"Heimische Milch darf nicht zu Dumpingpreisen verschleudert werden". Darauf machten (von links) Raimund Steiner, Hans Gumpitsch, Kilian Brugger, Michaela Pitterl, Martin Mayerl und Konrad Kreuzer im Intersparmarkt in Nußdorf-Debant aufmerksam. Foto: Karl Kashofer

"Heimische Milch darf nicht zu Dumpingpreisen verschleudert werden". Darauf machten (von links) Raimund Steiner, Hans Gumpitsch, Kilian Brugger, Michaela Pitterl, Martin Mayerl und Konrad Kreuzer im Intersparmarkt in Nußdorf-Debant aufmerksam. Foto: Karl Kashofer

Osttiroler Bauern verschenken Milch im Supermarkt

Aktionen und Unterschriftensammlung gegen Preisdumping. Handel in der Pflicht.

Bezirksbauernobmann Martin Mayerl, Bezirksbäuerin Michaela Pitterl, Kammerobmann Konrad Kreuzer und die Landwirte Hans Gumpitsch, Raimund Steiner und Kilian Brugger verteilten am 1. Juni symbolisch Tirol-Milch-Packerln an Kunden des Intersparmarktes in Nußdorf-Debant. Die Osttiroler Bauerndelegation wollte durch diese Aktion und in Gesprächen mit  Supermarkt-Kunden auf die derzeit nicht nur in Österreich heiß diskutierte Talfahrt der Milchpreise aufmerksam zu machen. In ganz Tirol gingen am „Weltmilchtag“ ähnliche Aktionen über die Bühne.

Wie berichtet, erhalten heimische Bauern für den Liter Kuhmilch derzeit nur 27 Cent. Noch 2014 waren es mehr als 40 Cent. Auch in den Dolomitenstadt-Postings fragen Konsumenten, wer denn eigentlich die Differenz in die Tasche steckt? Aus der Sicht der Bauern ist das der Handel. Martin Mayerl: „Im Jahr 2013 kam am Bauernhof noch ein Drittel des Konsumentenpreises an, im April 2016 ist der Anteil auf nur mehr ein Viertel zurückgefallen.“

Doch nicht nur die Handelsspannen verändern sich zu Ungunsten der Landwirte. Wenige große Lebensmittelketten dominieren den Markt und nutzen Grundnahrungsmittel wie Milch im Preiskampf gegen ihre Mitbewerber. „Gesunde heimische Trinkmilch und Milchprodukte werden weit unter ihrem Wert verschleudert. Der Lebensmittelhandel entwertet durch Rabattaktionen und Lockangebote gesunde Molkereiprodukte“, ärgert sich Mayerl und zieht einen Vergleich: „Bald kostet ein Plastiksackerl oder ein Liter Mineralwasser gleich viel wie ein Liter Milch. Da läuft etwas gewaltig schief in unserer Gesellschaft.“ Ein Liter Milch kostet im Handel zwischen 0,85 und 1,09 Euro.

Den Bauernvertretern sei durchaus bewusst, dass auch die Produktionsmengen an den Markt angepasst werden müssen, um Angebot und Nachfrage wieder ins Lot zu bringen. Es gebe immer mehr Bauern, die in die Direktvermarktung und Produktion von Gemüse, Obst, Kräutern und Alternativprodukten viel Arbeit und Zeit investieren, betont der Bezirksbauernobmann, aber „die Mehrheit unserer Bauern kann nicht kurzfristig aus der Milchproduktion aussteigen, um in alternative Produktionssparten umzusteigen. Das wäre für die Almbewirtschaftung, aber auch für die Bewirtschaftung unserer zum Teil steilen Wiesen verheerend. Die Alternative wären Verwilderung und das Zuwachsen vieler Flächen, vor allem auf Almen in unserem Land.“

„Ich bin nicht gern in der Defensive“, gab sich Bezirksbäuerin Michaela Pitterl im Supermarkt kämpferisch. „Es ist und bleibt unsere Aufgabe, den Konsumenten bewusst zu machen, dass sie mit jedem Einkauf ein Voting für oder gegen die heimische Landwirtschaft an der Kassa abgeben. Wir dürfen den Kontakt zu den Menschen nicht abreißen lassen.“ Bäuerinnen und Bauern seien die besten Produktbotschafter und müssten diese Rolle auch aktiv übernehmen.

