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Wirtschaftskammer will Kraftwerk am Debantbach

Standortanwalt Garbislander listet Argumente für den Bau auf und fordert zudem weniger Restwasser.

In Tirol hat nicht nur die Umwelt einen Anwalt, sondern auch die Wirtschaft. Deren Vertreter nennt sich „Standortanwalt“ und hat Parteienstellung in Verfahren wie jenem zur Bewilligung eines weiteren Kraftwerks am Debantbach, das die Theurl Leimholzbau GmbH errichten möchte. 

Wir haben mehrfach über das Vorhaben berichtet, das nicht nur bei den betroffenen Gemeinden und der Bevölkerung sehr unterschiedliche Reaktionen auslöst. Während sich etwa die hauptbetroffene Gemeinde Dölsach unter Bürgermeister Martin Mayerl – er ist als Landtagsabgeordneter auch Energiesprecher der Tiroler ÖVP – sogar am Kraftwerk beteiligen will, ist die Gemeinde Nußdorf-Debant mit Bürgermeister Andreas Pfurner wild entschlossen, das Projekt mit allen Mitteln zu bekämpfen. 

Wenig überraschend sieht auch die Tiroler Umweltanwaltschaft das Vorhaben äußerst kritisch, wie eine gestern veröffentlichte Stellungnahme darlegt. Auf dieses Statement reagiert heute die Wirtschaftskammer. Deren Bezirksstellenleiter in Lienz, Johann Kollreider, hat uns eine Stellungnahme des Tiroler Standortanwalts Stefan Garbislander zum Kraftwerksprojekt übermittelt.

Diese Stellungnahme – auch das war erwartbar – läuft klar auf ein Ja zur Bewilligung hinaus: Die Tiroler Standortanwaltschaft spricht sich für die naturschutzrechtliche Genehmigung der Wasserkraftanlage Debantbach-Oberstufe aus und beantragt, die Bewilligung nötigenfalls nur mit verhältnismäßigen Nebenbestimmungen zu erteilen, damit die energiewirtschaftliche Funktionsfähigkeit erhalten bleibt. Zugleich weist sie die vom Amtssachverständigen geforderten strengeren Dotierwasserauflagen als überzogen zurück und begründet das mit dem öffentlichen Interesse am Vorhaben.

Im Kern argumentiert die Wirtschaftskammer, dass die Anlage mit 18,9 GWh Strom pro Jahr einen erheblichen Beitrag zu erneuerbarer Energie, Versorgungssicherheit und Klimaschutz leiste und dadurch fossile Erzeugung ersetze. Sie beziffert den klimapolitischen Nutzen mit rund 7.560 Tonnen vermiedenem CO₂ pro Jahr im realistischen Szenario und verweist auf einen über die Lebensdauer errechneten Nutzen von rund 30 Mio. Euro. Außerdem betont sie die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts und sagt, zusätzliche Dotierwassermengen würden Erzeugung und Erlöse spürbar mindern.

Rechtlich stellt Garbislander in seinem Statement stark auf die unions-, bundes- und landesrechtliche Aufwertung erneuerbarer Energien ab und argumentiert, dass das Vorhaben nach § 29 Abs. 2b TNSchG 2005 als von überragendem langfristigem öffentlichen Interesse zu behandeln sei. 

Mit Sicherheit kontrovers ist die Einschätzung des Wirtschaftsvertreters in Sachen Restwasser am Debantbach. Die geforderten höheren statischen Dotierwasser-Sockelbeträge von 350 bzw. 800 l/s werden als nicht ausreichend einzelfallbezogen und nicht ausreichend quantifiziert zurückgewiesen. Die beantragte dynamische Dotation mit Mindestsockel von 255 l/s hält die Standortanwaltschaft für ausreichend und verhältnismäßig. Insgesamt ist die Botschaft: Das Projekt sei energiepolitisch, klimapolitisch und volkswirtschaftlich wichtig und solle deshalb bewilligt werden.

Hier die vollständige Stellungnahme des Standortanwalts der Wirtschaftskammer.

Gerhard Pirkner

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis. Mehr von Gerhard Pirkner

16 Postings

Ofentschtsche
vor 6 Tagen

Es ist schon sehr bemerkenswert das man aus dem Tourismusverband dazu ueberhaupt nichts hoert,nichts sieht.... Oh habe es fast vergessen man haelt ja zusammen....

 
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Macki
vor 6 Tagen

Aha, weniger Restwasser also auch noch... Über erneuerbare Energie faseln und gleichzeitig quasi hinschreiben wie egal einem die Natur und ihre Lebewesen sind.

 
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Burgi
vor 6 Tagen

Das Erneuerbarenausbaugesetz darf nicht zum Freibrief für rücksichtslose Umweltzerstörung werden!

 
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    ruhigblut
    vor 6 Tagen

    @Burgi...das kann ich dir jederzeit unterschreiben…..es schaut gerade so aus, dass einige das Gesetz als Freibrief für knallhartes Profitdenken ausnutzen, ohne im Geringsten auf die langfristigen Folgen für Umwelt und Bevölkerung zu achten.“

     
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      jj.ll.
      vor 6 Tagen

      Wir leben in einem Rechtsstaat, die Kontrolle obliegt der Exekutive und der Gerichtsbarkeit. Statt pauschalierende Verdächtigungen in den Raum zu stellen, könnte auch mittels Investigativjournalismus bzw. Anzeigen an die Staatsanwaltschaft mittels Beweisen Klarheit geschaffen werden. Einem Unternehmer vorzuwerfen, dass er was verdienen will, ist wohl sehr naiv, um es freundlich auszudrücken.

