Vier mitteleuropäische Schläferarten gibt es, sie alle - Siebenschläfer, Haselmaus, Gartenschläfer und Baumschläfer - wurden in Tirol bereits nachgewiesen. Das trifft nur auf sehr wenige Regionen zu.

„Aufgrund ihrer nächtlichen Aktivität und verborgenen Lebensweise sind die Bilche aber nur schwer zu erfassen. So sind auch die verfügbaren Daten zu ihrer aktuellen Verbreitung und Bestandssituation lückenhaft. Besonders für den seltenen Baumschläfer und den europaweit rückläufigen Gartenschläfer sind stichhaltige Nachweise sehr gering“, erklärt Zoologin Petra Schattanek-Wiesmair, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen.
Verschiedene Methoden zur Erfassung im Test
Deshalb haben die Tiroler Landesmuseen in Kooperation mit der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol und den Österreichischen Bundesforsten ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um den Lebensraum der Bilche zu erforschen.

Dabei werden verschiedene Methoden zur Erfassung von Bilchen untersucht: In vier ausgewählten Untersuchungsgebieten kommen Nistkästen, Niströhren, Wildkameras, bioakustische Aufnahmegeräte und Spurentunnel zum Einsatz. Im Anschluss werden Nachweisraten und Praxistauglichkeit der unterschiedlichen Methoden verglichen, mit dem Ziel, das Erhebungsdesign für zukünftige Bilchuntersuchungen weiterzuentwickeln und zu optimieren.
Ergänzend dazu werden Daten aus dem ebenfalls seit Frühjahr 2025 laufenden Citizen-Science-Projekts „Entdecke die Bilche Tirols“ berücksichtigt. „Dabei ist die Bevölkerung aufgerufen, Beobachtungen von Bilchen zu melden, um so die Forschenden zu unterstützen, die Verbreitung der Tiere besser zu verstehen und gezielte Artenschutzmaßnahmen abzuleiten“, erläutert Evelyn Kustatscher, Leiterin der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen.
Bereits an die 50 Meldungen mit Fotobelegen von aufmerksamen Naturbeobachter:innen konnten den vier Arten bisher zugeordnet werden und liefern zusätzliche Informationen zur Verbreitung.
Gefährdete Bilche
„Da Bilche recht heimlich leben und generell in geringeren Dichten als z.B. Waldmäuse vorkommen, ist die Datenlage über sie sehr gering. Einige Arten sind aber nachweislich seltener geworden, wie etwa der Gartenschläfer, der in den Nachbarländern um ca. 50 Prozent zurückgegangen ist, oder der Baumschläfer, von dem es in Deutschland seit 1986 keine Nachweise mehr gibt“, ordnet Petra Schattanek-Wiesmair die Gefährdungslage dieser Tiere ein.

Dabei sind sie wichtige Bioindikatoren für unser Ökosystem, da sie sensibel auf Lebensraumveränderungen und Umweltgifte reagieren. Außerdem beeinflussen Bilche als Samenverbreiter die Vegetation und tragen als Teil der heimischen Artenvielfalt zum ökologischen Gleichgewicht bei. Für die Humanmedizin und Raumfahrtforschung sind sie von wissenschaftlichem Interesse, da aus ihrem Winterschlaf wichtige Erkenntnisse gewonnen werden können.
Bevölkerung zur Beobachtung aufgerufen
Petra Schattanek-Wiesmair ruft weiterhin zur Beobachtung durch die Bevölkerung auf: „Besonders jetzt im Herbst suchen Bilche geschützte und frostfreie Unterschlupfe, etwa in unterirdischen Hohlräumen, Garagen, Dachböden oder Verstecken in naturnahen Gärten. Schauen Sie genau hin!“
Wer eine Schlafmaus entdeckt - lebendig oder tot - soll sich inklusive Foto sowie Angaben zu Fundort und Datum unter p.schattank@tiroler-landesmuseen.at oder 0664 1239949 melden. Auch ein Formular steht für Meldungen zur Verfügung.
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