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Umweltanwalt: Debantbach-Kraftwerk nicht nachhaltig

Michael Reischer prognostiziert irreversible Schädigungen bei bescheidener Stromproduktion.

Im Namen der Umweltanwaltschaft des Landes Tirol kritisiert Michael Reischer in einer Stellungnahme das geplante Kraftwerksprojekt im oberen Debantbachbereich.

Wörtlich heißt es in seinem Schreiben: „Das geplante Vorhaben im derzeit noch naturnahen oberen Debantbachbereich wird aufgrund zahlreicher zu befürchtender, schwerwiegender Auswirkungen auf die Schutzgüter des Tiroler Naturschutzgesetzes 2005 in aller Deutlichkeit abgelehnt. Es sind nach Ansicht des Landesumweltanwaltes irreversible Schädigungen in diesem besonderen und einzigartigen Naturraum am Eingang des Nationalparkes Hohe Tauern zu befürchten, die die im Vergleich dazu erwartbare erneuerbare Stromproduktion bescheiden erscheinen lassen.“

Harsche Kritik am geplanten Kraftwerk am Debantbach kommt von Umweltanwalt Michael Reischer. Unter anderem weist er auf den vitalen Tamariskenbestand oberhalb der geplanten Wasserfassung hin. Foto: Büro Landesumweltanwalt

„Zudem ist davon auszugehen, dass die zukünftige Stromproduktion vorwiegend während der Sommermonate stattfinden wird und somit nicht nur die ökologischen Aspekte des geplanten Projektes äußerst bedenklich sind, sondern auch die ökonomischen Aspekte des Vorhabens hinterfragenswert erscheinen.“

Umweltanwalt hält UVP-Prüfung für notwendig

Aufgrund von erheblichen Umweltauswirkungen ist Reischer der Ansicht, dass es sich beim geplanten Vorhaben um ein UVP-pflichtiges Projekt handelt, weshalb die zuständige Behörde mit der Feststellung beauftragt wird.

„Der Landesumweltanwalt spricht sich daher klar und deutlich gegen das geplante Wasserkraftwerksvorhaben aus.“

Landesumweltanwalt Michael Reischer

Zugang zum Nationalpark und Lebensräume beeinträchtigt

Konkret nennt der Landesumweltanwalt in seiner Stellungnahme fünf wesentliche Bedenken: Erstens werde das geplante Wasserkraftwerk „einen wichtigen Zugang zum Nationalpark Hohe Tauern in seiner beeindruckenden Wirkung auf Erholungssuchende nachhaltig und deutlich beeinträchtigen.“

Zweitens sei davon auszugehen, dass die Ausleitung „gemäß naturkundlichem Gutachten zu starken Beeinträchtigungen der Schutzgüter Naturhaushalt und Lebensraum heimischer Tier- und Pflanzenarten führen“ wird. Dies geschehe insbesondere „aufgrund der erheblichen Veränderung des Wasserhaushaltes und der gewässerspezifischen Hydrologie.“

Wasseramsel und Deutsche Tamariske

In einem dritten Punkt weist Reischer auf erhebliche Einschränkung der Lebensraumqualität für die geschützte Vogelart Wasseramsel hin: „Im Zuge einer Begehung konnte eine sehr dichte Besiedelung dieses Bachabschnittes durch Wasseramseln festgestellt werden, während in den unteren, kraftwerksbeeinflussten Bachabschnitten keine Vertreter dieser Art gesichtet werden konnten. Der Landesumweltanwalt geht diesbezüglich davon aus, dass eine Gefährdung der lokalen Population der Wasseramsel durch das geplante Vorhaben in Zusammenwirken mit der bestehenden Vorbelastung durch die Unterliegerkraftwerke anzunehmen ist.“

Viertens sei eine starke Beeinträchtigung der gänzlich geschützten und in Österreich vom Aussterben bedrohten Deutschen Tamariske anzunehmen.

