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Verhindert Nußdorf-Debant einen Kraftwerksbau?

Das jüngste Angebot von Michael Theurl wurde im Gemeinderat abgewiesen. Pfurner: Vertrauen fehlt.

Bereits seit vielen Jahrzehnten gibt es am Debantbach drei Kraftwerke: Zwei davon betreibt die Tiwag, das dritte ist in privater Hand. Die Kraftwerke der Tiwag sind mittlerweile alt, ineffizient und nicht mehr gesetzeskonform, weshalb sie im Jahr 2027 erneuert werden sollen.

Seit fast 20 Jahren: Theurl will weiteres Kraftwerk bauen

Geht es nach Michael Theurl, Geschäftsführer von Theurl Leimholzbau in Thal, soll dazu gleich noch eine weitere Kraftwerksstufe kommen - und zwar oberhalb jener der Tiwag. Theurl verfolgt dieses Projekt seit fast 20 Jahren, seit 2023 hat sein Vorhaben neuen Aufwind erhalten: Damals holte er die Alpen Adria Energie (AAE) in Kötschach-Mauthen mit an Bord, zusätzlich schienen auch Martin Mayerl und Andreas Pfurner als Bürgermeister der zwei betroffenen Gemeinden Dölsach und Nußdorf-Debant angesichts potenziell klingelnder Gemeindekassen hinter der Idee zu stehen und gemeinsame Sache machen zu wollen.

Oberhalb der bestehenden Tiwag-Kraftwerksstufen will Michael Theurl ein neues Kraftwerk am Debantbach errichten. Doch der Weg dorthin verläuft alles andere als geradlinig. Foto: Expa/Gruber

Vorlaufkosten als Zankapfel

Doch die Vorzeichen änderten sich und im Dezember 2025 kam es zum Bruch: Theurl verlangte von den Gemeinden schon vor Start des Projekts satte 5,7 Millionen, die er bisher bereits ausgegeben hätte. Einen Nachweis oder eine detaillierte Aufstellung der getätigten Ausgaben legte er allerdings nicht vor.

An dieser Stelle erklärte Andreas Pfurner, Bürgermeister der Gemeinde Nußdorf-Debant, maximal 500.000 Euro als Vorlaufkosten zu akzeptieren, womit der Deal Anfang Dezember 2025 vorläufig platzte. Wir haben berichtet.

Dölsach: Erst nein, dann ja

Auch im Dölsacher Gemeinderat wurde Theurls Angebot, sich zu einem Drittel am Kraftwerk zu beteiligen und Vorlaufkosten in der Höhe von 3 Millionen anzuerkennen, im Dezember 2025 noch abgelehnt.

Bereits in der Sitzung vom 24. Februar 2026 war dann jedoch - wohl nicht ganz aus heiterem Himmel - wieder alles anders: Der Gemeinderat stimmte einstimmig für die Annahme eines Optionsvertrags mit der Theurl Leimholzbau, in dem der Gemeinde Dölsach die Möglichkeit eingeräumt wird, bis zu sechs Monate nach Rechtskraft sämtlicher Bescheide in das Projekt einzusteigen.

Unmittelbar danach müsste eine gemeinsame Gesellschaft mit dem Verhältnis zwei (Theurl) zu einem (Gemeinde Dölsach) Drittel gegründet werden, die dann die Projektvorlaufkosten in der Höhe von 3 Millionen Euro übernimmt. Zusätzlich verpflichtete sich die Gemeinde Dölsach, einen Beitrag in der Höhe von 700.000 Euro zu den Vorlaufkosten zu leisten.

Die Alternative, die in dem Optionsvertrag festgehalten wurde, ist folgende: Erst wenn die Gemeinde Dölsach entscheidet, das Projekt nicht gemeinsam umsetzen zu wollen, darf Theurl an einen Dritten verkaufen. In dem Fall erhält die Gemeinde einen Anteil vom Verkaufspreis in der Höhe von 300.000 Euro.

Entscheidend ist jedoch: In beiden Fällen und somit unabhängig von der eigenen Beteiligung erklärt sich die Gemeinde Dölsach dazu bereit, die Grundstücke im Bereich des Krafthauses kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Nußdorf-Debant will weder Beteiligung noch Abgeltung

Ein ähnliches Angebot wurde auch der Gemeinde Nußdorf-Debant unterbreitet: Die Gemeinde könne sich zu einem Drittel an der Betreibergesellschaft beteiligen und hätte dafür 700.000 Euro an Vorlaufkosten an Theurl zu zahlen - den gleichen Betrag also, der von Dölsach akzeptiert wurde. Die Alternative: 50.000 Euro als pauschale Abgeltung für die Ermöglichung der Grabungsarbeiten und 13.000 Euro für die Einräumung von Durchleitungsrechten.

