Im Hörsaal mit dem ehemaligen Bundespräsidenten

Lisa Klammer ist Autorin bei Dolomitenstadt und studiert Politikwissenschaften.

Heute sitzt mir meine Redaktionskollegin Lisa Klammer gegenüber. Da die 20-jährige Osttirolerin in Innsbruck Politikwissenschaft im fünften Semester studiert, kommt es nicht von ungefähr, dass sie bereits den einen oder anderen politischen Kommentar für dolomitenstadt.at verfasst hat. Für den Bachelor-Abschluss benötigt Lisa sechs Semester, danach kann mit dem Master-Studium begonnen werden.

Nach der Matura hat sich die Heinfelserin nach einem passenden Studienzweig umgesehen und sei dabei auf das Politikwissenschaften-Studium gestoßen: „Politik hat mich schon immer interessiert“.

Lisa Klammer, gezeichnet von Linda Steiner.

Warum sie ausgerechnet Innsbruck als Studienort auserwählt hat, begründet Lisa mit der Nähe zur Heimat. „Es war in meinen Augen der ideale Schritt nach dem Auszug von zu Hause. Auch meine Schwester lebt in Innsbruck und mir hat die Stadt immer schon sehr gut gefallen“, so Lisa. Sie gibt auch zu, dass ihr das Einleben in der Tiroler Landeshauptstadt zunächst schwer fiel. „Die Uni dort ist ziemlich groß und ich kannte niemanden.“ Nach der Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten habe sie aber „Innsbruck lieben gelernt“. Auch der Freundeskreis wuchs und Lisa lebt jetzt in einer Wohngemeinschaft.

An der Innsbrucker Universität wird die Osttirolerin ab Oktober von niemand Geringerem als dem ehemaligen Bundespräsident Heinz Fischer unterrichtet. „Das wird bestimmt eine tolle Erfahrung. Ich war ja bereits bei seiner Antrittsvorlesung dabei, nun werden wir einander öfter zu Gesicht bekommen“. Lisa lobt an ihrem Studium vor allem den vielseitigen Zugang zur Materie, der durch derart bekannte Dozenten entsteht. Neben Fischer zählt auch Andreas Pfeifer, seit 2007 außenpolitischer Ressortleiter im aktuellen Dienst des ORF-Fernsehens, zu den Vortragenden im Politikwissenschaften-Studium.

Heimweh verspürt Lisa kaum. Anfangs sei sie zwar regelmäßig nach Hause gefahren, mittlerweile seien die Heimatbesuche weniger geworden – stressbedingt. Wenn sie sich dann wieder einmal auf den Weg nach Osttirol macht, nimmt Lisa den Direktbus. Auf die Frage, ob sie der abgeschafften Direktzug-Verbindung nachtrauere, meint sie: „Ich kann mittlerweile gut mit dem Bus leben. Eines ist jedoch klar: Die starken Zeiten gilt es zu meiden, das ist schade. Bisher habe ich aber immer einen Platz bekommen, also kann ich mich auch nicht beschweren.“

Für ihre berufliche Zukunft hält sich Lisa vorerst sämtliche Optionen offen. „Auch der Journalismus reizt mich. Einen Job im Politikressort, zum Beispiel bei einer Tageszeitung, könnte ich mir gut vorstellen.“ Auch eine Arbeitsstelle als Beraterin von Politikern, als Pressesprecherin oder in einer sozialen Einrichtung würde sie reizen. Auf den Journalismus sei Lisa durch Zufall gekommen: „Ich habe es einfach probiert und es hat Spaß gemacht.“ Obwohl viele Faktoren für ihre Zukunft noch ungewiss scheinen, so steht eines zumindest jetzt schon fest: „Meine berufliche Zukunft sehe ich nicht in Osttirol.“ Eine Rückkehr in die Heimat „nach der Pensionierung“ könne sie sich aber gut vorstellen.


In der Serie „Heimweh?“ porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren.

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