Köll fordert TVB-Beteiligung an drei Bergbahnen

So sollen trotz EU-Förderverbot 4,4 Millionen Euro zur Schultz-Gruppe fließen.

Zu den meistgelesenen Dolomitenstadt-Artikeln der letzten zwölf Monate zählt ein Bericht aus dem Dezember mit dem Titel „Köll will an die Macht und Schultz zum Geld“. Langzeitobmann Franz Theurl kreierte diesen Spruch im Vorwahlkampf um den Chefsessel des Verbandes und malte aus der Sicht seiner Mitbewerber damit den Teufel an die Wand. Zehn Monate später erweist sich die Vorhersage, wie TT-Chefreporter Peter Nindler heute in der Tiroler Tageszeitung enthüllt, als zumindest nicht ganz falsch.

Der Matreier Bürgermeister Andreas Köll, der auf der Liste von Liftkaiser Heinz Schultz in den Aufsichtsrat einzog, verlangt unter Berufung auf das Tourismusgesetz vom Aufsichtsratsvorsitzenden, Dolomitenbank-Vorstand Hansjörg Mattersberger, die Einberufung einer außerordentlichen Sitzung am 30. Oktober. Laut § 14 Absatz 2 des Gesetzes hat der Vorsitzende tatsächlich „dann unverzüglich zu einer Sitzung einzuberufen, wenn dies ein Drittel der Mitglieder oder der Obmann unter Angabe der zu behandelnden Angelegenheit verlangt.“ Köll selbst und mit ihm die Aufsichtsräte Heinz Schultz, Michael Wildauer, Elisabeth Kaplenig, Max Passler und Manfred Lobenwein unterzeichneten das Schreiben, dem auch eine Wunsch-Tagesordnung beiliegt.

Andreas Köll (rechts) fordert Millionen für die Schultz-Gruppe vom TVBO, Obmann Franz Theurl ist skeptisch. Foto: Expa/Gruber

Der laut TT „auch wirtschaftlich mit der Schultz-Gruppe eng verflochtene Matreier Bürgermeister“ – Anmerkung: Andreas Köll ist Geschäftsführer und Miteigentümer der Matreier Bergbahnen – und der Seilbahnunternehmer Heinz Schultz verlangen, dass sich der TVB Osttirol als stiller Teilhaber an der Kalser Bergbahn, der Matreier Goldried Bergbahn und der Bergbahn in St. Jakob beteiligt. Diese „atypische stille Beteiligung“ würde in Kals 1.350.000 Euro, in Matrei 1.080.000 Euro und in St. Jakob 1.950.000 Euro kosten, in Summe also rund 4,4 Millionen Euro, die über zwei neue Darlehen des TVBO finanziert werden sollten. So wünscht sich das jedenfalls der Matreier Bürgermeister.

Köll und Schultz rechnen in Ihrem Schreiben an den Aufsichtsratsvorsitzenden vor, dass diese stille Beteiligung in ihrer Höhe etwa 15 Prozent jener 29 Millionen Euro ausmacht, die die Schultz-Gruppe in den nächsten Jahren in die genannten drei Skigebiete investieren will. Falls sich mancher Leser fragt, warum dann nicht einfach gleich direkt Geld an die Unternehmen überwiesen wird: das EU-Recht verbietet öffentliche Direktförderungen an Unternehmen, weshalb auch die Tourismusabteilung des Landes Tirol solchen Zahlungen die Genehmigung versagt.

Köll und Schultz wissen das und weisen in ihrem Vorstoß deshalb auf eine Rechtsmeinung hin, wonach „sich der TVB unter den Bedingungen eines marktwirtschaftlich handelnden Wirtschaftsbeteiligten an den Unternehmen beteiligen“ dürfe. Allerdings stellt sich die Frage, ob die stille Beteiligung tatsächlich diese Intention hat. Bestes Beispiel für das Gegenteil ist das nachträglich heiß diskutierte Engagement der Osttirol Investment GmbH bei den Kalser Bergbahnen von Heinz Schultz. Die OIG bezahlte 2008 für eine 25-Prozent-Beteiligung sechs Millionen Euro. Elf Jahre später will die Schultz-Gruppe die Anteile praktisch gratis übernehmen. Geld hat kein Mascherl, aus der Beteiligung würde so ein Geschenk bzw. eine Förderung.