Pfurner: Fehlende Vertrauensbasis

Anders als die Gemeinde Dölsach lehnte der Gemeinderat Nußdorf-Debant das Theurl-Angebot einstimmig ab. Bürgermeister Andreas Pfurner verweist im Gespräch mit Dolomitenstadt auf gleich mehrere Gründe, die zu dieser Entscheidung geführt hätten: Zunächst einmal gäbe es keine Vertrauensbasis mit einem potenziellen Partner in einer Gesellschaft, der sich über die Zusammensetzung der Planungskosten in Stillschweigen hüllt und nicht bereit ist, diese selbst zu tragen: „Bei einem 20- bis 25-Millionen-Projekt wissen wir nicht, was auf uns zukommen würde und ob das nicht möglicherweise für die Gemeinde zu einem großen finanziellen Risiko wird.“

Der Gemeinderat Nußdorf-Debant lehnte das Theurl-Angebot einstimmig ab. Aus Sicht von Bürgermeister Andreas Pfurner bestehe für die Gemeinde ein zu hohes wirtschaftliches Risiko. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Darüber hinaus stelle ein Kraftwerk den Erholungswert des Debanttals in Frage: „Die Natur wird teilweise zerstört“, stellt Pfurner fest. Auch die Talsperre müsse für das Kraftwerksprojekt umgebaut werden, woraus ein Hochwasser-Sicherheitsrisiko resultiere.

Kommt es zu Enteignungen?

Bedeckt gibt sich Pfurner hinsichtlich der Frage, wie er das Vorgehen der Nachbargemeinde Dölsach bewertet: „Es ist nicht meine Aufgabe, mich einzumischen“, so der Bürgermeister von Nußdorf-Debant. Auch der Gemeinderat Dölsach werde sich als unabhängiges Gremium wohl seine Gedanken gemacht haben und so zu seiner Entscheidung gelangt sein.

Als Gemeinde Nußdorf-Debant habe man hingegen bereits Stellungnahmen abgegeben, dass man mit den Kraftwerksplänen nicht einverstanden ist. Wie das im Verfahren beurteilt wird, sei noch unklar, „es kann aber schnell gehen und dann werden Enteignungen und Zwangsrechte verordnet“, skizziert Pfurner ein aus seiner Sicht denkbares Szenario. Auch der Gemeinde selbst würden Enteignungen drohen, wenngleich es vonseiten des Landes eine explizite Zusicherung gibt, dass Gemeinden niemals enteignet werden.

Weitere Entwicklungen in der Sache werden jedenfalls nicht lange auf sich warten lassen, am 7. Juli findet nämlich in Innsbruck eine mündliche Verhandlung im naturschutzrechtlichen Bewilligungsverfahren statt, zu der alle Verhandlungsteilnehmer:innen geladen sind.

Kristina Sint hat Lehramt studiert und den Masterlehrgang „Journalismus und Medienarbeit“ abgeschlossen. Sie unterrichtet an der MS Egger-Lienz und lebt bei dolomitenstadt.at ihre Faszination fürs Schreiben und spannende Geschichten aus.

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3 Postings

blablabla
vor 38 Minuten

Jaja, der Pfurner macht das geschickt. Generell verlagert sich der Mittelpunkt Osttirols immer mehr Richtung Debant.

 
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Haberg21
vor 2 Stunden

Warum einen Auswärtigen an diese Möglichkeit heranlassen, das kann doch die Gemeinde Nussdorf-Debant selber machen!!! Dann bleibt die Wertschöpfung im Ort! Nussdorf-Debant als eine der reichsten Gemeinden Osttirols ist sicher selber in der Lage ein Kraftwerk am Debantbach zu bauen.

 
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    senf
    vor 2 Stunden

    Lieber Hans, für ein Wasserkraftwerk braucht es keinen Reichtum, Kredit reicht, das rechnet sich dann von selber und wirft dann satte Gewinne ab. Das weiss auch der Herr Kraler! Aber du hast Recht, Allgemeingut soll die Allgemeinheit nutzen, Respekt vom Pfurner. Grüße Dich!

     
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