Große Schneemassen nicht mehr zu erwarten

Die meisten Experten geben Entwarnung. Einsatzkräfte stehen dennoch bereit.

So viel Schnee wie am vergangenen Wochenende soll in den nächsten Tagen nicht mehr fallen. Das prognostiziert Reinhard Prugger, Meteorologe und Experte für das „Osttirol Wetter„: „Eine Front von Westen wird immer wieder für ein paar Stunden Schneefall und in den niedrigeren Lagen für Regen sorgen. Mit Niederschlägen, wie sie letztens von mild-feuchter Atlantikluft erzeugt wurden, müssen wir aber nicht rechnen“.

Bis zum kommenden Mittwoch werden sich laut Prugger Sonne und Wolken abwechseln, anhaltende Schneefälle soll es jedoch nicht geben. In Summe 20-30 cm Neuschnee im Lesachtal und im oberen Pustertal und 15 bis 20 Zentimeter Schnee in Lienz werden vorhergesagt. Auch Bezirkshauptfrau Olga Reisner gibt sich gelassen: „Präventiv fand eine Einsatzbesprechung mit allen wichtigen Organisationen Osttirols statt, um für einen weiteren Ernstfall gerüstet zu sein.“ Grund zur Panik bestehe jedenfalls nicht.

Einsatzkräfte wie die Bergrettung sind in Bereitschaft. Für deren Bezirksobmann Peter Ladstätter steht jedoch nicht die noch zu erwartende Schneemenge im Fokus, sondern vielmehr das Lawinenrisiko: „An Sonnentagen ist die Schneedecke genau zu beobachten, wobei die gefährlichsten Situationen zu Beginn und am Ende des Tages entstehen: Wenn morgens die Sonne aufgeht, kommt es zu einer Erwärmung und leichten Ausdehnung der oberen Schneeschicht, bei Sonnenuntergang kühlt diese Schichte schnell ab und es entstehen Spannungen. In beiden Fällen reichen schon geringe Zusatzbelastungen, um eine Lawine auszulösen.“

Zwar sind im gesamten Bezirk Beobachter im Einsatz, um die Lawinensituation zu beurteilen, Ladstätter appelliert dennoch an die Vernunft der Bergsportler und Skifahrer. „Sollte etwas passieren sind alle acht Ortsstellen aktiviert und stehen auf Abruf bereit – in Prägraten, Virgen, Matrei, Kals, Defereggen, Lienz, Sillian und eine gemeinsame für Obertilliach, Untertilliach sowie Kartitsch.

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Dieser Bundesheer-Hubschrauber bleibt vorläufig in Osttirol. Foto: Brunner

Auch das Bundesheer ist für erneuten Schneefall gerüstet. Gestern noch bei Reparaturarbeiten in Hopfgarten im Einsatz, beseitigten 40 Soldaten der Kampfunterstützungskompanie heute die Schneemassen beim Kreithof in Tristach. Während die Stabskompanie mit Aufräumarbeiten in Obertilliach beschäftigt ist, unterstützten die Hubschrauber den Tiroler Lawinenwarndienst in Prägraten und im Villgratental.

Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienst Tirol sieht die Lage im Bezirk entspannt. Foto: Brunner Images
Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, sieht die Lage im Bezirk entspannt. Foto: Brunner Images

Mit an Bord des Bundesheerhubschraubers war auch Lawinenexperte Rudi Mair. Er sieht eine deutliche Entspannung der Lawinensituation in Osttirol. Die Gefahr von großen Schadenslawinen auf Siedlungen und Straßen ist laut Mair nicht mehr gegeben. „Allerdings sind Gleitschneelawinen immer noch ein Thema – vor allem Tourengeher sollten darauf Rücksicht nehmen“, mahnt der Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol. Auch die Schutzbauten sehen laut Mair sehr gut aus: „Wir waren gestern den ganzen Tag im Defereggental und heute im Villgratental unterwegs – die meisten Verbauungen sind nur bis zur Hälfte befüllt“, zeigt sich der Meteorologe entspannt.

Der „Black Hawk“ wurde gestern zur technischen Wartung in den Fliegerhorst nach Langenlebarn abgezogen, die Kommandozentrale des Jägerbataillons 24 ist für die kommenden Tage jedoch besetzt. Die Soldaten aus St. Johann in Tirol kehren am Nachmittag in ihre Heimatkaserne zurück.

Auch ein Großteil der Maschinenring-Einsatzkräfte aus Nordtirol, Salzburg und Oberösterreich hat am 6. Februar den Bezirk verlassen. „Für die letzten Abtransporte und Nacharbeiten reichen die 30 bis 40 Mitarbeiter vor Ort“, versichert Geschäftsführer Martin Mayerl.

Auch das Rote Kreuz ist für weiteren Schneefall gewappnet.
Auch das Rote Kreuz ist für weiteren Schneefall gerüstet. Foto: RK Osttirol

Gerüstet ist auch das Rote Kreuz in Osttirol. 40 „First Responders“ in den Gemeinden, zahlreiche Sanitäter, sowie Notfallsanitäter, ausgestattet mit Funkgeräten und medizinischer Notfallausrüstung stehen bereit. Auch Notunterkünfte könnten schnell eingerichtet werden. Das Landesrettungskommando sicherte der Bezirksstelle Unterstützung zu. Bei Fragen ist die Servicestelle des Roten Kreuzes unter der Telefonnummer 04852 62321 erreichbar.

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