TVBO-Obmann Franz Theurl hält aus mehreren Gründen wenig vom Vorstoß Kölls. „Stille Beteiligungen sind im EU-Beihilfenrecht ebenfalls ausgeschlossen. Dieser Weg ist versperrt. Was aber noch viel schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass neue Darlehen in der Höhe von 4,4 Millionen Euro den TVBO auf zehn Jahre finanziell handlungsunfähig machen würden. Die erst vor wenigen Tagen im Landtag beschlossene Novelle des Tourismusgesetzes hat nämlich – was wenig beachtet wurde – auch die Rahmenbedingungen für Darlehensaufnahmen massiv verschärft. Wenn wir dem Köll-Vorschlag folgen, ist der Kreditplafond erreicht. Für Projekte in Lienz, Obertilliach aber auch für die Skischaukel in Sillian gibt es dann für lange Zeit keinen Spielraum mehr.“

Theurl hinterfragt grundsätzlich, ob die Unterschriften von Köll und Schultz unter dem Antrag einer Prüfung standhalten. Beide – auch Köll durch seine Bergbahnbeteiligung – seien direkte Nutznießer, es könne also auch Befangenheit ein Thema sein. In jedem Fall müsste selbst bei einer Behandlung der Wünsche im TVBO-Aufsichtsrat die Vollversammlung den Millionendeal abnicken und das letzte Wort hätte die Tourismusabteilung des Landes als Aufsichtsbehörde. So gesehen ist das Spiel erst eröffnet.

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17 Postings bisher
dagoala

In welcher welt ist es fair aus einem Topf des TVB einem privaten Unternehmer Millionen in den Rachen zu werfen?

Was geht in den Köpfen vieler Leute die hier kommentieren vor? Was macht denn ein Heinz Schultz aus Nächstenliebe? Wenn man sich hier die Kommentare durchliest muss man fast meinen der Herr Schulz investiert nur uns zu liebe!

Beteiligung ja, dann aber eine richtige mit Gewinnbeteiligung und Mitspracherecht!!!

Nachdenker

Vielleicht wäre es gescheiter, in Lienz die maroden Bergbahnen zu renovieren, als neue Aufstiegshilfen zu finanzieren? Weil sonst ist in Lienz der Wintertourismus in ein paar Jahren zappenduster. Und dann ist die Stadt im Winter noch stiller wie jetzt.

senf

unabhängig von der rechtlichen situation wär es schon fair, aus dem TVB-topf der schulzgruppe für die vorgesehenen projekte einen beitrag zu gewähren, der sich nach dem prozentsatz der jährlichen zuschüsse des TVB für die LBB richtet. man würde dann von gleichheitsgrundsatz reden. nicht ok finde ich die einmischung des matreier bürgermeisters, der ja nicht betreiber der aufstiegshilfen ist, sondern sich mit seinem vorstoß wieder ein denkmal setzen will. er tritt ja auch nicht beim AMS als fürsprecher und antragsteller für arbeitslos gewordene menschen auf. zumindest kenn ich bis dato keinen fall. also was soll die gschaftlhuber- ups -köllerei?

Huettenwirt

Wofür das ganze Theater ? Die Tourismusabteilung des Landes Tirol lehnt diesen Antrag doch sowieso zu 100% ab. Die Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung könnte man sich sparen. Das nicht alles rund läuft im Osttiroler Tourismus ist nicht zu leugnen. Und es liegt in erster Linie an den Machtkämpfen gewisser Herren.

heli52

Es kann schon sein, dass Gäste AUCH zum Genusswandern, wegen der heimischen Produkte und dem Nationalpark nach Osttirol kommen, aber eine gewisse Infrastruktur an Aufstiegshilfen und Beherbergungsbetrieben (und diese jeweils auf neuen Stand gebracht) braucht es halt auch! Wie kann mir jemand sonst den touristischen Aufschwung in Kals durch die Schischaukel und den Ausbau der Hotels (Gradonna, Tauerer etc.) erklären?

Anna Maria Kerber

Ein roter Faden hat sich durch die Veranstaltung: Nationalpark-Tourismus-Forum vom 24. 10 in Nussdorf-Debant gezogen. Der Hauptgrund für Urlauber, sich für Osttirol zu entscheiden, ist ganz eindeutig die Natur und deren Ursprünglichkeit. Dazu passt der Trend zum Genusswandern und der vorgestellte "Iseltrail" als Weitwanderweg hat gute Aussichten auf Erfolg. Besonders deutlich wurde auch, wie wichtig regionale Produkte sind, und dass es hier noch viele Entwicklungsmöglichkeiten gäbe. Alles Dinge, die sicher die finanzielle Förderung durch den Tourismusverband und Nationalpark brauchen. Hinzu kommen noch Mehrausgaben für "Wetter-Klimaschäden" (z. B. Wege, die zu richten sind) und sie so wichtige Pflege von Kulturflächen, die vermutlich zunehmen wird.

