„Natürlich ist Tourismus eine Chance. Eine Riesenchance!“

Andreas Lukasser absolvierte die Hotelfachschule in Lienz. Ihm steht die Welt offen. 

Chancen sind da, um genützt zu werden. Das scheint das Motto von Andreas Lukasser aus Dölsach zu sein. In seinem Abschlussjahr an der Hotelfachschule meldete er sich spontan zu einem englischen Bewerbungsgespräch für ein Jahrespraktikum bei Michael und Louisa Smith, den Inhabern einer renommierten Strandcafékette in Südengland, die an diesem Tag in der HLW Lienz ihre SommerpraktikantInnen persönlich trafen. Andreas war damals 16 Jahre alt. Er bekam die Stelle, blieb letztendlich eineinhalb Jahre und arbeitete sich in dieser Zeit bis zum Supervisor hinauf.

„Ich war zu Beginn schon sehr nervös. Hauptsächlich wegen der Sprache. Aber mir wurde schnell klar, dass das unnötig war. Jeder unterstützte mich und dadurch entstand sofort ein Gefühl der Sicherheit. Vor allem in der Arbeit, die nicht nur am Anfang sehr herausfordernd war. Aber es fühlte sich richtig gut an, dass mir immer mehr Verantwortung übertragen wurde. Das zeigte mir, dass es gut sein musste, was ich tat. Ich hab dadurch in England sehr viel Selbstbewusstsein bekommen. Ich hab wirklich gelernt, Verantwortung zu übernehmen. England hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin.“

Andreas Lukasser, gezeichnet von Linda Steiner.

Dass mit England das Abenteuer Auslandserfahrung für Andreas nicht abgeschlossen, sondern erst beginnen würde, war für ihn, seine Familie und Freunde immer klar.  Genauso wenig überraschend war, dass er mit seinem charismatischen Auftreten und den perfekten Englischkenntnissen auch beim nächsten großen Bewerbungsgespräch voll punkten würde. Es fand wieder in der HLW Lienz statt. Dieses Mal mit Achal Goswami, dem Executive Director des Frenchman’s Creek Beach & Country Club, einem Luxusresort in Palm Beach Gardens in Florida. Und somit geht Andreas‘ nächste große Reise nun im Oktober, wenn sein Zivildienst beim Roten Kreuz abgeschlossen ist, über den ganz großen Teich ins sonnige Miami. Er wird dort als einer von 120 jungen Menschen aus der ganzen Welt ein weiteres einjähriges Praktikum als Food & Beverage Trainee absolvieren.

Und wie wohl den meisten von ihnen geht es auch Andreas dabei nicht nur um die reine Arbeitserfahrung. „Ich möchte in meinem Leben einfach möglichst viel Neues erleben und sehen, damit ich später nichts bereuen muss, was ich nicht getan habe. Das Arbeiten im Ausland bietet mir ideale Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen, neue Kulturen zu erleben und über die Grenzen von Osttirol hinauszusehen. Internationaler Tourismus ist dabei eine Riesenchance. Durch die Arbeit in der Gastonomie findet man überall sehr schnell Anschluss. Man lernt innerhalb kürzester Zeit die Lebensweise, die traditionelle Küche und die Mentalität von Menschen kennen.“

Das empfindet auch Daniela Lerchl so. Die 36-jährige gebürtige Deutsche aus Niedersachsen ist heute Assistant Manager in der Personalabteilung von Frenchman’s Creek. Begonnen hat sie dort vor elf Jahren wie Andreas als Trainee. „Frenchman’s ist meine Familie hier in Florida, obwohl ich mittlerweile auch meine eigene Familie hier habe. Wie überall im Tourismus arbeiten wir hier viele Stunden und viele davon, wenn andere feiern. Aber mit Kollegen aus so vielen verschiedenen Ländern macht es einfach Spaß. Nach Dienstschluss genießen wir dann deutschen Glühwein zu indischen Leckereien und philippinischem Nachtisch. Und wenn man einmal hier gearbeitet hat, dann hat man für den Rest des Lebens eine ganze Menge Urlaubsziele ohne Hotelrechnungen.“

Und diese wird Andreas sicher zu nützen wissen. Sein nächstes Ziel nach Frenchman’s Creek ist die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff. „Heimweh kenne ich eigentlich nicht. Ich weiß ja, dass ich meine Familie und meine Freunde nie verlieren werde. Und Angst vor unangenehmen Überraschungen habe ich auch nicht. Ich bin überzeugt, dass es im Leben so kommt, wie es soll. Und in schwierigen Situationen muss man einfach versuchen, so gut wie möglich damit umzugehen. Und ja, im höheren Alter komm ich ja sicher wieder nach Osttirol zurück.“ Was Andreas mit „höherem Alter“ meint, lassen wir offen. Sicher ist, dass er mit vielen Eindrücken aus der ganzen Welt zurückkehren will und wird.


 In der Serie „Heimweh?“ porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren. Du studierst oder machst eine andere Ausbildung außerhalb Osttirols? Wir porträtieren dich! Schicke uns ein paar Zeilen über dich an redaktion@dolomitenstadt.at und eine(r) unserer jungen Redakteure bzw. Redakteurinnen wird sich melden.

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