Klaubauf-Attacke in Matrei: Tatverdächtiger ausgeforscht

Nach dem schweren Zwischenfall beim „Ausläuten“ der Klaubäufe in Matrei in Osttirol am 7. Dezember 2013 bildete die Polizeiinspektion der Marktgemeinde eine eigene Ermittlungsgruppe, die jetzt einen Tatverdächtigen ausgeforscht hat.

Der Mann ist 35 Jahre alt und stammt aus Matrei. Er hat bis jetzt kein Geständnis abgelegt, die Indizienlage scheint aber erdrückend. Als „Klaubauf“ verletzte er einen 15-jährigen Schüler, der mit Verdacht auf Gehirnblutung in die Klinik nach Klagenfurt geflogen werden musste und dort bis vor kurzem auf der Intensivstation war.

Das Opfer befindet sich mittlerweile auf dem Weg der Besserung und konnte auf die Normalstation verlegt werden, meldet die Polizei. Der Vorfall löste eine intensive Diskussion über den Krampusbrauch in Osttirol aus.

„Mehrere Zeugen haben sowohl die Larve als auch die Ausrüstung eindeutig wiedererkannt,“ erklärt  Bezirkskommandant Silvester Wolsegger, der selbst aus Matrei stammt. Ganz sicher auszuschließen sei ein Täter aus dem schulischen Umfeld – wie ursprünglich vermutet – und dem direkten Bekanntenkreis des Jugendlichen.

Auch der Tathergang sei nach den Zeugeneinvernahmen gut rekonstruierbar. Wolsegger: „Der Mann war als einzelner Klaubauf, also nicht in einer Rotte unterwegs, er holte sich den Jugendlichen aus den Zuschauerreihen heraus und warf ihn mittels Klaubaufwurf zu Boden“. Dieser Wurf ist auf den Krampusvideos von dolomitenstadt.at immer wieder zu sehen, der Gegner wird dabei durch eine Drehbewegung aus dem Gleichgewicht gebracht und zu Boden geworfen. Üblicherweise hilft der Klaubauf oder Krampus dem Gegner wieder auf. Nicht in diesem Fall. „Das Opfer wurde offenbar mehrmals hochgehoben und wieder hingeworfen“, erläutert der Ermittler. Der mutmaßliche Täter wird auf freiem Fuß angezeigt: Verdacht auf schwere Körperverletzung.

Wolsegger ist seit 1996 Polizeisprecher des Bezirkes. An einen derartigen Medienandrang wie nach der Klaubauf-Attacke kann er sich nicht erinnern. Die Ermittlungen seien kooperativ verlaufen, „es gab von Anfang an das Bemühen, den Täter auszumitteln.“ Auch in Klaubauf-Kreisen sei er keineswegs auf eine Mauer des Schweigens gestoßen, sondern „auf viel Hilfsbereitschaft“. Der 35-jährige Matreier war nicht das erste Mal als Klaubauf unterwegs. Weil er nicht geständig ist, bleibt bislang auch sein Motiv unklar.