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Pro: Der Plöckenpass braucht einen Scheiteltunnel

Ingo Ortner aus Kötschach-Mauthen hat ein Statement an die Abgeordneten des Tiroler Landtags geschickt.

Liebe Liste Fritz und liebe Grüne,

sehr geehrte Mitglieder des Ausschusses für Klima, Nachhaltigkeit, Ökologie, Energie, Verkehr sowie Land- und Forstwirtschaft, es ist bemerkenswert, wie oberflächlich und emotional manche Debatten rund um den Plöckenpass geführt werden. Gerade bei einem derart sensiblen Thema wäre eine sachliche Diskussion auf Basis von Fakten und nicht von Schlagworten notwendig.

Vorab: 28 Bürgermeister der Carnia und 7 Bürgermeister des Bezirkes Hermagor haben sich aufgrund der Naturgefahren rund um den Plöckenpass für die Planung und den Bau des Scheiteltunnels ausgesprochen. Nach bestem Wissen und Gewissen im Interesse der lokalen Bevölkerung.

Daher hat LAbg. Martin Mayerl Recht, dass die Verbindung Felbertauern – Lienz – Gailberg – Plöckenpass keine klassische Transitroute darstellt, sondern überwiegend eine Ausflugs- und Regionalstraße ist. Genau darin stimmen wir vollständig überein: Auch wir im Gailtal wollen keine neue Transitachse durch die Alpen schaffen.

Die EU hat indirekt klar bestätigt, dass auf dieser Verbindung kein relevantes internationales Transitinteresse besteht und auch künftig nicht zu erwarten ist. Gerade deshalb gibt es aus dem TEN-V-Förderprogramm keine Unterstützung.

Wenn jedoch mit möglichen „Gefahren“ oder „Bedrohungen“ argumentiert wird, sollte man die offiziellen Zahlen der Fachabteilungen des Landes Kärnten heranziehen. Diese kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: bei einem Scheiteltunnel würden die durchschnittlichen Tagesfrequenzen lediglich von derzeit rund 1.096 auf etwa 1.200 Fahrzeuge steigen. Das entspricht rechnerisch ungefähr 50 zusätzlichen Fahrten pro Richtung und Tag – also im Durchschnitt lediglich etwa zwei Fahrzeugen pro Stunde.

Von einer Transitlawine oder einem massiven Verkehrsproblem kann daher seriöserweise keine Rede sein.

Zudem muss die gesamte Verbindung Kufstein – Kitzbühel – Mittersill – Lienz – Gailberg – Kötschach-Mauthen – Plöckenpass – Tolmezzo differenziert betrachtet werden. Die einzelnen Streckenabschnitte weisen völlig unterschiedliche Funktionen und infrastrukturelle Voraussetzungen auf. Verkehrsverträglichkeit kann daher nur abschnittsweise und auf Basis realer Daten beurteilt werden.

Ebenso richtig ist, dass sich die Region Friaul-Julisch Venetien – einschließlich der Regionalregierung, der Sozialpartner sowie 28 Bürgermeister – klar für einen Scheiteltunnel ausgesprochen hat. Hintergrund dafür ist nicht die Schaffung einer Transitroute, sondern die Hoffnung auf einen regionalpolitischen Impuls für die strukturschwache Carnia. Ziel ist es, den Menschen in den alpinen Randlagen wieder eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektive zu geben. Auch wir im Gailtal, Lesachtal und Drautal wünschen uns diesen Impuls. 

Natürlich spielt für die italienische Seite auch die bessere Erreichbarkeit der Badeorte eine Rolle. Als Bewohner an der Strecke kann ich berichten, dass der überwiegende Teil des Verkehrsaufkommens aus Bayern und Tirol kommt – insbesondere Fahrzeuge mit Kennzeichen aus den Bezirken Kitzbühel und Zell am See fahren durch Mauthen.

Bemerkenswert ist auch die finanzielle Dimension der aktuellen Diskussion. Bei der nun gefeierten Wiedereröffnung der Straße wurde hervorgehoben, dass Italien rund 25 Millionen Euro investiert hat, um die Baustelle und Sicherungsmaßnahmen abzuwickeln – während Österreich beziehungsweise Kärnten keinen Beitrag geleistet hat.