Neben regionalem Aktionismus und einer Unterschriftenaktion sei Hilfe durch den Bund ein Gebot der Stunde, beispielsweise eine Rabattierung der Sozialversicherungsbeiträge, schlägt Pitterl vor. „Sicher ist, dass wir nun rasch handeln müssen, ehe es zu spät ist und Bauern für immer die Hoftür schließen. Was wir angesichts der prall gefüllten Regale in unserem Land leicht vergessen ist die Tatsache, dass unsere kleinstrukturierte heimische Landwirtschaft schnell durch industrialisierte Landwirtschaft aus dem Ausland ersetzt werden kann.“

Der ÖVP-Bauernbund, die Tiroler Landwirtschaftskammer, Bäuerinnen und Jungbauern wollen die in den nächsten Wochen gesammelten Unterschriften an Bundespräsident Alexander van der Bellen übergeben. Listen werden am 12. Juni bei einem „Tag der offenen Hoftüren“ aufgelegt und natürlich kann man auch online unterschreiben.

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16 Postings bisher
Unholder0815 vor 1 Jahr

Wieder eine Typische Alibi Aktion sogenannter Bauernvertreter. Zuerst schauen sie Tatenlos zu wie landwirtschaftliche Infrastruktur (Molkerei) unseres Bezirkes verschachert wird,wird wohl um ein zwei gut dotierte Posten gegangen sein. Und dann die Medien begleitete Milch verschenks Stunde im Interspar. Wem das was bringt ist fraglich. Unsere fleissigen hart arbeitenden Bauern haben sich mehr verdient .

bauka vor 1 Jahr

@chiller du nimmst dir die flasche selber mit! - mittlerweile haben sie sogar BIOmilch!!

bauka vor 1 Jahr

@chiller336 der ist beim webhofer-obstbauer (brennstadel), schräg unterhalb des gemeindehauses.

    chiller336 vor 1 Jahr

    ah ok, hab i nit gwusst ... und holt ma da die milch mit flaschn? oder gibts die behältnisse dazu (pfand oder so)?

bauka vor 1 Jahr

dann lass uns alle zum milchautomaten schreiten! - fairer preis, gute rohmilch und rund um die uhr offen. wo gibts noch welche im bezirk? ich kenn nur den in gaimberg.

senf vor 1 Jahr

zu zeiten der molkerei osttirol war ich und viele andere auch solidarisch und haben nach dem aufruf unserer bauern "kauft heimische milch" mit stolz nur die milch in der blauen verpackung mit der aufschrift OSTTIROLMILCH gekauft und gerne den erhöhten preis dafür bezahlt. schlagartig geändert hat sich das bei mir, als ich erfahren habe, dass dasselbe produkt von derselben genossenschaft in einer anderen verpackung (weiss) beim hiesigen diskonter um nahezu 35% billiger angeboten wurde. bei meiner ehr!

Hot doc vor 1 Jahr

@hannes vollkommen richtig, die Bauern haben selbst den Zusammenschluss mit der tirolmilch beschlossen. Es wäre höchst an der Zeit zusammenzuarbeiten und gemeinsam versuchen neue Wege zu gehen. Wenn nun von Mayerl und co gefordern heimische Produkte zu kaufen - wo den bitte gibt es heimische Produkte. Die Milch von der Tirolmilch der Apfelsaft vom Kuenz wieviel ist dort noch heimisch ?? Also dringend Verarbeitungsbetriebe zurück nach Osttirol und dann können wir weiterreden.

iseline vor 1 Jahr

schließe mich @churchill an:

Warum "veredelt" man in Osttirol die Milch nicht selbst und kriegt dafür mehr, statt sie billigst zu exportieren? In Südtirol funktionieren kleine Käsereien sehr gut, da könnte man sich was abschauen. Dazu bräuchte es halt Eigeninitiative, statt einer Petition an den Bundespräsidenten, der ja mit dem operativen Geschäft des Milchhandels nicht wirklich betraut wurde.

