Michael Weber aus Kartitsch, Luise Kofler aus Anras, Annemarie Weber aus Kartitsch und Vedetta Huber aus Strassen arbeiten ehrenamtlich für die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. Foto: Evelin Gander

Michael Weber aus Kartitsch, Luise Kofler aus Anras, Annemarie Weber aus Kartitsch und Vedetta Huber aus Strassen arbeiten ehrenamtlich für die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft. Foto: Evelin Gander

Hospizteam: „Wir haben keine Angst vor dem Sterben“

Wir stellen ehrenamtliche Begleiter schwerkranker und sterbender Menschen vor.

Michael Weber aus Kartitsch, Luise Kofler aus Anras, Annemarie Weber aus Kartitsch und Vedetta Huber aus Strassen sind vier von insgesamt 250 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Tiroler-Hospiz-Gemeinschaft. Zwei bis drei Stunden pro Woche verbringen sie im Wohn- und Pflegeheim Sillian, um dort vorwiegend Menschen in der letzten Phase ihres Lebens Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Hospizbewegung begleitet schwer kranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen zu Hause, in Pflegeeinrichtungen und in Krankenhäusern, unabhängig von Religion, Herkunft oder Alter. Dabei geht es weniger um den Tod an sich, sondern darum, den Menschen Vertrauen und Sicherheit zu schenken, um ihnen bis zuletzt Lebensqualität und Würde zu ermöglichen. Alle Mitarbeiter der Hospizgemeinschaft unterstehen der Schweigepflicht.

„Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“ ist das Motto der Hospizbewegung. Für diese anspruchsvolle Tätigkeit werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter gut ausgebildet: In 95 Seminarstunden und einem verpflichtendem Praktikum im Ausmaß von 80 Stunden lernen sie Grundlagen aus allen relevanten Fachbereichen und setzen sich mit Möglichkeiten und Grenzen in der Begleitung von sterbenden Menschen und ihren Angehörigen auseinander.

„Man lernt sehr viel für das eigene Leben. Die Feinfühligkeit wächst und man bekommt so viel zurück,“ sagt Luise. In ihrer Jugend arbeitete sie als Krankenschwester und fand als Hospizbegleiterin eine sinnvolle Beschäftigung für ihre Pension. Vedetta hätte sich selbst Hilfe gewünscht, als ihr Mann früh verstarb, unter anderem deshalb ist sie Teil der Hopizgemeinschaft  geworden. Ihre eigene Familie spricht nicht gern über das Sterben und den Tod. „Aber gerade durch die Konfrontation wird die Angst genommen,“ ist Vedetta überzeugt.

Für Annemarie war das Sterben noch nie ein Problem. Für sie gehörte das Sterben von klein auf zum Leben dazu. Am elterlichen Bauernhof starben immer wieder Menschen und wurden zu Hause aufgebahrt, um sich von ihnen zu verabschieden. „Heute wird alles, was mit dem Tod zu tun hat, einfach verdrängt.“ Ihr Ehemann Michael ist einer der vier männlichen Ehrenamtlichen der Hospizgemeinschaft des Bezirks Lienz. Für ihn hat das Sterben überhaupt nichts Abschreckendes mehr: „Die Menschen bekommen einen so wunderbar friedlichen Gesichtsausdruck.“

Außerdem haben alle vier schon Vorbereitungen für das eigene Sterben getroffen: Papierkram, Fotos, Wünsche für das Begräbnis … und raten allen, es ihnen gleich zu tun. Die Teams treffen sich immer wieder zum gegenseitigen Austausch und alle fühlen sich bei Bezirkskoordinatorin Reinhilde Tabernig sehr gut aufgehoben. Sie habe immer ein offenes Ohr und bemühe sich sehr um ein aktives Miteinander. Demnächst ist ein dreitägiger Fortbildungsausflug nach Brixen geplant.

Die Hospizgemeinschaft ist im Wachsen, aber auch die Nachfrage nach Hospizbetreuung steigt. Auch Michael, Luise, Annemarie und Vedetta werden später selbst die Hospizbetreuung in Anspruch nehmen. Viel Interessantes zur Hospizgemeinschaft findet man auf: www.hospiz-tirol.at. Nähere Informationen gibt  Bezirkskoordinatorin Reinhilde Tabernig unter: 0676/88 18 885

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