130 Gäste kamen zum ersten "Come together" im Matreier Gasthof Hinteregger. Das Küchenteam blieb bei bester Laune und die Aktion wird im Herbst fortgesetzt. Foto: Dolomitenstadt/Leiter

130 Gäste kamen zum ersten "Come together" im Matreier Gasthof Hinteregger. Das Küchenteam blieb bei bester Laune und die Aktion wird im Herbst fortgesetzt. Foto: Dolomitenstadt/Leiter

Marion Steiner-Binder kocht mit Flüchtlingen

Im Interview erklärt die Diätologin, wie und warum Kochen zur Integration beiträgt.

Die gelernte Diätologin Marion Steiner-Binder ist Obfrau der Nationalpark-Partnerbetriebe und führt zudem noch eine Frühstückspension in Matrei. Trotzdem findet sie noch Zeit und engagiert sich seit Oktober 2015 auch noch für Flüchtlinge in Osttirol. Alle zwei Wochen kocht Steiner-Binder gemeinsam mit Asylwerbern in Prägraten. Das Ganze gipfelte schließlich im kulinarischen „Come together“ am 29. April dieses Jahres, bei dem man im Matreier Hotel Hinteregger 130 Gäste mit arabischen Schmankerln begeisterte. Wie das Ganze zur Integration beiträgt, was in Zukunft geplant ist und was Marion Steiner-Binder von der europäischen Flüchtlingspolitik hält, haben wir bei einer Tasse Kaffee mit ihr herausgefunden.

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„Meine Philosophie ist, wenn ich in ein fremdes Land komme, möchte ich auch die regionale Küche kennenlernen“. Deshalb kocht Marion Steiner-Binder mit Flüchtlingen. Foto: Dolomitenstadt/Asslaber

Inwiefern wirkte sich das gemeinsame Kochen auf die Integration aus?

Es entwickelte sich dadurch eine gewisse Gruppendynamik und Gemeinsamkeit, die vorher noch nicht da war. Essen verbindet einfach. Zunächst haben wir Arabisch gekocht. Jetzt machen wir eine Mischung aus Arabisch und Österreichisch. Meine Philosophie ist nämlich, wenn ich in ein fremdes Land komme, möchte ich auch die regionale Küche kennenlernen. Das hilft um sich besser zu integrieren. Die deutsche Sprache ist dabei natürlich im österreichischen Fall das Wichtigste und diese kann man den Flüchtlingen auch über das Kochen näherbringen.

Während der Kochstunden wird also Deutsch gesprochen?

Eine Zeit lang haben wir Englisch gesprochen, aber jetzt verstärkt Deutsch. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass diejenigen Flüchtlinge, die Englisch können, sonst glauben, dass sie in Österreich überall damit durchkommen. Das wird nicht gehen. Das funktioniert nicht einmal in Wien.

Das „Come together“ war ja ein Riesenerfolg. Wird es in Zukunft öfters stattfinden?

Ich habe vor, dass es zweimal im Jahr stattfindet. Im Kopf hätte ich da Oktober, November. Also immer in der Zwischensaison. Ich möchte es allerdings nicht nur mit den Prägratener Flüchtlingen machen, sondern möchte es auf ganz Osttirol ausweiten. Es waren ja auch beim „Come together“ Flüchtlinge aus Dölsach, Lienz, Leisach, von überall. Die wollen sich auch einbringen. Im ersten Teil hatten wir schwerpunktmäßig Irak, aber mich interessiert beispielsweise genauso die syrische oder iranische Küche. Es wollen sich ja schließlich alle integrieren. Im Endeffekt schwebt mir ja ein Kochbuch vor.

Gibt es noch weitere Projekte, die geplant sind?

Falls Schulen Interesse haben, würden wir gerne auch mit ihnen gemeinsam kochen. Es haben ja beim „Come together“ bereits ein paar Schüler geholfen.

