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Über sie wird gewitzelt und geschimpft: Die angeblich „intelligenten Ampeln“ von Lienz. Jetzt werden sie ausgetauscht und hoffentlich schlauer. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Über sie wird gewitzelt und geschimpft: Die angeblich „intelligenten Ampeln“ von Lienz. Jetzt werden sie ausgetauscht und hoffentlich schlauer. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Werden Ampeln in Lienz endlich „intelligent“?

Neue Hardware für alle Ampelkreuzungen der Stadt. Zustimmung und Skepsis im Gemeinderat.

Leicht hatte es Andreas Buchinger vom Amt der Tiroler Landesregierung bei der Gemeinderatssitzung am 20. Oktober in Lienz nicht. Sein Job war es, die geplante technische Erneuerung aller Ampelkreuzungen in Lienz vorzustellen und – unser Forum wird das sicher bestätigen – beim Thema Ampeln gibt es in Lienz und darüber hinaus tausende „Expert:innen“.

Einige sitzen auch im Stadtparlament. Kein Wunder, dass die Beratungen über die Anschaffung eine gute Stunde dauerten und einiges über das Mobilitätsverhalten der Mandatar:innen verrieten.

Zuerst die Fakten: Für eine komplette Erneuerung der Ampelanlagen an der Amlacher Kreuzung, der Zettersfeldkreuzung, der Dolomitenkreuzung, der Baumarktkreuzung, und der Fagererkreuzung werden laut einer Ausschreibung Kosten von rund einer halben Million Euro anfallen, die zu 65 Prozent das Land übernimmt. Die Stadt zahlt 35 Prozent, laut Voranschlag exakt 174.082 Euro.

Fest stehen offenbar zwei Tatsachen: Die Ampeln müssen akut saniert werden, weil einige, speziell jene an der Zettersfeldkreuzung, schon permanent ausfallen und die Geräte so alt sind, dass es keine Ersatzteile mehr gibt. Auf Zeit spielen geht also nicht mehr. Und, was sicher auch im Forum Thema sein wird: Es wird keine Kreisverkehre geben. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik hat dazu im Juni beim Land angefragt und eine kategorische Absage bekommen.

Andreas Buchinger vom Amt der Tiroler Landesregierung erklärt, was an den geregelten Kreuzungen auf Lienz zukommt. Baubezirksamtsleiter Johannes Nemmert hört zu. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Die Ampeln, die nun installiert werden, sind laut Andreas Buchinger technisch auf dem aktuellsten Stand. Mit dem Begriff „Intelligenz“ wird aber deutlich vorsichtiger umgegangen, als noch bei der Installation der alten Systeme. Schließlich sind die angeblich „intelligenten Ampeln“ in Lienz mittlerweile Gegenstand kollektiver Erregung bei Verkehrsteilnehmern aus allen Richtungen.

Es ginge auch besser, erklärte SPÖ-Gemeinderat Willi Lackner in der Sitzung und schilderte seine Erlebnisse auf Reisen in China, wo die Ampeln mit den Taxis kommunizieren und immer wissen, welche Phase gerade zum Verkehr passt. Parteikollege Alfred Luneschnig vermisst die „grüne Welle“ aus der Großstadt und schlug Varianten vor, wie man das ändern könnte. Ursula Strobl nahm sich der Fußgänger an, die zuerst lange auf Grün warten und dann lossprinten müssen, um die andere Straßenseite vor dem Umschlagen auf Rot zu erreichen.

Und natürlich kamen allerhand Anekdoten über die Besonderheiten der „Fagererkreuzung“ und der Zettersfeldkreuzung zur Sprache, ebenso wie eine etwas absurd anmutende Ampelregelung für die Ausfahrt aus dem Hof des ehemaligen Postgebäudes.

Andreas Buchinger reagierte ruhig und sachlich auf die vielen „Anregungen“ und zeichnete auch ein mögliches Zukunftsszenario. Aktuell werden für die Ampeln teilweise flexible „Rahmenzeiten“ festgelegt, die sich je nach Verkehrsaufkommen auch etwas verändern lassen. Die „Grüne Welle“ ist in Lienz nicht immer machbar, „weil man auch auf die Nebenrichtungen schauen muss“, erklärte der Fachmann.

Und die Fußgänger? Die sollten 1,2 Meter pro Sekunde zurücklegen, dann geht sich alles aus. Aber selbst wer im Schneckentempo von 0,6 Metern pro Sekunde über die Kreuzung schleicht, sollte dank „Schutzzeit“ überleben.

Franz Theurl forderte in der Diskussion dann generell einen Aufschub für das Projekt, weil Lienz mit dem Verkehr ein „Riesenproblem“ habe und deshalb eine gut durchdachte Lösung brauche. Diese Lösung liege vor, versicherten Bürgermeisterin Blanik, Experte Buchinger und Bauamtsleiter Johannes Nemmert.

Die neuen Ampeln sind technisch State of the Art und können durch künftige Software-Updates auch an aktuellste Entwicklungen laufend angepasst werden. Besonders spannend werden in Zukunft sogenannte Roadside Units (RSU) werden, digitale Datenerfassungsgeräte, die den Echtzeit-Datenaustausch zwischen Fahrzeugen, Fußgängern und zentralen Verkehrsleitstellen ermöglichen. In unseren Breiten fehlt dazu allerdings noch eine entsprechende Ausstattung der meisten Autos.

Nicht nur Johannes Nemmert sondern auch VP-Vizebürgermeister Alexander Kröll brachten schließlich auf den Punkt, was in Lienz eben Sache ist: „Die Ampeltechnik löst das Verkehrsproblem in Lienz nicht.“ Die Erneuerung der Ampeln wurde schließlich einstimmig beschlossen.

Gerhard Pirkner

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis. Mehr von Gerhard Pirkner

2 Postings

Ist es so
vor 11 Minuten

Die Kreisverkehre kommen ja nur nicht, weil die BBA Leitung in Lienz das nicht will. Kostengünstiger und besser gehts doch nicht, auch in Kitzbühel möglich. Diese Sturheit vom Land ist echt hirnlos, was sich nämlich zur Zeit für Wartezeiten fürn Querverkehr ansammeln, ist echt nur noch ein Witz. Man lebt zwar ständig hier, wird aber durchwegs benachteiligt, vorallem zu Fuß oder mit Rad. Aber man errichtet wieder kostenintensiv Ampelsysteme, wie intelligent sie dann (und vorallem wie lang) tatsächlich funktionieren, wird sich zeigen. Denn diese gscheiten Ampeln hatten wir doch schon mal, wenn ich mich nicht irre.

Es wäre Vieles so einfach, vorallem beim Fagerer sollte ein Kreisverkehr doch immer die beste Lösung sein, muss man halt den Parkplatz einwenig zurück bauen. Oder man verordnet Einbahnstraßen, das vermindert den KFZ Zufluss zumindest dort auch erheblich.

Schade, dass manche Beamte völlig unzugänglich und arrogant ihre Macht ausspielen, völlig aus der Zeit gefallen, leider.

 
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Koal
vor 2 Stunden

... dass es keine Ersatzteile mehr gibt .... Erinnert mich an den "Tod" vom Hochstein - sterben jetzt unsere vielgeliebten Ampeln auch ?? Wie schade !!!

 
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