Dass extreme Hitze die körperliche Gesundheit gefährdet, ist hinreichend belegt. Zunehmend zeigt die Forschung jedoch, dass auch die psychische Gesundheit betroffen ist. Vor diesem Hintergrund warnen die Tirol Kliniken vor unterschätzten Folgen für die seelische Gesundheit.
22 Prozent mehr psychiatrische Notfälle
Eine große US-Studie im Fachjournal JAMA Psychiatry wertete über drei Millionen Notaufnahme-Besuche aus und fand an Tagen extremer Hitze rund acht Prozent mehr Vorstellungen wegen psychischer Probleme – von Angst- und Stresszuständen über affektive Störungen bis hin zu Suchterkrankungen und selbstverletzendem Verhalten. Eine schwedische Untersuchung aus einer gemäßigten, mit Tirol vergleichbaren Klimaregion beobachtete an heißen Tagen sogar bis zu rund 22 Prozent mehr psychiatrische Notfallkontakte.
Auch über einzelne Hitzetage hinaus sind Effekte messbar: Laut einer Auswertung mehrerer Studien liegen die Vorstellungen in psychiatrischen Kliniken während Hitzewellen um knapp zehn Prozent höher als in vergleichbaren Zeiträumen ohne Hitze. Zudem nimmt das Suizidrisiko mit steigender Temperatur leicht zu.
Schlafmangel und erhöhte Stressbelastung
Die Gründe sind vielfältig. Hitze stört vor allem den Schlaf, und Schlafmangel verstärkt Reizbarkeit, Anspannung und depressive Beschwerden. Hohe Temperaturen erhöhen die Stressbelastung, können Konzentration und Stimmung beeinträchtigen und bestehende Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Psychosen verschärfen. Auch Kinder und Jugendliche reagieren empfindlich, etwa mit Problemen bei Aufmerksamkeit und Verhalten.
Vulnerable Gruppen
Besonders gefährdet sind ältere und alleinlebende Menschen, Personen mit einer psychischen Vorerkrankung sowie Menschen ohne gesicherte Wohnsituation. Die Tirol Kliniken empfehlen daher, in Hitzeperioden auf ausreichend Schlaf, kühle Räume und genügend Flüssigkeit zu achten, soziale Kontakte zu pflegen und gefährdete Angehörige oder Nachbar:innen aktiv im Blick zu behalten.
„Beim Hitzeschutz denken die meisten zuerst an Kreislauf und ausreichend Trinken – die seelische Gesundheit gehört ebenso dazu, wird aber kaum mitgedacht. Genau das wollen wir ändern und psychische Belastung als festen Teil des Hitzeschutzes begreifen. Niemand muss mit einer seelischen Krise allein bleiben: Hilfe ist rasch und niederschwellig verfügbar, und sie in Anspruch zu nehmen ist ein Zeichen von Stärke“, sagt Alex Hofer, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie I.
Hilfe in seelischen Krisen
Die Telefonseelsorge ist österreichweit rund um die Uhr unter der Nummer 142 erreichbar – kostenlos und anonym. Der psychosoziale Krisendienst des Landes Tirol ist täglich von 8 bis 20 Uhr unter der Nummer 0800 400 120 erreichbar.
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