Vorbereitung auf die Skisaison am Pitztaler Gletscher, September 2018. Blick auf den Hinteren Brunnenkogel (li.), an dem erst kürzlich unerlaubte Bautätigkeiten an einem Skiweg angezeigt wurden. Foto: ÖAV/Abteilung Raumplanung & Naturschutz

Vorbereitung auf die Skisaison am Pitztaler Gletscher, September 2018. Blick auf den Hinteren Brunnenkogel (li.), an dem erst kürzlich unerlaubte Bautätigkeiten an einem Skiweg angezeigt wurden. Foto: ÖAV/Abteilung Raumplanung & Naturschutz

Alpenvereine kritisieren Tiroler Seilbahnprogramm

Die derzeitige Regelung läuft am 31. Dezember 2018 aus. Auch Sillian-Sexten wird hinterfragt.

Die Alpenvereine aus Österreich und Deutschland haben das geplante Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm (TSSP) als einen „Angriff auf unerschlossene Naturräume“ verurteilt. Mit diesem öffne man Skigebiets-Neuerschließungen Tür und Tor, waren sich die Vertreter der Alpenvereine am Dienstag in Innsbruck einig. Das Seilbahnprogramm befindet sich derzeit in Begutachtung. „Die Seilbahner wollen immer noch mehr und haben damit auch offenbar Erfolg“, kritisierte Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins und sprach von „Neuerschließungen zu Lasten der Natur“. Die „Schubladen-Projekte“ im Regierungsabkommen, die bisher als Neuerschließung raumordnungsrechtlich abgelehnt worden wären, würden als Erweiterung umetikettiert: Etwa der Zusammenschluss Hochfügen-Tux mit Zubringer über Weerberg, Hochoetz-Kühtai oder auch Sexten-Sillian.

Andreas Ermacora, Präsident des Österreichischen Alpenvereins, warnt vor „Neuerschließungen zu Lasten der Natur“. Foto: OEAV/Freudenthaler

Ermacora fordert deshalb ein „Zurück an den Start“ und kündigte im Falle des Falles „Initiativen der alpinen Vereine“ an. Durch das Seilbahnprogramm werde sich der Verkehr intensivieren sowie der Ressourcenverbrauch durch noch größere Skigebiete steigen. Tirol müsse hingegen sein Heil im „sanften Tourismus“ suchen. „Die Tiroler Landesregierung soll den öffentlichen Verkehr ebenso fördern wie das Schneeschuhwandern oder Projekte wie die Bergsteigerdörfer“, sagte Ermacora.

Das möchte auch Rudolf Erlacher, Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins, forciert sehen: „Mit reiner Zahlendynamik kommen wir nicht mehr weiter.“ Stattdessen fordert Erlacher, dass die Landesregierung die „radikalen Maßnahmen, die der Weltklimarat derzeit insgesamt empfiehlt“, angehe und die „Radikalität nicht falsch auslege“. Diese Auslegung führe jedenfalls, so Liliane Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz im ÖAV, dazu, dass „Wunden in die Landschaft gerissen“ würden.

Das derzeitige Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm läuft am 31. Dezember 2018 aus. Die schwarz-grüne Koalition hat sich in ihrem Regierungsprogramm dazu bekannt, das TSSP weiterzuentwickeln. Die Tiroler Grünen zeigten sich erfreut über die „angestoßene öffentliche Diskussion“. Ein derartig wichtiges und weitreichendes Programm des Landes (hier der Link zum Download) gehöre breit und offen diskutiert, meinte Landessprecherin Barbara Schramm-Skoficz.

Sie hoffe, dass weitere Vereine, Organisationen, politische Verantwortungsträger und auch Privatpersonen dem Beispiel der Alpenvereine folgen werden. „Das Seilbahnprogramm ist richtungsweisend für ganz Tirol. Das ist anders als bei einem konkreten Projekt, wo lediglich direkt Betroffene Parteistellung haben. Hier kann und soll sich jeder kritisch und konstruktiv einbringen“, rief die Landessprecherin zu Stellungnahmen auf. Diese könnten einfach durch ein E-Mail an die schwarz-grüne Landesregierung eingebracht werden.

„Realitätsbezug und zurück zur Wahrheit,“ ruft Franz Hörl, Seilbahner und Wirtschaftsbundchef in Richtung Alpenverein. Foto: Wirtschaftsbund

Der Tiroler Wirtschaftsbundchef und Seilbahnen-Obmann Franz Hörl forderte von den Vereinen mehr „Realitätsbezug und zurück zur Wahrheit“ ein. Denn es sei ein Faktum, dass „genau unser TSSP Tirol vor Neuerschließungen bewahrt“, so Hörl. „Ohne TSSP sind auch neue Skigebiete theoretisch möglich, weil dann nur noch das Naturschutzgesetz gilt. Und da steht nirgends, dass Neuerschließungen nicht möglich sind“, meinte der ÖVP-Nationalrat. Eines könne er jedenfalls versichern: Die Seilbahnbranche und der Tourismus hätten schon längst die Zeichen der Zeit erkannt und würden massiv auf verantwortungsvolles Wirtschaften im Sinne der eigenen natürlichen Umgebung setzen.

Zugleich warf Hörl dem Alpenverein vor, „einmal mehr mit gespaltener Zunge zu sprechen und damit auch erneut an Glaubwürdigkeit einzubüßen“. „Man muss sich nur vor Augen führen, wie viele Alpenvereinshütten aktiv damit Werbung betreiben, an ein Skigebiet angeschlossen bzw. über Seilbahnen erreichbar zu sein“, erklärte der WB-Obmann und kritisierte, dass dem Alpenverein Stimmungsmache wichtiger sei, als eine sachliche Diskussion. Hörl verwies zudem darauf, dass im Rahmen des TSSP auch weiterhin minimal invasive Verbindungen und Zusammenschlüsse möglich sein sollen.

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4 Postings bisher
Europa

Lieber Alpenverein! Man kann geteilter Meinung sein das Seilbahn Projekte nicht überall nicht gebaut werden aber beim Schigebiet Sillian Sexten geht es wirklich ums Überleben der Region Osttirol wir müssen in den Tourismus Investieren Osttirol hat leider sehr viel verschlafen Wie müssen schauen das wir nicht unsere Bewohner nicht verlieren von nichts kommt nichts wir müssen auch Wirtschaftlich denken nicht jedes Projekt ist schlecht das muss auch der Alpenverein bedenken.

Leonhard

Tirol müsse sein Heil hingegen im sanften Tourismus suchen. Schneeschuhwandern, Bergsteigerdörfer. Da kann ich nur lachen. Wie weltfremd ist denn dieser Alpenverein? Wo wäre Tirol, wenn es nur auf sanften Tourismus, Schneeschuhwandern, Bergsteigerdörfer gesetzt hätte? Nirgends. Wirtschaftlich am Sand und keiner will hier bleiben. Genau das haben Organisationen wie der Alpenverein nämlich mit Osttirol vor.

    senf

    AV-Sektionsnachrichten: aus der Chronik: 1896/97. Die Sektion Rauris des D und ÖAV wird gegründet. 1. Vorsitzender wird Wilhelm Ritter von Arlt. Als eine der Aufgaben des Alpenvereins wird die Förderung des Skilaufes genannt.

    wie sich doch die zeiten ändern. auch der alpenverein unterliegt den ständigen wertewandel. den kalsern zum beispiel wurde das "prädikat" bergsteigerdorf aberkannt, weil sie ein hotel und einen lift bauen liesen. statt dem glocknerdorf, das alpingeschichte geschrieben hat, wurde nun innervillgraten zum bergsteigerdorf gekürt. auch der mayrhofner weiler ginzling im zillertal nennt sich bergsteigerdorf. er ist ja umgeben von erschließungen, stauuseen und massentourismus.

    wie alles im leben ist ansichtssache, man muss ja nicht gleicher meinung sein. hauptsache man drommelt und wird gehört.

    ich glaube dennoch, dass der plafond im wintersport erreicht ist, was jetzt passiert ist reiner verdrängungswettbewerb, den sich die alpenländer im wintersport leisten. leider!

Kilian1990

Der Alpenverein will keine Seilbahnen, keine Pisten, keine Wasserkraftwerke. Der Alpenverein will Natura 2000, Naturschutzgebiete, Nationalpark, sanften Tourismus. Im Grunde arbeitet der Alpenverein gegen die Wirtschaft und gegen den Menschen. Die aktuelle Diskussion um das Tiroler Skigebiets- und Seilbahnprogramm zeigt das wieder einmal ganz deutlich. Der Alpenverein ist eingeladen, mitzudiskutieren, er sagt aber einfach zu allem NEIN. "Zurück an den Start" sagt der Präsident. Immer dasselbe Lied. Hier wird viel Geld in Studien, Personal etc. gesteckt, um möglichst alle Interessen untern einen Hut zu bringen, und am Ende ist wieder alles für die Fisch. Ich bin auch Alpenverein-Mitglied, weil ich gerne Bergsteigen gehe und für Hütten- und Wegeerhaltung meinen kleinen Beitrag leisten will. Was der Alpenverein aber gesellschaftspolitisch und wirtschaftlich aufführt, ist äußerst destruktiv.