Von der Notwendigkeit weiterer Aufstiegshilfen war keinerlei Rede und die Aussagen von Alpenforscher W. Bätzing kamen mir wieder in den Sinn. Osttirol kann nie in Konkurrenz mit alpenweiten großen Skigebieten treten und vor Investitionen in dieser Richtung wären zusätzlich die schrumpfende Nachfrage und die steigenden Temperaturen zu bedenken.

    Kilian1990

    Genusswandern, Iseltrail und bittschön ja keine Lifte - selten so einen naiven, realitätsfremden und entwicklungsfeindlichen Kommentar gelesen. Träumen Sie einfach weiter mit Ihrer grünen Brille, Frau Kerber.

      Anna Maria Kerber

      Es geht hier nicht um "keine Lifte", sondern um den Ausbau (und das Riskio) für weitere - und der Forderung nach Millionen an Zuschüssen dafür. Wie das obige Beispiel der stillen Beteiligung der OIG in Kals mit einem Minus von 6 Mio Euro zeigte, wäre es sehr "naiv", wenn sich die Öffentlichkeit nicht darüber Gedanken machen würde.

      Kilian1990

      Sie haben von wirtschaftlichen Dingen KEINE Ahnung. Welches Risiko meinen Sie denn beim Ausbau? Welches Minus meinen Sie denn bei der stillen Beteiligung? Um Lifte bauen zu können, braucht es nun einmal Geld, wie für alle anderen Infrastruktureinrichtungen im Tourismus auch. Woher soll denn dieses Ihrer Meinung nach kommen? Sollen Ihrer Meinung nach nur Iseltrails und Genusswandern öffentlich gefördert werden?

finstertoljogge

Man könnte meinen, dass der Verfasser dieses Artikels versucht, Stimmungsmache gegen die Beteiligung seitens des Tourismusverbandes dieser Projekte betreibt. Fakt ist, dass unser Bezirk zum großen Teil vom Tourismus lebt und Investitionen getätigt werden müssen, mit Unterstützung der öffentlichen Hand. Wo bleibt z. Bsp. eine kritische Betrachtung der Renovierung der Burg Heinfels, welche im Besitz der Fa. Loacker ist, in die über 6 Mio. Euro öffentlicher Mittel fließen??

    heli52

    Gratuliere zum Vergleich mit der Burg Heinfels! Aber da ist Bgm. Köll nicht beteiligt und daher ... Es ist wohl jedem aufgefallen, dass dolomitenstadt.at (vorsichtig ausgedrückt) nicht Köll-freundlich ist! Und dann wird halt noch die TT zitiert, von der man das gleiche behaupten kann! Wenn man nämlich die TT verfolgt, könnte man leicht glauben, dass Matrei die einzige Gemeinde Tirols mit Schulden ist.

      wolf_c

      ... die Gratulation kann nur sarkastisch gemeint sein ... für Lifte und Parkplätze ist genug Geld und Politik da, nebenbei lassen sie aber die echten Kulturdenkmäler verfallen und geben sie dem Abriß preis ... lustigerweise reden dann die gleichen beherzt von Traditionen und Kultur und Brauchtum und Bewußtsein, in Wirklichkeit sind sie in der Tümelei gefangen und abhängig ...

      senf

      @heli52: du hast recht, köll lässt die finger von der burg heinfels, er konzentriert sich lieber auf sein schloss weissenstein und wie man gerüchteweise hört, wird er dieses zu seinem alterswohnsitz machen, denn für den kanalanschluss hat er dort ja bereits gesorgt. immerhin.

      @wolf, man kann ja auch ein zeitlich bedingtes erscheinungsbild einfrieren, die menschen aussiedeln und die gegend den wölfen überlassen. sarkasmus pur?

    miraculix

    In welcher Welt leben Sie eigentlich, dass Sie ein Kulturdenkmal wie die Burg Heinfels mit irgendeinem Schilift vergleichen?

steuerzahler

Es ist ja nur ein Vorschlag. Als solcher kann er auch abgelehnt werden. Kaum sind die Wahlen vorbei, geht es schon wieder los...

Oschpila

Schultz fordert für seine Projekte 15% Fördermittel vom TVBO und es wird ein riesen Trara gemacht, in Obertilliach waren es über 20% da hat man nicht viel gehört, ein schöner Nebeneffekt war das Wohlwollen des Tillga Bürgermeisters, wie man gesehen hat, eine gute Investition in die zukünftigen TVBO Wahlen!!!! Ich werde den Verdacht nicht los, dass Theurl die TVB Millionen in wenigen Jahren für die Zettersfeld Zubringer Bahn braucht, wenn er das nicht schafft ist ein Investor sicher, nur welcher????? Und Theurl hat dann ein Spielzeug weniger!

42na95

Schon kurz vor Halloween sind die Vampire unterwegs ...