Jean Paul Ouedraogo kehrt nach Burkina Faso zurück

Der Pfarrer gibt die Leitung des Seelsorgeraums Inzing-Hatting-Polling auf.

Am 10. Februar wird Pfarrer Jean-Paul Ouedraogo seinen seelsorglichen Dienst in der Leitung des Seelsorgeraums und der Pfarren Inzing-Hatting-Polling beenden. Wie Bekannte des ehemaligen Pfarrers von St. Andrä in Lienz berichten, fühlte sich der afrikanische Kirchenmann im neuen Nordtiroler Seelsorgeraum Inzing-Hatting-Polling nicht wohl und bekam auch gesundheitliche Probleme. Er wird deshalb in Kürze in seine Heimatdiözese Kaya in Burkina Faso zurückkehren. Bei einem Gottesdienst mit Dekan Peter Scheiring am 9. Februar wird Pfarrer Ouedraogo feierlich verabschiedet und bedankt, teilt die Diözese mit.

Generalvikar Florian Huber erklärt in einem Schreiben an die Pfarrgemeinden, man habe diese Entscheidung einvernehmlich mit dem Seelsorger getroffen. „Ich wünsche ihm sehr, dass er wieder zu innerer Stabilität und Gesundung findet,“ so der Generalvikar. Für die Zeit bis 31. August wird Dekan Peter Scheiring interimistisch die Leitung der Pfarren Inzing und Hatting sowie der Kaplanei Polling und des gesamten Seelsorgeraumes übernehmen.

Dem 67 Jahre alten Jean Paul Ouedraogo fiel der Abschied aus Lienz, wo er 13 Jahre lang wirkte, ziemlich schwer. „Die Franzosen sagen: Jeder Abschied ist ein bisschen wie sterben“, sagte der Pfarrer bei einem Interview mit der Tiroler Tageszeitung im August 2018 vor seinem Aufbruch aus Osttirol. „Ich bin jetzt 67 Jahre alt und habe nicht mehr so viel Kraft.“

Jean Paul Ouedraogo im August 2018 bei seinem Abschied aus Lienz, der dem aus Burkina Faso stammenden Pfarrer nicht leicht fiel. Jetzt kehrt der Gottesmann in seine afrikanische Heimat zurück. Foto: Brunner Images
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8 Postings bisher
Ceterum censeo

Ich finde es großartig, dass Herrn Pfarrer Jean Paul, vor seiner Rückkehr in die Heimat, ein würdiger Abschied aus der Diözese bereitet wird. Vielen wird erst jetzt klar, was er für die Christen in unserem Bezirk (vor Lienz ca. 3 Jahre in Prägraten) geleistet hat. Seine "afrikanisch" geprägte Lebenseinstellung war gewöhnungsbedürftig und neu, aber eine Bereicherung. Wir müssen dankbar sein, für seinen Einsatz für das Pfarrleben in Lienz/St. Andrä und im Seelsorgeraum Lienz/Nord. Ob es klug war, Pfarrer Jean-Paul in einem neuen Aufgabenbereich in Nordtirol einzusetzen, müssen die Entscheidungsträger in Innsbruck verantworten. Aus meiner Sicht keine gute Entscheidung! Ich frage mich, wie die Betreuung des Kirchenvolks infolge des Priestermangels künftig funktionieren wird. Es gibt zwar Ankündigungen betreffend Änderungen, denen keine Taten folgen. Die Belastung der Priester, denen die Betreuung mehrerer Pfarren obliegt, ist ist schon lange bedenklich, zumal die geistliche Herrn nicht mehr zu den "Jungen" gezählt werden können und in der Pension noch voll (!) weiterarbeiten müssen. Es ist höchst an der Zeit, neue Wege zu gehen: Etwa durch die Gewinnung von "viri probati" (auch verheirateten Männern) für den Kirchendienst, Aufwertung des Diakonats, sowie endlich die Aufhebung des Zölibats (nicht für Orden), für den sich der neue Lienzer Dekan Dr. Franz Troyer vor Kurzem in einem Radiointerview aussprach (wörtlich: wie in der Ostkirche), könnte Abhilfe geschaffen werden. Dass in 20 Jahren Frauen in der katholischen Kirche Dienste am Altar (nicht nur "untere" Dienste) verrichten werden, ist - hoffentlich - keine Utopie. Es braucht halt alles seine Zeit. Der Druck für Neuerungen muss von "unten" kommen. Ich bin für ein Kirchenvolksbegehren zur Abschaffung des Zölibats. Das wäre mir sehr wichtig, Hw. Herr Bischof Hermann. Noch wichtiger, als Ihr gelungener Auftritt in einem Theaterstück!

benda

Für mich der der "COOLSTE" und "NETTESTE" Pfarrer den ich kenne, sehr schade, dass er nicht mehr in Lienz ist. Ich wünsche Ihm alles Gute in seiner Heimat.

