Aus den Bergen auf die hohe See

Jasmin van der Woude studiert Maritiem Offizier in Amsterdam.

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Jasmin van der Woude, porträtiert von Linda Steiner.

Das ist die erste Folge aus unserer neuen Interview-Serie „Heimweh?“ Im aktuellen Printmagazin (jetzt im Osttiroler Zeitschriftenhandel) und im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unsere erste Gesprächspartnerin ist Jasmin van der Woude. Sie stammt aus Obergöriach/Gemeinde Dölsach und ist am 15. Jänner 1991 geboren.

Bitte erzähl kurz, welche Ausbildung du zurzeit machst.
Ich studiere in Amsterdam an der Hogeschool van Amsterdam Maritiem Offizier.

Was kann man sich darunter vorstellen?
Als Maritiem Offizier lernt man, sowohl im Maschinenraum als Maschinist als auch auf der Brücke als Steuermann an Bord eines Seeschiffs zu arbeiten. Dadurch, dass du an Bord beide Funktionen erfüllen kannst, bist du dann bei der Reederei als Maritiem Offizier im Dienst. Du kannst im Laufe der Ausbildung einen Schwerpunkt setzen (und viele Reedereien verlangen das auch), was zu einem sehr breiten und vielfältigen Berufsbild führt.

Das klingt nach einem sehr untypischen Studium, vor allem für eine Osttirolerin, wie kam es dazu?
Durch einen ganzen Haufen Zufälle und Missverständnisse! Ich wollte erst schon in den Niederlanden studieren, aber weder das Studium noch die Schule waren mir im vorhinein bekannt – geplant wäre Elektrotechnik gewesen. Die Kurzversion der Geschichte wäre, dass ich im wesentlichen meine Augen geschlossen, blind auf die Liste der Studienrichtungen gedeutet habe und dann das Ergebnis als „Eh nit schlecht, schau ma mal“ befunden habe. Ich bin nicht dort gelandet, wo ich ursprünglich hinwollte, aber sicherlich da, wo es mir mit Abstand am Besten gefällt.

Wie lange dauert der Aufenthalt auf einem Schiff?
Während der Ausbildung, die im Gesamten vier Jahre dauert, muss man mindestens ein Jahr Seeaufenthalt absolvieren, um ein Seetauglichkeitszertifikat zu bekommen. Für gewöhnlich teilt man die Praxis auf zweimal sechs Monate auf; nicht nur um nicht ein ganzes Jahr auf See zu sein, sondern auch um verschiedene Erfahrungen sammeln zu können. Später, im Berufsleben, hängt es stark davon ab, auf welchem Typ Schiff man fährt. Die Norm sind drei Monate durchgehend auf See.

Wo möchtest du deine Zeit an Land verbringen? Wäre es für dich eine Option wieder nach Osttirol zurückzukehren?
Da man als Maritiem Offizier prinzipiell nicht schlecht verdient, möchte ich vor allem reisen.
Ich muss höchstwahrscheinlich während meiner Landurlaube nach Hause zurück. Dadurch, dass ich den Großteil des Jahres weg bin, und immer wieder nur für ein paar Monate zurückkehre, wird es schwierig, in einer größeren Stadt – wie zum Beispiel Amsterdam – alle drei Monate wieder einen kurzfristigen Untermieter zu finden.

Außer deiner Reiselust, was hält dich davon ab zurück zu kommen?
Osttirol ist für mich ein schöner Ort um zu Verlassen und Anzukommen. Ich bin mit 15 von hier weg, um in Villach in die Schule zu gehen, und auch wenn ich mittlerweile schon weit herum gekommen bin, so hat sich doch immer eins in Bezug auf meine Heimat immer bestätigt:

Ich freue mich, wenn ich komme, und ich freue mich, wenn ich gehe.

–––

In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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