, welche Bezeichnung diese Strecke heute hat, es geht auch nicht darum, ob es heute ein relevantes Transitinteresse gibt, sondern es geht um die schlichte Tatsache, dass diese Strecke zwischen zwei sehr wirtschafts- und tourismusstarken Regionen liegt.

Da gibt es handfeste Interessen der Tourismusregionen an der Adria (noch) mehr deutsche und österreichische Touristen herzubringen und es gibt wirtschaftliche Interessen (noch) mehr Produkte aus den italienischen Häfen nach Österreich und Deutschland zu bringen.

Sobald eine Straße entsprechend ausgebaut ist, sobald Engstellen entschärft und der Verkehr flüssiger und bequemer gemacht wird, rollt mehr Verkehr. Ob Transitstrecke oder nicht. Der Verkehr ist wie das Wasser, er sucht sich den einfachsten Weg.

Seien sie mir nicht böse, aber Berechnungen, wie viel mehr PKW oder LKW bei einem Plöckenausbau zu erwarten wären, sind eben Berechnungen und nicht ernst zu nehmen. Papier ist geduldig, solche Berechnungen halte ich für Unsinn.

Die Aussage, dass keine Transitlawine zu erwarten ist und kein massives Verkehrsproblem, ist schon deshalb falsch und unsinnig, denn dann wäre der Ausbau der Straße auch unsinnig und jedenfalls nicht im Sinne des Tourismus und der Wirtschaft, wenn ohnedies nicht mehr Menschen die Straße nützen würden. Warum Millionen an Steuergeld investieren, wenn eh nicht mehr fahren?

Als leidgeplagte Tiroler kennen wir alle diese Berechnungen und wir kennen die Realität. Neue, besser ausgebaute Straßen bringen noch mehr Verkehr. Den wollen und brauchen wir nicht und ich bitte sie schon auch, diese Tiroler Haltung zur Kenntnis zu nehmen. Wenn nämlich Österreich für einen Ausbau Steuergeld in die Hand nehmen soll, dann ist das auch Steuergeld aus Tirol.

Ihren Vorhalt, wonach die italienische Seite 25 Mio. zur Wiedereröffnung investiert habe und Österreich sowie Kärnten keinen Beitrag geleitstet hätten, kann ich ebenso nicht nachvollziehen. Wenn auf Kärntner oder Tiroler Seite Straßen zu sanieren sind, was bei uns laufend der Fall ist, dann wird Italien auch nicht mitzahlen oder glauben sie, dass Italien einen Cent für die Sanierung der Luegbrücke am Brenner bezahlt.

Ich kann ihnen versichern, dass wir diese Diskussion ausschließlich sachlich führen, aber wir nehmen nicht Partei für irgendwelche italienischen Interessen, sondern wir stellen uns auf die Seite der tausenden Anrainer auf Tiroler und Kärntner Seite, die heute schon leidgeplagt vom Verkehrsaufkommen sind. Letztlich geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Tiroler Verkehrspolitik.

Wie sollen wir glaubwürdig verkehrsbeschränkende Maßnahmen durch Tirol beibehalten sowie um Unterstützung dafür in Europa werben, wenn wir gleichzeitig verkehrsfördernde Maßnahmen, wie den Tunnelbau am Plöcken, das Wort reden und solche Ausbaumaßnahmen unterstützen. 

Aus meiner Sicht und aus Sicht der Liste Fritz kann es deshalb in dieser Frage keinen Kompromiss und keine Verhandlungen geben.

Mit besten Grüßen

Markus Sint,
Klubobmann Liste Fritz

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

8 Postings

heli52
vor 2 Stunden

Der Transitverkehr von Nord nach Süd (und umgekehrt) durch Österreich wird - trotz Brennerbasistunnel, Beschränkungen, Transitabkommen ....) wohl eher zunehmen, zumindest nicht abnehmen! Dann könnte man als verantwortungsvoller Tiroler Politiker Alternativen andenken, die die Brennerachse entlasten! Eine davon wäre ein "vorsichtiger" Ausbau der Plöckenstrecke! Würde sicherlich mehr Verkehr durch Osttirol bedeuten, aber etwas Kapazität besteht sicherlich noch ohne große Mehrbelastung der Bevölkerung! Natürlich kann man auch das Florianiprinzip anwenden: Hauptsache nicht bei uns, die im Wipptal sollen sich selber kümmern! Man kann natürlich auch so vorgehen wie die Liste Fritz: Gegen alles sein, auf die Regierung schimpfen und allen anderen die Schuld geben, besonders der EU .... "Und die Wirtschaft im Gailtal und in Friaul kümmert mich ja sowieso nicht! Ich bin ja TIROLER Oppositionspolitiker!"

 
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Shusha
vor 2 Stunden

Ich stehe dem geplanten Plöckentunnel kritisch gegenüber. Die Diskussion wird seit Jahren geführt, allerdings habe ich oft den Eindruck, dass die möglichen Nachteile für die Bevölkerung deutlich weniger Aufmerksamkeit enthalten als die erwarteten Vorteile für Wirtschaft und Tourismus. Schon heute ist Osttirol verkehrsmäßig stark belastet. LKWs, Urlaubsgäste und der tägliche Verkehr der Einheimischen sorgen vielerorts für ein hohes Verkehrsaufkommen. Da stellt sich für mich die Frage: Brauchen wir wirklich noch mehr Verkehr? Wir wissen heute, dass Verkehr mit Verbrennungsmotoren Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Gesundheit hat. Auch Lärm beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Menschen. Deshalb sollte nicht nur gefragt werden, wie man den Verkehr erleichtern kann, sondern auch, wie man ihn insgesamt reduzieren kann. Manchmal entsteht der Eindruck, als sei zusätzliche Infrastruktur automatisch positiv, solange sie dem Tourismus oder dem Warenverkehr dient. Doch Lebensqualität, Gesundheit und der Schutz unserer Natur sind ebenso wichtige Interessen. Bevor Milliarden in neue Straßenverbindungen investiert werden, sollte ernsthaft geprüft werden, welche Alternativen es gibt und welche Folgen das Projekt langfristig für Osttirol haben könnte. Sind nicht schon jetzt genug LKWs auf unseren Straßen unterwegs?

 
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roberrai
vor 2 Stunden

Für einen Warenaustausch zwischen Friaul und Kärnten einen Tunnel zu bauen finde ich übertriebe denn das geht mit Amazon billiger 😂

 
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british shorthair
vor 4 Stunden

Papier ist geduldig, solche Berechnungen halte ich für Unsinn... ein politischer Funktionär, der solche Sichtweisen vertritt, sollte umgehend seinen Rücktritt erklären. Und mit Grammatik und Zeichensetzung hat's der Herr Sint wohl auch nicht so...

 
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    isnitwahr
    vor 3 Stunden

    echt jetzt? Was für ein ...

     
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steuerzahler
vor 4 Stunden

Einfach eine Strasse nicht zu bauen, weil man vor dem Verkehr Angst hat, ist auch nicht der richtige Weg. Die Bemühungen sollten vielmehr auf die Bahn konzentriert werden. Die Umlagerung des Warenverkehrs auf die Bahn ist längst überfällig. Einfach nur Einschränkungen statt Alternativen bringt nichts. Ein europaweites einheitliches und weitgehend automatisiertes Warenverkehrssystem auf der Schiene, das sollte das Ziel sein. Leider klingt das derzeit wie eine Utopie, hier versagt die EU komplett.

 
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    Calimero
    vor 3 Stunden

    Die EU versagt auch in allen anderen Bereichen.

     
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      Hannes Schwarzer
      vor 2 Stunden

      Schon cool, ohne Pass- und Zollkontrollen ans mare zu fahren und dort statt mit Lira oder Kuna zu bezahlen, einfach den gewohnten Euroschein zücken....aber Hauptsache den Blausprech nachplappern.....

       
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