Sollte eine großräumige Alternativstraße errichtet werden, würde sich dieses Bild fortsetzen: Dann würden wir vermutlich feiern, dass Italien alleine rund 150 Millionen Euro investiert, während Österreich beziehungsweise Kärnten erneut keinen Beitrag leisten. Das Ergebnis wäre dennoch lediglich eine weiterhin störanfällige Gebirgsstraße, die auch künftig nicht ganzjährig sicher befahrbar wäre.

Gerade deshalb sollte die Diskussion sachlich geführt werden. Beim Scheiteltunnel handelt es sich um eine umwelt- und naturschutzverträgliche Kompromisslösung. Der Eingriff in die Landschaft wäre wesentlich geringer als bei einer neuen hochrangigen Straßenführung auf beiden Seiten des Passes.

Zudem erscheint die immer wieder kolportierte Summe von 530 Millionen Euro deutlich überzogen. Fachlich ist davon auszugehen, dass ein Scheiteltunnel mit wesentlich geringeren Kosten und in deutlich kürzerer Bauzeit realisiert werden könnte.

Ebenso offen ist derzeit die Frage möglicher europäischer Unterstützungen oder Förderungen. Diese Möglichkeiten sind erst seriös zu prüfen. Realistisch erscheint jedenfalls, dass sowohl Österreich als auch Italien jeweils Investitionsbeiträge in einer Größenordnung von etwa 150 bis 200 Millionen Euro leisten könnten.

Die Diskussion sollte daher weniger von ideologischen Befürchtungen geprägt sein, sondern vielmehr von Sachlichkeit, regionalpolitischer Verantwortung und einem fairen Blick auf die tatsächlichen Fakten.

1. Österreichische Seite

Auf österreichischer Seite müsste bei einer Scheiteltunnel-Lösung keine neue Straße gebaut werden. Der Verkehr könnte direkt von der bestehenden Straße in eine Tunnelröhre geführt werden.

Dadurch würden hunderte Höhenmeter bergauf und bergab vermieden.

  • deutlich geringerer Flächenverbrauch
  • minimale zusätzliche Versiegelung
  • geringerer Eingriff ins Landschaftsbild
  • weniger Emissionen und Energieverbrauch
  • bessere ganzjährige Befahrbarkeit
  • und ganz im Sinn der Alpenkonvention - nichts Neues, aber etwas Besseres auf Basis von Bestehendem

2. Italienische Seite

Auf italienischer Seite wäre eine alternative Straßenführung ein massiver Eingriff in eine weitgehend intakte Bergnatur.

  • neue Einschnitte und Böschungen im alpinen Gelände
  • Zerschneidung sensibler Natur- und Erholungsräume
  • zusätzliche Lawinen- und Hangsicherungen notwendig
  • großflächige Eingriffe in bislang unberührte Berglandschaften
  • schwer mit der Alpenkonvention vereinbar

Fazit

Die beste Kompromisslösung aus Sicht beider Staaten wäre daher der Scheiteltunnel.

  • verkehrstechnisch sinnvoll
  • landschaftsschonender
  • flächensparender
  • klimatisch günstiger
  • insgesamt die verträglichste Lösung
  • insbesondere für all jene, die das Leben noch vor sich haben.

Unsere große Bitte aus Kärnten an Tirol lautet daher:

Bevor Sie – gerade in Vorwahlzeiten – als Landesrat, Landtagsabgeordneter oder Mitglied eines zuständigen Ausschusses über dieses Projekt urteilen oder abstimmen, nehmen Sie sich bitte die Zeit für einen offenen Dialog mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.

In einem Österreich und Europa der Regionen sollte nicht das Prinzip „jeder gegen jeden“ gelten, sondern die Bereitschaft zu einem fairen und kompromissfähigen Miteinander.

Für unsere Region stellt die Infrastruktur eines Scheiteltunnels die verträglichste und vernünftigste Kompromisslösung dar. Wir ersuchen daher darum, diese Sichtweise auch in Innsbruck zu respektieren.

