Im Rahmen des Zeckenmonitoringprojekts „MonZec“ (ein INTERREG/Dolomiti Live-Projekt) beschäftigt sich Gernot Walder, Notarzt und Virologe aus Außervillgraten, mit der Frage, wie häufig Zecken in unseren Breiten vertreten sind und in welchen Regionen und Höhenlagen sie besonders häufig auftreten.

Sein Befund für das heurige Jahr fällt eindeutig aus: „Nach den Aktivitätsmeldungen über unser MonZec-Portal ist heuer tatsächlich ein ungewöhnlich starkes Zeckenjahr.“ Konkret werden bis zu 30 Prozent mehr Zecken am Wild bzw. Zeckenstiche am Menschen gemeldet, als das im Vorjahr der Fall war.
Zwei FSME-Fälle
Diese Entwicklung schlägt sich auch in der Infektionsstatistik nieder: Osttirol verzeichnete im heurigen Jahr bereits zwei FSME-Fälle und mehr als 50 Infektionen mit Borrelia burgdorferi, dem Auslöser der Lyme-Borreliose.
Die FSME-Erkrankungen entsprachen dem erwartbaren Infektionsverlauf, bei dem einige Tage nach dem Zeckenstich kurzfristig ein Krankheitsgefühl, manchmal auch etwas Fieber, auftritt. In einer zweiten Phase kann die Erkrankung eine neurologische Beteiligung wie Meningitis oder Enzephalitis nach sich ziehen, das muss aber nicht der Fall sein.
Die Betroffenen in Osttirol waren beide nicht geimpft und wiesen auch keinen serologischen Schutz auf, was aus Sicht von Walder zeigt, wie wichtig die in Österreich empfohlene und breit verfügbare FSME-Impfung sei. „Denn eine Therapie für FSME gibt es nicht.“
Höhere Lagen betroffen
Besonders in den Osttiroler Seitentälern hält Walder die FSME-Impfung für „definitiv sinnvoll und notwendig“, da sich das Vorkommen des FSME-Virus in höhere Lagen verschoben habe und dort auf eine wenig geimpfte Bevölkerung treffe. Vielfach herrsche hier noch die Auffassung à la „Bei uns ist keine FSME, da sind ja nicht einmal Zecken!“ vor. Die höchste in Osttirol dokumentierte Infektion mit FSME ereignete sich allerdings auf einer Alm an der Waldgrenze - „Höhe allein schützt also nicht mehr“, so der Experte.
Denn gerade mit zunehmenden Temperaturen verlagert sich die Aktivität der Zecken in die Höhe. Bis März waren Zecken im heurigen Jahr nur in südexponierten Gunstlagen unter 800 Meter Seehöhe aktiv, seit Mai hat sich der Schwerpunkt in größere Höhe verschoben.
„Die höchste Zeckenaktivität ist derzeit in Lagen zwischen 1.000 und 1.400 Meter Seehöhe zu verzeichnen.“ Demnach seien nun vor allem die zentralen Abschnitte des Iseltals und des Pustertals betroffen. „Das reicht natürlich entlang der Höhenschichtlinien in die Seitentäler hinein, besonders in den vorderen Bereich des Defereggentales und des Virgentales.“
Impfschutz überprüfen
Bezüglich der Impfung merkt Walder aber auch an, dass es spätestens ab der dritten Auffrischungsimpfung sinnvoll sei, den Impfschutz durch eine Blutabnahme zu überprüfen. „Das kostet ein Drittel, spart einige Impfungen, die sonst woanders fehlen, verhindert Überimmunisierungen und beurteilt den Impfschutz relativ verlässlich“, so der Arzt.
Zwei Riesenzecken in der Steiermark
Wie die AGES, die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit mitteilt, wurden in der Steiermark heuer auch zwei „Riesenzecken“ gefunden. Im August 2025 war ein solches Exemplar in Lavant in Osttirol nachgewiesen worden, das war der Erstnachweis einer Hyalomma rufipes in Österreich.

„Die Zecke ist sowohl veterinärmedizinisch als auch humanmedizinisch bedeutsam: Sie kann Babesia caballi (Piroplasmose des Pferdes) und Theileria annulata (Theileriose des Rindes) sowie – und das ist humanmedizinisch relevant – das Krim-Kongo-Fieber und Rickettsiosen übertragen“, schildert Walder.
Genetische Daten hätten gezeigt, dass das Osttiroler Exemplar vom Vorjahr aus dem afrikanischen Tansania oder Kenia eingeschleppt wurde, sehr wahrscheinlich mit einem Zugvogel. Hinweise auf einen Naturherd seien nicht gefunden worden, „aber angesichts des Klimawandels ist die Etablierung eines solchen langfristig nicht auszuschließen.“
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