Beim Güterverkehr auf der Schiene zwischen Kärnten und Osttirol wird sich was tun, so viel steht fest. Doch welche Änderungen tatsächlich zu erwarten sind, ist derzeit noch unklar.
Keine Einstellung geplant
Nachdem in Medienberichten eine mögliche Einstellung des Güterverkehrs kolportiert worden war, rudern die ÖBB am Montag kräftig zurück: Zwar werde im Moment geprüft, wie eine wirtschaftlich und operativ nachhaltige Abwicklung künftig aussieht, eine Einstellung sei aber nicht geplant, stellt Pressesprecher Herbert Hofer klar. Die kursierenden Termine - dass die Anpassungen etwa mit 15. Dezember oder Jahreswechsel wirksam werden - bestätigte Hofer ebenfalls nicht.
Derartige Ankündigungen seien vonseiten der ÖBB auch nicht an Betriebe in Oberkärnten und Osttirol kommuniziert worden, heißt es aus dem Konzern. Erst in den nächsten Tagen seien Gespräche mit allen Firmenpartnern in der Region geplant, um mögliche Lösungen zu sondieren und weiterhin die Bedienung mit Güterverkehr auf der Schiene zu gewährleisten. Die Betriebe müssten Hofer zufolge „noch nicht allzu hellhörig werden.“
Personalmangel und Preissteigerungen
Dass überhaupt Evaluierungen stattfinden, liegt laut Bundesbahnen an Herausforderungen bei der Personalverfügbarkeit am Standort Lienz. Zudem sei der vorherrschende Einzelwagenverkehr, bei dem Betriebe separat angefahren werden, besonders personal- und ressourcenintensiv. Auch die Preissteigerungen der letzten Jahre seien nicht an die Kunden weitergegeben worden.
Vor diesem Hintergrund werden nun Bündelungen von Verkehren oder eine angepasste Bedienung geprüft, auch mit einer Anhebung der Preise ist wohl zu rechnen.
Blanik: 50 bis 60 zusätzliche Lkw pro Woche
Elisabeth Blanik, Bürgermeisterin von Lienz, ortet in der behaupteten Einstellung des Güterverkehrs „einen massiven Angriff auf den Wirtschaftsstandort für den gesamten Bezirk Lienz und das obere Drautal.“ Sollte es zu einer solchen kommen, sei im Bezirk Lienz mit 50 bis 60 zusätzlichen Lkw von Montag bis Freitag zu rechnen.
„Eine Einstellung des Güterverkehrs auf der Schiene ginge zulasten unserer Betriebe und der verkehrsgeplagten Bevölkerung. Gerade Rossbacher will beim Wiederaufbau mehr auf die Bahn setzen. Solche Investitionen brauchen einen verlässlichen Partner“, so Blanik.
ÖBB-Sprecher Hofer versicherte indes, dass neben den Partnerfirmen auch die Politik und weitere Entscheidungsträger in die Evaluierung eingebunden werden. Dabei werde „natürlich“ auch berücksichtigt, dass Abfalltransporte unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich verpflichtend per Bahn erfolgen müssen.
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