Das Thema Baulandmobilisierung lässt derzeit die politischen Wogen hochgehen. Ein Maßnahmenpaket der Tiroler Landesregierung stößt vor allem bei den Bauernvertretern auf Ablehnung. Die Arbeiterkammer Tirol meldet sich nun mit einer neuen Idee und schlägt „Bodenpartnerschaften“ vor. Ein Modell, bei dem landwirtschaftliche Flächen getauscht und gleichzeitig Grundstücke für den gemeinnützigen Wohnbau mobilisiert werden sollen.
Aktuell erwerben der Tiroler Bodenfonds (TBF) und der Landeskulturfonds (LKF) Grundstücke zu Tauschzwecken. Der TBF unterstützt Gemeinden bei der Entwicklung von Grundstücken für leistbares Wohnen und Gewerbe. Der LKF wiederum hilft der Land- und Forstwirtschaft mit Förderungen und Agrarflächen. Beide Institutionen betreiben Websites, auf denen freie Grundstücke ersichtlich sind. Die Arbeiterkammer fordert nun, daraus ein digitales Bodenmanagementsystem zu entwickeln. Darin sollen Tausch-, aber auch Ankaufmöglichkeiten aufgezeigt werden, um potenzielle private oder institutionelle Eigentümer:innen anzusprechen.
Vorteil für Landwirtschaft und Bauträger
Das dazugehörige Flächentauschmodell richtet sich vor allem an Landwirtschaftsbetriebe: Sie sollen kleinere, zersplitterte Parzellen in siedlungsnaher Lage abgeben und im Gegenzug größere, wirtschaftlich bessere Grundstücke erhalten. Wertunterschiede sollen durch Ausgleichszahlungen ausgeglichen werden.
Gemeinnützige Bauträger könnten die Ausgleichzahlungen mitfinanzieren und so an Grundstücke kommen, um auf den siedlungsnahen Flächen gemeinnützige Wohnungen zu errichten. Die Eigentumsstrukturen und die Eigenständigkeit von TBF, LKF und Gemeinden sollen dabei unangetastet bleiben.
Ein Posting
Quo vadis, Bauland? Die Österreicherinnen bekommen ja nicht gerade viele Kinder und die zahlenstarke Boomergeneration wird sich in absehbarer Zeit verabschieden. Es gibt daher nur drei langfristige Treiber der Baulandnachfrage: Migration, Spekulation und Freizeitwohnsitze. In Anbetracht dessen, dass Tirol im Verhältnis zur tatsächlich nutzbaren Fläche bereits sehr dicht besiedelt und stark verbaut ist, würde ich doch anregen, dass das Baulandproblem nicht Angebots- sondern Nachfrageseitig gelöst werden sollte.
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