„Ich hatte immer schon einen guten Draht zu Kindern“

Sebastian Pretis macht zurzeit ein Studium zum Volksschullehrer in Innsbruck.

Sebastian Pretis ist 22 Jahre alt, stammt aus Matrei und studiert in der Landeshauptstadt. Ich habe ihn in unserem gemeinsamen Heimatort zum Heimweh-Interview getroffen.

Erzähl mal was du machst!
Also derzeit habe ich mal Sommerferien (lacht). Nein, ich mache zurzeit ein Studium zum Volksschullehrer an der PHT in Innsbruck. Dort bin ich derzeit im zweiten Jahr, das bedeutet ich habe noch zwei Jahre vor mir.

Wieso hast du dich für Innsbruck entschieden?
Bei mir ist es so, dass eigentlich 90 Prozent von meiner Familie draußen in Nordtirol wohnen, genau genommen in Zirl, und das ist ja nicht weit entfernt von Innsbruck. Deshalb ist bei mir das Heimweh nie so groß. Ich bin ja generell einer, der gern nach Osttirol fährt. Innsbruck ist auch ziemlich unkompliziert zum Heimfahren. Verglichen mit Graz oder vor allem Wien ist man da schnell wieder zu Hause.

Was gefällt dir an der Stadt an sich?
Mir gefällt Innsbruck sehr gut, weil es eine Stadt ist, die nicht zu groß, aber auch nicht zu klein ist. Es gibt viele Möglichkeiten, um sich zu beschäftigen, man kann sich einiges anschauen und man kann auch gut feiern gehen. Ich finde es ist einfach eine wunderschöne Stadt. Die Leute sind sehr nett und man versteht jeden. Ich kannte mich auch vor dem Studium schon gut aus, weil ich als Kind bereits oft in Innsbruck war. Deswegen ist mir die Stadt sehr vertraut.

Warum hast du dich für das Volksschullehrerstudium entschieden?
Bei mir war es immer schon so, dass ich einen sehr guten Draht zu Kindern hatte. Ich habe lange überlegt, welches Studium für mich das Richtige ist und ob ich wirklich mein ganzes Leben lang mit Kindern zusammenarbeiten will. Es war eine schwierige Entscheidung, aber ich habe mich jetzt für diese Ausbildung entschieden, denn es ist ja ein sehr schöner Beruf, weil einem die Kinder auch sehr viel zurückgeben.

Was gefällt dir am Studium selbst?
Dass alles gut strukturiert ist. Also wir bekommen einen fixen Stundenplan und nach dem müssen wir uns dann halt richten. Neben den Stunden in der PHT gibt es ja auch die Praxis, wo wir selbst unterrichten können. Das ist für mich immer das Highlight der Ausbildung, weil man sich dort wirklich schon in den Beruf einlebt und sich selbst anschauen kann, ob es das Richtige für einen ist. Man kann dort einfach am meisten an sich selbst arbeiten.

Also hast du schon ein derartiges Praktikum gemacht?
Ja, da habe ich schon einige gemacht. Bis jetzt mussten wir jedes Jahr selbst in der Schule unterrichten. Ich war bereits in jeder Altersstufe, also von der ersten bis zur vierten Klasse. Dort durfte ich mir dann die verschiedenen Unterrichtsstile der einzelnen Lehrer anschauen. Von denen kann ich mir jetzt einiges abschauen. Hoffe ich halt mal zumindest (lacht). Es unterrichtet wirklich jeder Lehrer unterschiedlich und das, was mir am besten gefällt hole ich mir dann. Es sind natürlich auch viele Kurse an der PHT selbst, wie etwa Entwicklungspsychologie. Die sind auch sehr interessant und wichtig, aber man freut sich halt doch immer wieder, wenn es Richtung Praxis geht.

Wo hast du deine Praktika gemacht?
Als erstes war ich in der Praxisvolksschule in Innsbruck, wo die Kinder am bravsten waren. Gleich danach bin ich nach Hall gekommen, da war es schon ein bisschen anders. Dort hat man dann den Unterschied zwischen einer Praxisvolksschule und einer normalen Volksschule bemerkt. Schließlich war ich noch in Mils, in einer Dorfschule, da waren die Kinder wieder um einiges braver. Dort hat mir das Unterrichten bis jetzt am besten gefallen.

Weißt du schon, was du nach dem Studium machst?
Nach dem Studium schaue ich erst einmal, ob ich überhaupt einen Platz bekomme als Volksschullehrer. Das hoffe ich aber schwer. Ich glaube es ist ja so, dass in dem Jahr, in dem ich meine Ausbildung fertig habe, eine riesige Pensionswelle sein soll, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Ich glaube aber nicht, dass ich sofort nach Osttirol zurückkehren will. Wenn es geht, würde ich gern in Nordtirol bleiben, wenn nicht sogar etwas weiter weg. Also mir ist es eigentlich egal wo, Hauptsache ich bekomme eine Stelle und dann schaue ich mal, wie es mir da gefällt.

Hast du einen starken Bezug zu deiner Heimat?
Ja. Ich war immer sehr gerne in Osttirol und bin es auch immer noch. Es ist ja wunderschön hier. Ich bin schon viel herumgekommen, aber ich kenne eigentlich nichts, das an Osttirol herankommt. Vielleicht deshalb, weil ich hier aufgewachsen bin, aber daheim ist es halt doch am schönsten.

An was denkst du, wenn du den Namen Osttirol hörst?
Daheim, einfach. Irgendwie kommt mir auch der Gedanke „abgegrenzt“. Das ist irgendwie ein komischer Gedanke, aber dadurch, dass wir ein bisschen abgegrenzt sind, haben wir so eine gute Lebensqualität.

Verbringst du noch viel Zeit zu Hause?
Ich verbringe sehr viel Zeit da. Ich bin den ganzen Sommer lang hier und wenn es geht auch an den Wochenenden. Ich bin ja hier bei der Musikkapelle Matrei, ich musiziere immer gern und hier in Osttirol gibt es eben viele Möglichkeiten dazu.

Hast du Heimweh?
Also wenn ich in Innsbruck bin, habe ich überhaupt kein Heimweh. Es ist nur einfach schön, wenn ich wieder hierher komme und wenn ich die Zeit dafür habe, wieder nach Osttirol zu fahren. Aber wenn ich in Innsbruck bin, denke ich mir nie: „Jetzt wärs fein in Osttirol!“ Ich fühle mich in Innsbruck mittlerweile sehr wohl.

Kannst du dir vorstellen irgendwann wieder nach Osttirol zurückzukehren?
Auf alle Fälle. Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber vorher möchte ich nochmal etwas anderes sehen. Irgendetwas anderes auf der Welt. Es gibt so viele Sachen, die man sich noch ansehen kann. Jetzt schaue ich einfach einmal, dass ich die Ausbildung in Innsbruck fertig mache und weiter denke ich eigentlich noch gar nicht.


In der Serie „Heimweh?“ porträtieren wir junge Menschen aus Osttirol, die außerhalb des Bezirkes studieren oder eine andere Ausbildung absolvieren.

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