In einem fünften Punkt geht der Landesumweltanwalt schließlich davon aus, „dass durch das geplante Vorhaben Gewässerstrecken, die sich im sehr guten ökologischen Zustand befinden, beeinträchtigt werden.“

Standort „völlig ungeeignet“

Zusammenfassend beschreibt Reischer, „dass das geplante Kraftwerksvorhaben zu erheblichen Beeinträchtigungen der Schutzgüter des TNSchG 2005 führen wird. Die massiv in ihrem Wasserhaushalt beeinträchtigte Fließstrecke des Debantbaches würde sich im Vergleich zu den bestehenden Defiziten um rund 40 Prozent in ihrer Länge vergrößern und so gut wie den gesamten Mittellauf dieses Baches in Anspruch nehmen.

Damit verbunden sind nach Ansicht des Landesumweltanwaltes erhebliche kumulierende Umweltauswirkungen des geplanten Vorhabens mit den bereits bestehenden Vorbelastungen durch die drei Unterliegerkraftwerke. Nach Ansicht des Landesumweltanwaltes sollten sowohl die Antragstellerin als auch die betroffenen beiden Gemeinden die 'Für und Wider' eines solchen Vorhabens nochmals sehr gut überdenken – dem Gefertigten erscheint der gewählte Vorhabensstandort an diesem besonderen Gewässer, an diesem besonderen Zugang zum Nationalpark, an diesem besonderen Ort, an dem ein sehr beeindruckender, naturnaher Gebirgsbach erlebbar ist, völlig ungeeignet, um langfristig unökonomisch Strom produzieren zu können.“

„Vielmehr sollten zukunftsfähige Projekte angedacht werden, um diesen besonderen Fließgewässerabschnitt für heutige und nächste Generationen möglichst frei von technischen Eingriffen erlebbar zu machen. Der Landesumweltanwalt spricht sich daher klar und deutlich gegen das geplante Wasserkraftwerksvorhaben aus“, so Reischer in seiner Stellungnahme.

Die gesamte Stellungnahme im Originalwortlaut

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6 Postings

Burgi
vor 6 Tagen

Vielen Dank an die Landesumweltanwaltschaft für die sehr treffende Stellungnahme!

 
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Macki
vor 7 Tagen

Lasst unsere Bäche und Täler endlich in Ruhe!

Mayerl...

 
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    beobachter52
    vor 7 Tagen

    Richtig! Strom kommt ja aus der Steckdose und nicht vom Bach ...

     
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      Zekki
      vor 6 Tagen

      Im Winter wird dort kaum Strom erzeugt werden - schon allein wegen den Restwassermengen.

      Und im Sommer ist Strom mittlerweile aufgrund PV Ausbau unter Tags zu teils negativen Preisen zu haben. Da es kein Speicherkraftwerk wird und Batteriespeicherpreise mittlerweile auch im großen Stil in den Keller rasseln ists wirklich fraglich wie dieses Geschäftsmodell aufgehen soll.

      Das Projekt kommt halt einfach aus einer Zeit als PV noch nicht vergleichsweise günstigst und Batteriespeicher noch brennteuer waren. In den letzten Jahren hat sich da soviel getan, dass man wirklich die Frage stellen muss obs reine Sturheit seitens Theurl ist "weil er schon soviel Zeit da reingebraten" hat und die Millionen nicht woanders wesentlich besser investiert wären oder ob man die Zeichen der Zeit schlicht nicht erkennt.

       
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ruhigblut
vor 7 Tagen

...einfach die Finger weg vom Debantbach...nachkommende Generationen werdens uns danken....shame on you THEURL, MAYERL und Dölsacher GEMEINDERAT....

 
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Joe B. Tolliver
vor einer Woche

Um der Wahrheit die Ehre zu geben ist Mag. Michael Reischer NICHT Umweltanwalt und schon überhaupt nicht "der Umweltanwalt des Landes Tirol". Das ist nach wie vor Mag. Johannes Kostenzer, Mag. Reischer ist ein Mitarbeiter der Umweltanwaltschaft. Die Stellungnahme an die Tiroler Landesregierung hat er folgerichtig "für den Umweltanwalt" unterschrieben.

 
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