Jürgen Nille macht seit 1977 im Winter wie im Sommer Urlaub in Osttirol. Foto: privat

Jürgen Nille macht seit 1977 im Winter wie im Sommer Urlaub in Osttirol. Foto: privat

„Das Zettersfeld war für uns das größte Skigebiet!“

Jürgen Nille macht seit 1977 Urlaub in Osttirol. Er schreibt in einem Leserbrief, warum.

Hallo Dolomitenstadt, ich verfolge jetzt schon lange die Diskussion über Urlaub in Osttirol. „Was will der deutsche Urlauber im Winter oder im Sommer.“ Hier ein paar Sätze, die meine Gedanken und Erlebnisse für den Winter widerspiegeln. Als ich als elfjähriger Junge mit meinen Eltern 1977 das erste Mal in Osttirol urlaubte, wusste ich noch nicht, dass ich über 40 Jahre später immer noch im Sommer und Winter – jetzt mit meiner eigenen Familie – die Ferien in Osttirol verbringen werde. Unser Quartier ist seit jeher im Oberland und meist die gleiche Destination.

Damals, in den Siebzigern, sind wir jeden Morgen nach Lienz gefahren, um mit einer Seilbahn in der ca. 35 Menschen Platz hatten (manchmal stand man da vor der Talstation und wartete lange bis man nach oben fahren durfte), auf das Zettersfeld zu gelangen. Für uns war das das größte Skigebiet und ein wahnsinniges Erlebnis! Alles Schlepplifte, aber man war damit zufrieden und hatte Spaß. Wir sind Schanzen gesprungen, ganz oben bei der Märchenwiese, durften in der Schoberköpfel-Hütte Suppe mit Würstl essen, alles war ganz einfach. Die Zeiten haben sich aber geändert, die Ansprüche werden größer.

Rückblende in die späten siebziger Jahre. Schanze frei für Jürgen Nille auf dem Zettersfeld!

Als dann in den achtziger Jahren der Thurntaler erschlossen wurde, war das für uns eine tolle Sache. Wir waren morgens schneller dran und hatten gleichzeitig ein moderneres Skigebiet. Seitdem waren wir nie wieder in Lienz Ski gefahren. Der Thurntaler wurde immer weiter ausgebaut und hat alles, was ein Skigebiet für Familien braucht. Es gab auch sehr schneearme Winter, da konnte man nur mit den Helmbahnen und auf italienischem Kunstschnee fahren, das hat uns damals nicht so gefallen.

Jetzt wurden, wie alle wissen, die Helmbahnen ausgebaut, somit ist dort ein Skigebiet entstanden, das sich sehen lassen kann. Über Naturschutz und Umweltsünden lässt sich bekanntlich diskutieren, aber das lassen wir hier mal weg. Wir haben viele Freunde mit ins Pustertal gebracht, aber die meisten waren ein paarmal da, um dann wieder in anderen Gegenden Urlaub zu machen. Hier kommt die Erreichbarkeit aus Deutschland ins Spiel. Der gemeine Münchner Tagestourist fährt nicht so weit. Wir als Schwaben und alle weiteren Süd-Deutschen haben eine Anreise von mindestens fünf bis sechs Stunden, da höre ich immer:

“So weit fahren für ein paar Tage, das lohnt sich nicht“. Für uns hat sich das immer gelohnt, denn die Pisten sind meist frei, anstehen an Liften kennen wir nicht und es gibt gute und günstige Quartiere.

Weiter finde ich, dass die Skifahrer in meinem Umfeld weniger geworden sind. Selbst meine eigenen Kinder und ihre Lebensgefährten fahren nicht mehr Ski. Auch ich mache nicht mehr „Skiurlaub“, sondern wir nennen es jetzt „Winterurlaub“. Zum Skifahren sucht man da schon die schönsten Tage aus. Man kann so viele tolle Dinge tun, auch ohne Seilbahnen – aber die gehören einfach dazu.

Fazit daraus, nur ein sehr komplexes und vielfältiges Angebot – und dann soll es noch so naturnah wie möglich sein – kann heute noch herausragen. Alles ist in Osttirol vorhanden, man muss es nur richtig rüberbringen. Da sehe ich jetzt das größere Problem, die Menschen von Osttirol zu überzeugen. Warum nennen sich die Helmbahnen jetzt “Drei-Zinnen“, oder die Goldriedbahn im Zusammenschluß „Groß-Glockner-Resort“? Weil die Namen gut klingen und weil man diese Namen in der Welt kennt.

