Für mich hat sich eine neue Welt eröffnet

Juliana Heigl studiert an der TU Wien und arbeitet mit Gehörlosen.

Das ist die zweite Folge unserer neuen Interview-Serie “Heimweh?” Im aktuellen Printmagazin (jetzt im Osttiroler Zeitschriftenhandel) und im Introvideo zur Serie erfahren Sie mehr. Unsere Gesprächspartnerin ist diesmal Juliana Heigl. Sie stammt aus Lienz und ist am 10. September 1990 geboren.

Juliana Heigl, porträtiert von Linda Steiner.
Juliana Heigl, porträtiert von Linda Steiner.

Erzähl mal, was du machst.
Ich lebe, studiere und arbeite in der zweit besten Stadt Österreichs: Wien. Mein Studium absolviere ich momentan an der Technischen Universität Wien, ich lebe in einer schönen WG am Praterstern mit einer Osttirolerin zusammen und arbeite nebenbei in einem Schulungszentrum für schwerhörige und gehörlose SchülerInnen.

Welche ist deiner Meinung nach die beste Stadt Österreichs?
Das habe ich noch nicht so ganz herausgefunden. Ich glaube Wien und Lienz stehen bei mir momentan ungefähr gleich auf. Beide Städte haben ihre Vor- und Nachteile. Lienz ist zum Beispiel wunderbar, wenn man ein Naturmensch ist. Wien bietet dafür weitaus mehr kulturellen Input.

Was genau studierst du?
Ich studiere Mathematik und Physik auf Lehramt. Ich will dann vielleicht später meinen jetzigen Job vollzeit machen und weiterhin im Gehörlosen-Bildungsbereich bleiben.

Wie, beziehungsweise aus welchem Grund hast du die Gebärdensprache gelernt?
Amerikanische Gebärdensprache, die ich jetzt nicht mehr so gut „spreche“, habe ich damals aus Interesse gelernt. Ich bin auf YouTube über ein paar Videos gestolpert und war sofort fasziniert – sprechen mit den Händen. Schließlich ist Gebärdensprache eine vollwertig anerkannte Sprache, mit eigenen Dialekten, Redewendungen, Grammatik und so weiter. Die österreichische Gebärdensprache lerne ich jetzt schon seit ungefähr drei Jahren. Mit ihr habe ich angefangen, weil ich auf einer Veranstaltung gehörlose Menschen kennengelernt habe. Viele von ihnen sind heute sehr gute Freunde von mir. Dass ich die Sprache lerne, macht die Kommunikation weitaus einfacher, interessanter und facettenreicher. Ich brauche Gebärdensprache auch im Unterricht. Also hat sich für mich eine ganz neue Welt eröffnet.

Kannst du dir vorstellen, später wieder nach Osttirol zurückzukehren?
Das weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht später einmal, sollte sich eine Jobsituation ergeben, die mich interessiert. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich es mir schwer vorstellen, weil meine Interessen nicht gedeckt werden. Mit Gebärdensprache zu arbeiten ist momentan in meinem Fokus, mein Studium auch, das kann ich beides nicht in Lienz verwirklichen. Später durchaus, wenn ich zum Beispiel Kinder großziehen möchte. Ich lass mich überraschen, was die Zukunft noch so für mich bereithält.

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In der Serie „Heimweh?“ entstehen vorerst 50 Porträts von Studentinnen und Studenten aus Osttirol, geschrieben und gezeichnet von Linda Steiner. Unterstützt wird dieses Dolomitenstadt-Projekt von Durst Phototechnik. Außerhalb Osttirols lebende Studierende, aber auch andere junge „Bildungsauswanderer“ können sich per Mail an redaktion@dolomitenstadt.at bei uns melden, wenn sie an diesem Projekt teilnehmen möchten.

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