amadeus

Eines sei einmal festgehalten, Pfarrer Jean Paul war gerne in Lienz, er hat sich in seiner Pfarre auch wohl gefühlt, hat sich bei den „Jaschdorfern“ gut eingelebt. Es war für ihn anfangs sicherlich schwer, damals in seiner neuen Pfarrei hier Fuß zu fassen. Das gelang ihm sehr wohl, was man von Leuten hört. Mag sein, dass es auch gegenteilige Stimmen gibt, das erlebt man immer und überall. Stets wird von der „Barmherzigkeit“ gesprochen. Nun muss man sich wohl fragen, wo ist hier Barmherzigkeit, wenn man jemanden einfach irgendwo hin verfrachtet, weil man für jemand anderen einen Platz gebraucht hat. Dass sich ein Mensch in diesem Alter, wie im Falle des Pfarrers Jean Paul, in einer so entlegenen Gegend noch wohlfühlen soll, darf wohl niemand erwarten. Von den zusätzlichen Problemen ganz zu schweigen. Leider, schade, irgendwie rücksichtslos, aber Jean Paul hat sich in diesem Falle für das Richtige entschieden - ab in die Heimat - soll sich denken, hinter mir die Sintfl..... Und übrigens, dem Halleluja-Paul gings ja auch nicht anders. Das hat man in der Presse ja auch wunderbar umschrieben - aber wir haben ja derart genügend Priester im Bezirk. Bei Dekan Kranebitter ist die Situation insofern anders, er hat sich um den Wechsel in seine Heimat bemüht. Letztlich noch eine Klarstellung, diese Argumentation betr. Pfarrer Jean Paul soll keinesfalls gegen Dekan Dr. Trojer gerichtet sein, man hätte für die Genannten sicher hier eine Stelle finden können!!

Lienz4ever

Ich vermisse ihn und seine unnachahmliche Art!

Sonnenstrahl

"Ich hab die Zeit - ihr habt die Uhr" - das ist der markanteste Spruch, den ich von Jean Paul in Erinnerung habe. Und eigentlich hat er recht ... wir leben viel zu sehr nach der Uhr, nach Terminen, Vorgaben, Planungen, nach von außen gesteuerten und organisierten Dingen ... in echt gehört ihm die Zeit, das/sein Leben vielleicht viel mehr als uns!? In diesem Sinne glaube ich, dass Jean Paul gut daran tut sich wieder dorthin zurück zu begeben, wo seine Zeit begann! Nur hier kann er wirklich ankommen, verstanden werden in seiner Sicht der Welt, sich einfinden in dem, was sein Verständnis von Leben und Gauben ist. Danke Jean Paul für deine Kraft, für dein langjähriges Bemühen dich in unserer (für dich wahrscheinlich sehr fremden) Welt zu engagieren! Möge all das, was du uns Wohlwollendes getan hast, dir zum Segen und zur Freude werden!

beobachter52

Ja, leider, so geht die Kirche mit ihren Mitarbeitern um! Unchristlich und unmenschlich! Oder kann sich jemand vorstellen, mit 67 Jahren aus seinem Umfeld gerissen und in völlig neuer Umgebung eine große, schwierige Aufgabe übernehmen zu müssen? Ganz auf sich allein gestellt, ohne familiären ... Rückhalt! Ach ja, das Zölibat! Bei etwas Hausverstand wäre in Osttirol sicherlich ein Platz gewesen, auf dem der Pfarrer glücklich und wertvoll gewesen wäre! Aber es gibt ja genügend katholische Priester ....

    Sonnenstrahl

    Sorry beobachter52, aber nach dem, was ich in dieser Sache erfahren habe, ist es eine ganz persönliche Entscheidung von Jean Paul, in seine Heimat zurück zu kehren. Er ist mit seinen 67 Jahren nach "läppischen" 13 Jahren nicht aus seinem "Umfeld gerissen", (denn 54 Jahre war er eh "Zuhause"???) ... vielmehr glaube ich, dass es (s)eine Sensucht ist, zu den Wurzeln zurück zu kehren... das darf auch ohne Vorwürfe und Bitterkeit an die katholische Kirche mit ihrem ach so furchtbarem Zölibat, für das auch er sich entschieden hat, geschehen. Und bitte mich nicht falsch verstehen... ich bin absolut keine Freundin des Zölibats, ich mag nur keine Schuldzuweisungen hinsichtlich irgendwelcher Organisationen oder Personen!

spitzeFeder

Jean Paul wäre so gerne in Lienz oder Osttirol geblieben. Leider hat das die Institution KIRCHE nicht erlaubt bzw. gewünscht. Sehr schade für die seelsorgerarme Kirche in Osttirol.