„Osttirol“ kennen viele nicht, wenn nicht sogar die meisten nicht. Das liegt schon an dem Namen. Wer in den Urlaub will, verbindet das lieber mit „Süden“ als mit dem „Osten“. Somit lässt sich die Marke Osttirol schon weitaus schwieriger vermarkten als Südtirol. Dann soll es auch noch perfekt und modern sein. Jetzt liegt es an den Strategen, da was draus zu machen.

Ich und meine Familie werden so lange es uns möglich ist wiederkommen und freuen uns jedes Mal, wenn wir bei Euch sein dürfen.

Mit lieben Grüßen nach Osttirol von der Ostalb

Jürgen

PS: Hier sieht man auch eine kleine Gemeinsamkeit. Ich lebe auf der Ostalb, ein kleines von der Politik vergessenes Randgebiet in Württemberg, wo man immer selber schauen muss, wo man bleibt. Das kann man 1:1 nach Osttirol transferieren.


Dieser Leserbrief ist Teil einer kurzen Serie zum Thema: Was wünscht sich eigentlich der deutsche Wintergast?

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11 Postings bisher
genaugenommen vor 9 Monaten

Sehr geehert Herr Nille! Danke für den Leserbrief! Eine Frage hätte ich zu ihren Leserbrief noch: Warum fahren Ihre Kinder und deren Partner nicht mehr Ski?

    nibo1966 vor 9 Monaten

    Hallo genaugenommen. Beide meine Töchter haben Lebenspartner, die noch nie auf Ski gestanden haben. Selbst ein Skikurs für einen meinerSchwiegersöhne war eine einmalige Sache. Und dann kostet das ganze noch Geld, (viel Geld) wenn man es selber bezahlen muss und der Papa nicht einspringt. Aber ich werde meinen Enkeln das ganze schmackhaft machen. Vielleicht wirds dann wieder was.

      genaugenommen vor 9 Monaten

      Dachte mir dass das Geld eine Rolle - grosse Rolle bei der Entscheidung spielt. Es ist mir auch voll verständliche das der junge „Otto-Normal-Verdiener“ sich das Schifahren nicht mehr leisten kann bzw. will.

nibo1966 vor 9 Monaten

hallo senf, die Aufträge für die Willkommen-Logos sind doch schon lange vergeben!

Ernstl vor 9 Monaten

Wichtiger Zwischenbeitrag. Klingende Namen sind wichtig. Offiziell gibt es auch gar kein Osttirol. Ich hoffe Dolomitenstadt startet bald die große neue "Wie soll deine Tourismusdestination in Zukunft heissen?" Namens-Umfrage! Vorschläge sind sicher reichlich vorhanden.

hoerzuOT vor 9 Monaten

Toller und wichtiger Beitrag---!

atomsix vor 9 Monaten

Die Marke Osttirol hat auch meiner Meinung nach ein Problem mit ihrem Bekanntheitsgrad. Lienz kennen die Menschen außerhalb Österreichs eher als Osttirol. Die negative Assoziation der Deutschen zum Wort Ost ist jedenfalls ein interessanter Ansatz für unsere Werbestrategen ...

    hoerzuOT vor 9 Monaten

    Völlig richtig. Ich arbeite viel in Deutschland und der Name OSTTirol bedarf einiger Erklärung.

      senf vor 9 Monaten

      herr nille, freu mich mit ihnen! hoerzuOT: wenn man durch den felbertauern vom pinzgau kommt, liest man in der tunnelmitte TIROL. der tunnel durchschneidet dort ja die landesgrenze tirol/salzburg. etwa 3 km weiter steht auf einer glassäule plötzlich OSTTIROL anstatt TIROL. am iselsberg, am stallersattel und in sillian gibt es marchsteine mit der inschrift TIROL. unweit davon auf den etwas verkommenen beton- und holzkonstrukten steht dann wieder OSTTIROL. wer den bezirk in nikolsdorf verlässt, wird vom land kärnten begrüsst. auf der gegenspur findet sich kein hinweis und auch keine begrüssung. schade dass dem gast an keiner grenzüberfahrt klar erkennbar wird, dass er sich in nun im weltbekannten TIROL befindet. mit dem anbringen des tirollogo könnten diese missstände endlich begraben werden. diese kleinigkeit hat man seit der fussionierung des tvb verschlafen. oder absichtlich vermieden. aus dummheit oder eitelkeit, wer weiss.

keinexperte vor 9 Monaten

Besser kann man es nicht sagen und leider muss man dem Verfasser dieser Zeilen widerspruchslos zustimmen.