Erneut Kritik an Kraftwerk Virgental

WWF vermisst jegliches Augenmaß, Bürgermeister halten an Projekt fest.

Die Gemeinden Prägraten und Virgen sowie die Firma INFRA Project Development GmbH wollen die Wasserkraft an der Isel zur Energieerzeugung nutzen.

Das geplante 140 Millionen-Kraftwerk im Virgental soll Strom für 40.000 Haushalte liefern. Aktuell läuft das Vorprüfungsverfahren, bei dem die Landesregierung erhebliche Mängel ortete. Nach dem Vorverfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung sind weitere Gutachten nötig.

Am 2. September rief die Umweltschutzorganisation WWF die Gemeindevertreter von Virgen und Prägraten zum Umdenken auf. „Hat man hier jegliches Augenmaß verloren?“, fragt sich WWF-Flussexperte Christoph Walder, für den es nicht nachvollziehbar ist, die Isel als letzten noch unverbauten Gletscherfluss der gesamten Ostalpen für ein 140 Gigawatt-Kraftwerk zu opfern. Walder: „Die Lichter werden nicht ausgehen, wenn dieses Kraftwerk nicht kommt. Intakte Natur aber wird immer wertvoller werden. Ihr konsequenter Schutz ist für die Nationalparkregion die beste Investition in die Zukunft.“

Die Bürgermeister von Virgen und Prägraten wollen an dem Projekt festhalten. „Wir haben ein UVE-Konzept eingereicht und stehen in regem Austausch mit den Behörden und dem Land Tirol“, betont Dietmar Ruggenthaler, Bürgermeister von Virgen. Die noch fehlenden Stellungnahmen der Behörden in einzelnen Fachbereichen sollen bis Mitte Oktober vorliegen. Über weitere Schritte und Projektdetails werde man erst nach Vorliegen aller Stellungnahmen im Vorprüfungsverfahren entscheiden.

Osttirol könne, betont der Bürgermeister von Prägraten, zu einer „grünen Batterie in Europa“ werden. „Bei der Planung des Kraftwerks Virgental legen wir besonderen Fokus auf eine naturnahe Vorgehensweise“, so Anton Steiner, der bei dem Projekt keinen Widerspruch von Kraftwerk und Nationalpark sieht.

Fotos: Brunner Images

Am 8. April wurde das Kraftwerks-Projekt der Öffentlichkeit präsentiert. Von links: Wolfgang Widmann (INFRA) und die Bürgermeister Anton Steiner (Prägraten) und Dietmar Ruggenthaler (Virgen).
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3 Postings bisher
veronika vor 6 Jahren

...bm steiner sagt es wenigstens, warum "unser energieversorger" so scharf ist auf jeden bach - egal ob im winter oder im sommer halbjahr ... doch die vision "europas grüne batterie" werden zu wollen erschreckt mich trotzdem "ein bisschen" ... ...würde nach den sicherlich zahlreichen sitzungen (vermutlich in innsbruck e.w.pl. 2-3) einmal eine kur öko news oder ähnliche literatur verschreiben, dann würde sich die verbohrtheit vll etwas lösen lassen und die ohren wieder etwas offener werden für die meinungen vom eigenen, "gemeinen volk". ...nach den bereits mehrfach präsentierten zahlen würde sich für beide gemeinden gefühlsmäßig ein mini-dorf-kraftwerk für 400 haushalte wohl risikofreier, umweltschonender, schneller, vll schon um die projektierungskosten vom großen umsetzen und amortisieren lassen - und vor allem wirklich ein stückchen mehr an unabhängigkeit bewirken; ...von der finanzierung bis zum betreiben - lauter jahrzehntelange knebelungen - warum kann das ein kommunalpolitiker wollen, warum soll das ein wähler wollen???

TschojerG. vor 6 Jahren

ohne Hirn und Verstand nur das schnelle Geld im Auge was soll ma da zu noch sagen?

Detektor vor 6 Jahren

Als "grüne Batterie Europas" sollte man die Isel lieber unbehelligt fließen lassen und mit dieser Kostbarkeit werben, da naturnahe Landschaften und insbesonders fließende Gewässer europaweit immer seltener und damit wertvoller werden. Die Isel ist eine alpenweite Besonderheit und unbedingt zu schade, um als - wie BM Steiner offenbar meint - Strombatterie verschleudert zu werden, die dreiviertel des Jahres ohnehin zu wenig oder überhaupt keinen Strom liefern würde.