Die Stadt Lienz will von 2027 bis 2030 insgesamt eine Million Euro in die energetische Sanierung ihrer Gebäude investieren. Auslöser für den baulichen Kraftakt sind die Vorgaben des Tiroler Energieeffizienzgesetzes, das wiederum einer EU-Richtlinie folgt: Gemeinden müssen ihren Energieverbrauch systematisch erfassen, Energieausweise aktualisieren und Verbesserungen am Gebäudebestand nachweisen.
Bestandsaufnahme als erster Schritt
Vorgesehen sind über vier Jahre ein jährliches Budget von 250.000 Euro für Maßnahmen an städtischen Gebäuden. Bevor konkrete Sanierungen beschlossen werden, will – und muss – die Stadt den energetischen Zustand ihres Bestands erfassen. In der Gemeinderatssitzung am 14. September zählte Bürgermeisterin Elisabeth Blanik unter anderem Schulen, Kindergärten und Vereinshäuser auf.
Alte Energieausweise müssen aktualisiert werden. Gebäude ohne Energieausweis müssen einen erhalten. Auf dieser Grundlage will die Stadt dann jene Objekte priorisieren, bei denen der Sanierungsbedarf am größten ist und die Maßnahmen den größten Effekt auf den Energieverbrauch erwarten lassen. Das ist deshalb wichtig, weil man definierte Zielwerte erreichen muss.
Das Tiroler Energieeffizienzgesetz verlangt nämlich von öffentlichen Einrichtungen, ihre Energieeffizienz messbar zu verbessern. Vorgesehen ist grundsätzlich, jährlich zumindest 3 Prozent der Nutzfläche bestimmter gemeindeeigener, beheizter oder gekühlter Gebäude energetisch auf einen höheren Standard zu bringen. Gemeinden müssen dafür ihren Gebäudebestand dokumentieren sowie Energieverbrauchs- und Sanierungsdaten erfassen.
Für Lienz bedeutet das: Es reicht nicht, einzelne Vorhaben umzusetzen. Die Stadt muss auch nachweisen können, welche Gebäude betroffen sind, wie hoch ihr Energiebedarf ist und welche Verbesserungen durch Umbauten oder Sanierungen erreicht werden.
Als konkretes Beispiel nannte Blanik den Kindergarten Heilige Familie. Dieses Gebäude soll nach einem Gemeinderatsbeschluss vom Februar dieses Jahres umgebaut werden, wird aber noch im alten Zustand in die Energierechnung aufgenommen; nach dem Umbau könne die energetische Verbesserung dann für die gesetzlich geforderte Bilanz berücksichtigt werden.
Auch für denkmalgeschützte und sensible Gebäude wie Liebburg, Tammerburg und Schloss Bruck sind Energieausweise vorgeschrieben, erklärte Blanik, energetische Eingriffe seien aber baulich und denkmalpflegerisch heikel. Da ist vermutlich eher wenig für die Bilanz zu holen. Baulich setzt man generell auf bekannte Maßnahmen, Vollwärmeschutz, Verbesserungen an Dächern und Kellerdecken sowie die Installation von Photovoltaikanlagen.
All das soll den Energieverbrauch städtischer Gebäude dauerhaft reduzieren. Gemeinderätin Gerlinde Kieberl (Grüne) bezeichnete in der Debatte das Gesetz als Druckmittel mit wirtschaftlichem Nutzen: „Weniger Energieverbrauch ist angesichts steigender Preise sinnvoll und die Nutzer der Gebäude profitierten von besserer Qualität und höherem Komfort.“ Die vorgesehenen 250.000 Euro pro Jahr seien allerdings „nicht wirklich viel“, gab Kieberl zu bedenken.
Finanzierung über Darlehen
Finanziert wird die Million vorwiegend über ein neues Bankdarlehen. Wie hoch die tatsächliche Kreditaufnahme ausfällt, hängt laut Blanik von Förderungen – einige wurden schon beantragt – Bedarfszuweisungen des Landes und möglichen Rücklagenauflösungen ab.
Gemeinderat Norbert Mühlmann (ÖVP) begrüßte, dass die Stadt „die notwendigen Schritte nun angeht“. Er plädierte jedoch dafür, sich nicht auf Energieausweise als formalen Nachweis zu beschränken. Parallel dazu brauche es rasch einen groben Sanierungsplan samt Strategie, idealerweise bis Anfang des kommenden Jahres. Elisabeth Blanik schloss mit einem Blick auf die Südtiroler Siedlung: „Wir sanieren eigentlich laufend. Unsere Häuser sind gedämmt, die von der Neuen Heimat noch nicht.“
Keine Postings
Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren