Osttirol: Ursachenforschung nach tödlichem Lawinenunfall

Altschnee bildete den gefährlichen Untergrund für ein großes Schneebrett im Laserzgebiet.

Es ist eine besondere Tragik, dass der tödliche Lawinenunfall vom 19. Jänner, bei dem ein 67-jähriger Osttiroler Bergsportler ums Leben kam, nicht auf große Schneemassen, wie sie in Nordtirol gefallen sind, zurückzuführen ist, sondern auf ein Altschneeproblem, das durch die geringen Niederschlagsmengen im Süden verursacht wurde. Das erklärt ein Blogeintrag auf der Website des Lawinenwarndienstes.

Demnach bildeten sich in der langen, niederschlagsarmen Phase in den südlichen Bergregionen sogenannte Schmelzkrusten auf der Schneedecke. Sie entstehen durch Wärmeeinstrahlung, aber auch gefrierenden Regen, und überdecken eine darunterliegende Schicht von sehr kristallinem, lockerem Schwimmschnee. Während der Schneefälle der letzten Woche bildete sich über der Kruste – häufig unter Windeinfluss – das für Schneebrettlawinen notwendige „Brett“. Wird diese Schicht gestört, begünstigt die darunterliegende Kruste eine großflächige Bruchfortpflanzung. Im Klartext: dann reißt ein großes Schneebrett ab.

Ein Alpinpolizist untersucht unterhalb des Laserztörls im extrem steilen Gelände den fatalen Lawinenabbruch. Man erkennt gut den mächtigen Anriss. Foto: Lawinenwarndienst/Land Tirol

Das bestätigen auch Experten des Lawinenwarndienstes, die am 20. Jänner, dem Tag nach dem Unglück, vor Ort Erhebungen durchführten, gemeinsam mit der Alpinpolizei und unterstützt von einem Hubschrauber des Landes. Das Ergebnis im Wortlaut: „Der Hang ist zwischen Nordost und Südost ausgerichtet und meist zwischen 35 und 40 Grad steil. Die Anrissmächtigkeit variiert zwischen etwa 30 cm und lokal (kammnah) bis etwa 100 cm. Die Lawinenlänge wird auf knapp 300 Meter geschätzt.“

Als die Lawine abbrach, waren zwei Tourengeher gerade im Aufstieg im etwas über 35 Grad steilen Gelände. Einer der beiden wurde mitgerissen und verstarb an den Folgen des Lawinenunfalls. Der zweite Alpinist fand hinter einem großen Stein etwas Schutz und blieb unverletzt.

Hier die Visualisierung der Lawine aus der Vogelperspektive. Die beiden Tourengeher befanden sich im Aufstieg im rechten Teil der Lawine. Eine Schmelzkruste mit darunter befindlicher kantiger Schwachschicht führte zu großer Bruchfortpflanzung. Foto: Lawinenwarndienst/Land Tirol
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