Gleichzeitig versichern wir, dass wir bei allen Fragen der Verkehrslenkung und Verkehrsregulierung bereit sind, gemeinsam mit Tirol, mit den Menschen in Osttirol sowie mit den Bürgerinnen und Bürgern aus den Städten Lienz und Kitzbühel an Lösungen zu arbeiten, die für alle Seiten tragbar sind.

Denn nur durch Zusammenarbeit wird es möglich sein, regionale Interessen, Lebensqualität, Naturraum und Mobilität in Einklang zu bringen.

Abschließend sei auch angemerkt: Wir können uns nicht erinnern, dass jemals eine Kärntner Gemeinde oder Stadt gefragt wurde, ob bestimmte Infrastrukturprojekte in Tirol errichtet werden sollen. Gerade deshalb sollte man auch den Menschen in unserer Region zugestehen, ihre eigenen Anliegen und Zukunftsperspektiven sachlich und selbstbestimmt vertreten zu dürfen.

Bitte rufen Sie an, wenn Sie ernsthaftes Interesse an einem Dialog haben und vielleicht sogar mit den italienischen Nachbarn reden wollen. Denn vergessen Sie bitte nichtItalien hat gedroht, dass beim nächsten Felssturz die jahrtausend Jahre alte Verbindung über den Plöckenpass einseitig aufgegeben wird, weil Italien nicht mehr bereit ist einseitig Geld in ein Fass ohne Boden zu investieren. Wir dürfen bitte davon ausgehen, dass das auch nicht in Ihrem Interesse ist.

Ihr Ingo Ortner
Kötschach-Mauthen

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

4 Postings

isnitwahr
vor einer Stunde

"Die beste Kompromisslösung aus Sicht beider Staaten wäre daher der Scheiteltunnel" Herr Ortner kennt also die Sicht beider Staaten - interessant! Oder ist es seine Sicht? Zur angeblichen Aussage von Bgm. Mayerl - naja, was soll man sagen - er beweist uns den Wert von schützenswerter Landschaft grad eindrucksvoll beim Thema Verkauf des Debantbaches....

 
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TW-WU
vor einer Stunde

Es besteht (angeblich) kein relevantes transitinteresse und die durchschnittlichen Tagesfrequenzen werden lediglich von derzeit rund 1.096 auf etwa 1.200 Fahrzeuge steigen. D. h. aus verkehrspolitischer sicht besteht überhaupt keine notwendigkeit...

Wenns die zahlen nicht hergeben, dann müssen es wohl ideologische gründe sein, die aus sicht von herrn ortner, für den tunnel sprechen. Und das für ein strassenbauprojekt einer - wie der autor selbst schreibt - ausflugs- und regionalstrasse hunderte millionen ausgegeben werden,... muss das in der heutigen zeit wirklich noch sein?

 
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Joe B. Tolliver
vor 3 Stunden

Bei einem Scheiteltunnel würden die durchschnittlichen Tagesfrequenzen lediglich von derzeit rund 1.096 auf etwa 1.200 Fahrzeuge steigen. Das entspricht rechnerisch ungefähr 50 zusätzlichen Fahrten pro Richtung und Tag – also im Durchschnitt lediglich etwa zwei Fahrzeugen pro Stunde. Es würde sich demnach eigentlich nichts ändern. Aber worin würden dann die "regionalpolitischen Impulse" bestehen?

 
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    gurgiser
    vor 42 Minuten

    Die "regionalpolitischen Impulse" vermutlich in der Subvention der Baufirmen. Aber angesichts der leeren Kassen im Straßenressort der Tiroler Landesregierung sollen sich die so zahlreichen Tunnelbefürworter zusammen tun und den Tunnel privat finanzieren. Dann wird auch öffentlich, wie ernst es alle meinen, die laut nach einem Tunnel schreien, den wir Steuerzahler:innen OHNE regionalwirtschaftlichen Gegenwert finanzieren sollen. Fritz Gurgiser, Obmann Transitforum Austria-Tirol

     
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