    chiller336 vor 1 Jahr

    grundsätzlich ja, aber ich denke mir, dass es zu kostenintensiver ist, praktisch eine eigene molkerei bzw einen ähnlich gearteten betrieb auf die beine zu stellen, zumal milch heutzutage - egal ob heimisch oder importiert - qualitätskriterien entsprechen muss, d. h. milch muss für den verkauf pasteurisiert werden, muss anständig verpackt werden, dazu brauchts wieder angestellt, die diese arbeit erledigen ... und so gehts vom käse zum joghurt etc. die zeiten, wo diese normen noch ungefragt waren, sind leider vorbei, ausser man kauft die milch ab hof, so wie früher, mit der milchkanne. das problem ist meiens erachtens wieder die bequemlichkeit der leute ... es geht sich schneller zum spar oder lidl oder sonstwohin als einmal am tag zum bauernhof die milch abholen. im nordtiroler wipp und stubaital verkaufen die bauern ihre milch nach sterzing in die molkerei, weil dort der preis um vieles lukrativer ist als in österreich. also muss irgendwo auf dem weg der eigentlichen produktion bzw vermarktung der hund begraben sein

spitzeFeder vor 1 Jahr

Zitat: „Bald kostet ein Plastiksackerl oder ein Liter Mineralwasser gleich viel wie ein Liter Milch. Da läuft etwas gewaltig schief in unserer Gesellschaft.“ Zitatende.

Lieber Herr Mayerl, wenn ich etwas produziere und damit den Markt überschwemme, was passiert dann mit dem Preis? Noch mehr Kühe im Stall, noch mehr Milch auf dem Markt? Sehr lesenswert dazu ist auch die Diskussion in der Tiroler Tageszeitung: http://www.tt.com/wirtschaft/standorttirol/11565855-91/josef-blasisker-lage-der-milchbauern-ist-prek%C3%A4r.csp?tab=diskussion

mischmaschin vor 1 Jahr

@ Churchill - was willst Du machen, wenn die hoch profitable RGO diesen Betriebszweig einfach nicht quersubventionieren will. Dann wäre das Ergebniss auf der alljährlichen Ganeider und Diemling Show doch nicht mehr so toll! Und eine Molkerei ist doch nur ein Klotz am Bein. Da es aber um die von Dir angesprochene Genossenschaft geht die es schon gibt, müssten sich halt die Mitglieder mal aus der Komfortzone begeben...

bauka vor 1 Jahr

ist ja nicht so, als würd sich da niemand gedanken drüber machen....(es gibt auch 'andere' bauern - alternativ zum lk und bb sumpf) http://www.ig-milch.at/wp-content/uploads/2016/03/Milch-Manifest.pdf

hannes vor 1 Jahr

@churchill: haben nicht die 'Genossen' diese Misere verursacht, indem sie u.a. die Molkerei Lienz ( = Genossenschaft ) an die Tirol Milch und diese dann an die ... glaublich... Berglandmilch..... verscheppert haben...... Wo waren da die heimischen sogenannten Bauernvertrter ??? Ich verstehe jeden 'kleinen', einzelnen Bauer, ein hartes Brotverdienen, ich verstehe aber ... zumindest bis heute.... keinen Bauernvertreter, der diesem Berufsstand Schaden zufügt, aber selber... eh schon wissen.... siehe Raiffeisenverband Tirol

bergfex vor 1 Jahr

Aktionen und Unterschriftensammlung gegen Preisdumping........

Vielleicht sollten sie auch einmal den Mut aufbringen, sich gegen die obersten Bauernvertreter in der Regierung zu protestieren , die nichts dabei finden, den Bauern TTIP schmackhaft zu machen.

Churchill vor 1 Jahr

Ich kenne mich in der Osttiroler "Milchszene" zu wenig aus, aber dennoch frage ich mich: Warum schließen sich die Bauern nicht zu einer Genossenschaft o. Ä. zusammen, produzieren eine einheitliche Linie Osttiroler Milch und Milchprodukte und verkaufen diese am Bauernmarkt und in den Supermärkten im Bezirk (und darüber hinaus) zu einem Preis, von dem man auch Leben kann? Zumal ohnehin viele Supermärkte einzelne Regale oder sogar ganze Abteilungen voller heimischer Produkte anbieten. Eine Kooperation würde sich da doch anbieten, oder nicht? Ich bin mir sicher, dass viele Menschen Qualitätsprodukte aus der eigenen Region gegenüber irgendeiner gepunchten weißen Suppe aus der sprichwörtlichen "Walachei" bevorzugen würden. Auch wenn man dafür etwas tiefer in die Tasche greifen muss. Klar, naturlich kann ja jeder das essen und trinken, was er oder sie will. Aber es sollten sich halt auch alle darüber bewusst sein, mit welchen Methoden Lebensmittel produziert werden, die zu Dumpingpreisen verkauft werden. Ich sage nur: Glyphosat und andere Spritzgifte in der Landwirtschaft, Wachstumshormone und Antibiotika in der Viehzucht usw..

Du bist, was du isst!