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Das sagt die Klimachronik über Osttirol aus

Temperatur und Sonnenstunden nahmen kontinuierlich zu, Neuschnee wurde seltener. Doch es gibt Ausnahmen.

Erst kürzlich haben wir über den Kopf hinter der Klimachronik, den Osttiroler Christian Girstmair, berichtet und mit ihm im Interview über sein umfangreiches Projekt gesprochen, das den Zugriff auf aktuelle und historische Wetterdaten erlaubt. Nun wollen wir uns die Daten für den Bezirk Lienz ein wenig genauer anschauen.

Lienz: erste Aufzeichnung 1895

Am weitesten in die Vergangenheit zurück reichen - mit Unterbrechungen - die Aufzeichnungen für die Stadt Lienz, die laut Klimachronik an der Wetterstation in der Bürgerau im September 1895 begannen. Ein durchgängiger Datensatz ist seit Dezember 1946 vorhanden.

Im Bereich der Temperatur verdeutlichen die Messwerte, die über zwei Jahre geglättet wurden und längerfristige Entwicklungen somit besser erkennen lassen, einen kontinuierlichen Anstieg: Das Monatsmittel der Lufttemperatur nahm in der linearen Tendenz von 6,1 Grad (1946) auf 9,1 Grad (2026) zu, auch die höchsten und niedrigsten Temperaturwerte pro Monat spiegeln diese Erwärmung wider. Ähnliches gilt für die Sonnenscheindauer, die in der linearen Tendenz der letzten 80 Jahre von 159 auf 176 Stunden anwuchs.

Leicht rückläufig ist demgegenüber die Niederschlagssumme, deutlich abgenommen haben die Neuschneemenge sowie die sogenannten Frost- und Eistage.

Sillian: Erwärmung spürbar, Niederschlag nahezu unverändert

In der Marktgemeinde Sillian starteten die Aufzeichnungen im Jänner 1948 und wenig überraschend zeigen viele Metriken ähnliche Entwicklungen wie in der Bezirkshauptstadt: Lufttemperatur und Sonnenscheindauer nahmen in den letzten Jahrzehnten zu, während Neuschnee, Eis- und Frosttage seltener wurden.

Kaum verändert hat sich in Sillian seit 1948 dagegen die Niederschlagssumme, die in der linearen Tendenz lediglich von 84 Millimeter auf 85,7 Millimeter pro Monat zunahm.

St. Jakob: warme Tage heißer, kalte Tage kälter

Dass sich Entwicklungen innerhalb eines Bezirkes auch unterscheiden können, verdeutlichen die Messdaten aus St. Jakob im Defereggental, die bis zum Jänner 1938 zurückreichen.

Im Gegensatz zu Lienz und Sillian nahm die Lufttemperatur im Monatsmittel seit 1938 kaum zu. Zwar stieg auch in St. Jakob die Höchsttemperatur von 16,2 auf 18,3 Grad in der linearen Tendenz, doch gleichzeitig nahm die Tiefsttemperatur im Zeitverlauf weiter ab: Für das Jahr 1938 weist die Klimachronik ein Temperaturminimum von -8 Grad aus, für das Jahr 2026 liegt der Wert bei -8,7 Grad. Somit wurden einerseits die warmen Tage heißer und andererseits die kalten Tage kälter. Entsprechend zeigt sich auch bei den Frosttagen in der linearen Tendenz eine leichte Zunahme von 15 (1938) auf 16 Tage (2026).

Ebenfalls entgegen dem allgemeinen Trend haben die Sonnenstunden in St. Jakob abgenommen, wenngleich diese erst seit September 2007 aufgezeichnet werden. Seither ist die Sonnenscheindauer in der linearen Tendenz von 149 auf 141 Stunden pro Monat gesunken.

Rückgang der Pasterze

Neben einzelnen Wetterstationen sind auch Gletscher und deren Längenänderung in der Klimachronik erfasst. Für die Pasterze beim Großglockner, bislang Österreichs größter Gletscher, verdeutlicht besonders die kumulierte Längenänderung den erheblichen Rückgang des Gletschers, wenngleich der jüngste Eisverlust von der Zeitleiste bis 2023 noch gar nicht erfasst ist.

Die kumulierte Längenänderung spiegelt den Gletscherrückgang der Pasterze eindrücklich wider.

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