Vor kurzem wurde ja der Verein „Mia helfen – Hilfe für Flüchtlinge in Osttirol“ gegründet. Was soll damit erreicht werden?

Ein Verein ist neutral. Da kann sich keiner bereichern. Somit ist es leichter, Förderungen zu bekommen. Im Rahmen des Kochens fand ich unter anderem heraus, dass einige Flüchtlinge aufgrund ihrer Erfahrungen schwere Traumata haben. Diese Menschen brauchen Betreuung, um im Leben wieder Fuß fassen zu können. Das ist eines der Dinge, die durch den Verein ermöglicht werden sollen.

Wie kann man die Initiative unterstützen?

Einerseits finanziell, es gibt Spendenkonten. Andererseits kann man das Kochen mit Sachspenden unterstützen. Der Sozialmarkt „Kraut und Rüben“ in Matrei macht das schon hervorragend. Von dort bekommen wir Lebensmittel, die in den Kochstunden verarbeitet werden. Das Problem bei Lebensmittelspenden ist allerdings, dass wir kaum Lagermöglichkeiten haben. Eine Idee wäre deshalb, dass wir die Einkaufsliste für die Kochstunden per E-Mail an alle schicken, die uns unterstützen wollen. So kann uns dann jeder informieren, was er dazu beitragen möchte.

Bist du bei der Arbeit mit Flüchtlingen auch auf Schwierigkeiten gestoßen?

Eine Schwierigkeit waren die religiösen Unterschiede. Beispielsweise ist das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten ja nicht gerade das Beste. Das spürt man zum Teil auch unter den Asylanten. Andererseits gibt es teilweise rassistische Probleme. Da muss man eine gemeinsame Ebene finden.

Das Flüchtlingsthema ist ja überregional präsent. Was hältst du von der derzeitigen Flüchtlingspolitik Österreichs bzw. Europas?

Gute Frage. Wir sind in Europa das christliche Abendland. Meines Erachtens gehört zur christlichen Nächstenliebe, dass ich Schwachen und Hilfsbedürftigen helfe. Manche Nationen haben Angst, den Wohlstand aufzugeben. Ich sehe die Flüchtlinge als Chance für die Zukunft, man muss aber versuchen, sie zu integrieren. Ich bin gegen Grenzzäune, aber man muss die Leute auf irgendeine Weise schon kontrollieren, damit nicht die Falschen hereinkommen. Die EU steht vor einer sehr großen Herausforderung und ich verstehe nicht, warum sich einige Länder so gegen Flüchtlinge wehren.

Die Bevölkerung ist beim Flüchtlingsthema gespalten, viele sind verärgert. Wurdest du mit diesem Unmut schon persönlich konfrontiert?

(Klopft auf Holz). Nein. Da habe ich unheimliches Glück gehabt. Es kann aber immer noch kommen. Ich bin ja darauf gekommen, wenn man einmal im Kontakt mit Flüchtlingen war, verliert man die Scheu. Ein Teil der Leute hat ja Angst, dass sie ihren Wohlstand verlieren und ein anderer Teil, dass sie ihre Jobs verlieren. Ich glaube aber, dass alle ihren Platz haben und mit guter Integration können sie uns viel Positives bringen. Ich habe auch mitbekommen, dass viele wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen, sobald dort Frieden herrscht, um dort beim Wiederaufbau mitzuhelfen.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass Flüchtlinge, die in Osttirol bleiben wollen, hier gut integriert werden und zu einem Wachstum unseres Bezirkes beitragen und dass sich niemand fürchten muss, einen Arbeitsplatz zu verlieren.

Spendenkonten:
Lienzer Sparkasse: IBAN AT91 2050 7010 0015 0936
Bank Austria: IBAN AT07 1200 0100 1613 6045
Raiffeisenbank Matrei: IBAN AT90 3637 8000 0062 6861

E-Mail: kochenmitfluechtlingen2015@gmail.com
miahelfen@gmail.com
Telefon: +43 (0)664 380 14 55

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