       
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      ruhigblut
      vor 6 Tagen

      @jj.ll....wo siehst du welche Verdächtigungen???....niemand wirft einem Unternehmer vor, was verdienen zu wollen!..was jedoch vorgeworfen wird ist unnötige Profitgier auf KOSTEN der UMWELT und BEVÖLKERUNG!!!..und dein Denken zwecks Renaturierung und Umweltschutz ist im Forum durch deine Postings hinlänglich bekannt....

       
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isnitwahr
vor 6 Tagen

Wenn die Gier den Verstand auslöscht ist man offensichtlich sogar bereit, den eigenen Nachkommen ein Leben in einer lebenswerten, intakten Natur zu verwehren. Wenn das durchgeht, kann die Lienzerhütte gleich zusperren, es wird wohl kaum Bike- und Wandertouren mehr dorthin geben, keine Wanderungen mehr über den Hochstubenweg, den Lienzer Höhenweg, den Wiener Höhenweg, keine Überschreitungen von der Schoberhütte zur Lienzerhütte, kaum Wanderungen auf die Wangenitzseehütte vom Debanttal aus, keine Überschreitungen von der Noßberger Hütte ins Debanttal, kaum Besteigungen der 3000er des Debanttales, keine Feste auf der Hofalm und und und..., wer will schon in ein ökologisch und an Biodiversität verarmtes Tal wandern, dessen ursprünglich spektakulärer Wildbach in Rohre gepresst der Gewinnmaximierung einer privaten Firma geopfert werden soll. Die Argumente der WK sind mehr als fadenscheinig und lassen klar erkennen, für wie dumm man die Bevölkerung hält, zumal es gute Alternativen gibt. Ich kenne den Debantbach nun seit über 60 Jahren, aber ein derart armseliges Rinnsal wie er heuer im Winter und im Frühjahr war, gab es noch nie und das wird sich durch die Klimaerhitzung und dem bereits jetzt auftretenden Mangel an Niederschlägen mit Sicherheit verschärfen. Und dann??? Welchem Bach drehen Sie dann als nächstes das Wasser ab, Herr Theurl? Und wie skrupellos muss man sein, um eines der schönsten, spektakulärsten und intaktesten Naturjuwele der Ostalpen so zerstören zu wollen? Ich bleibe dabei - Finger weg vom Debantbach. Mein Dank und mein großer Respekt gebührt der Gemeindeführung der Marktgemeinde Nußdorf-Debant - und zu Herrn Mayerl - überlegen Sie sich gut, welches Vermächtnis Sie Ihren Nachkommen und denen der dölsacher Gemeindebürger hinterlassen wollen, und wie man Sie als Bürgermeister bewerten wird...

 
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    jj.ll.
    vor 6 Tagen

    Vernüftig und pragmatisch für Umweltschutzvereine wäre es zu versuchen die Restwassermenge zu erhöhen. In Zeiten wie diesen unseren "Wasserreichtum" ungenützt ins Tal rinnen zu lassen, ist eigennützig und kurzsichtig. Dass ein Tourist weniger ins Debanttal fahren würde, nur weil das Wasser genützt wird, glaube ich nicht

     
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      Bewohner
      vor 5 Tagen

      @jj.ll. Wie sollen bitte Umweltschutzvereine das Restwasser erhöhen wenn vom Himmel kein Wasser auf die Erde fällt?

      Warum leitet die besagte Firma aus Thal nicht den Sturzerbach, Lackenbach, und krummer Graben in den Gamsbach ein, dann wäre sicher auch genügen Wasser vorhanden das nicht ungenützt ins Tal fliesst? Es wurde ja schon sehr viel Beton um den Gamsbach investiert.

       
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      jj.ll.
      vor 5 Tagen

      @Bewohner... Grosse Kapitalgesellschaften wie die Tiwag bzw. Multis wie Kelag/Rwe müssen aus Kostengründen Kraftwerke in einer gewissen Größe errichten. Daraus folgt, dass viele Bäche in einer grossen Seehöhe abgeleitet werden müssen. Daher sind kleine Kraftwerke weniger invadent, und z.B. Trinkwasserkraftwerke für die Natur sicherlich besser. Zur Erklärung: Restwasser ist das Wasser, das mindestens im Bach rinnen muss, das restliche Wasser wird dann energiewirtschaftlich genutzt. Restwasser ist Grundlage für die Kalkulation.

       
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Ist es so
vor 7 Tagen

Wozu Restwasser, überhaupt das gesamte Wasser in den Rachen von Theurl umleiten, mal schauen, wieviel dort Platz hat. 🙈🙊

 
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jj.ll.
vor 7 Tagen

Nach 20 Jahren Projektierung und bürokratischer Schikanen wäre es wohl am besten, das Projekt an die Tiwag zu verkaufen. Die Tiwag gehört dem Land Tirol und damit allen Tirolern. Dann hat jeder Tiroler etwas davon.

 
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Don Ton
vor 7 Tagen

Bin klar dagegen. Ich frage mich ob unter dem Vorwand des Klimaschutzes der Naturschutz untergeht. Meiner Meinung nach geht es nur ums Geld und davon habe ich nichts. Volksabstimmung in den betroffenen Gemeinden dann ist die Sache schnell vom Tisch denke ich.

 
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    jj.ll.
    vor 5 Tagen

    @don ton... "Meiner Meinung nach geht es nur ums Geld und davon habe ich nichts." Symptomatisch für viele dieser guten Menschen. Die anderen sollen sparen, die Umwelt schützen, zahlen usw. aber ich bin so arm, deshalb kann ich, ich, ich ja gar nichts tun.

     
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Ofentschtsche
vor 7 Tagen

ui wer hat da aus der WK in Thal interveniert???

 
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    ruhigblut
    vor 7 Tagen

    ...Marillenmarmelade ist mit vorsicht zu genießen...zu süß und ungesund....

     
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