Seit Mittwochmittag werden an der Grenze in Sillian Grenzkontrollen durchgeführt. Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Seit Mittwochmittag werden an der Grenze in Sillian Grenzkontrollen durchgeführt. Fotos: Dolomitenstadt/Wagner

Coronavirus: Was tut sich an der Grenze in Sillian?

Kontrollen, Fiebermessen und Probleme für die Wirtschaft. Lokalaugenschein im Grenzgebiet.

Es ist Mittwoch, der 11. März. In den Mittagsstunden fahren in Sillian/Arnbach an der Grenze zu Italien mehrere Fahrzeuge von Osttiroler Blaulichtorganisationen vor. Feuerwehrleute beginnen gemeinsam mit Polizisten, ein weißes Zelt aufzubauen. Straßenbarrieren werden aufgestellt, ein Beamter postiert sich mit einem Sanitäter in der Straßenmitte.

Wenige Augenblicke später wird wegen des Coronavirus mit den von der Regierung angekündigten Grenzkontrollen begonnen. Der Verkehr hält sich in Grenzen. Nach Italien fahren fast keine Fahrzeuge, in die Gegenrichtung sind etwas mehr Menschen unterwegs. Ein Polizist erklärt nach einigen Kontrollen, dass viele Saisonarbeiter, die von den Hotelschließungen in Italien betroffen sind, über die Grenze kommen. Auch zwei Wägen der italienischen Carabinieri rollen an und brausen nach kurzen Beobachtungen wieder davon.

Die Carabinieri kommen und gehen.

Den Polizeieinsatz vor Ort koordiniert Bernhard Kollreider. Der Beamte erklärt im Interview mit Dolomitenstadt den Ablauf der Kontrollen:

Bernhard Kollreider koordiniert den Polizeieinsatz vor Ort.

Mittlerweile passieren viele Sattelschlepper die Grenze nach Österreich. Der Güterverkehr wird – genauso wie der Berufsverkehr – vorerst nicht eingeschränkt. Ein älterer Autofahrer aus Italien wird zur Kontrolle gebeten. Das scheint ihm nicht viel Sorgen zu bereiten, er sagt, er sei darauf vorbereitet. Von den Beamten will er lediglich wissen, wo er eine Vignette kaufen kann.

Andere Autofahrer wirken durch die Kontrollen verunsichert. Manche gehen zunächst zu Fuß von der italienischen Grenze zu den österreichischen Beamten, um sich zu erkundigen, ob und wie sie einreisen dürfen. Ein Mann aus Südtirol parkt seinen Wagen kurzerhand auf einem Schotterplatz vor den Polizisten und marschiert flott zu Fuß vorbei, um bei einer Firma an der Grenze ein Paket abzuholen.

Auf italienischer Seite ist es ruhig, von Beamten fehlt jede Spur.

In der Zwischenzeit schauen die Beamten aus Italien wieder vorbei. Auf italienischer Seite wird an diesem Grenzübergang nach wie vor nicht kontrolliert. Die Zahl der Autos, die Richtung Osttirol rollen, ist inzwischen gestiegen. Von Andrang kann aber keine Rede sein.

Video von der Grenze in Sillian/Arnbach:

Unterstützt wird das Team an der Grenze auch vom Osttiroler Arzt und Virologe Gernot Walder. Uns erklärt er unter anderem, wie die Untersuchungen ablaufen und wie bei Verdachtsfällen reagiert wird:

Gernot Walder nimmt vor Ort Abstriche bei Verdachtsfällen.

Einige Dinge sind derzeit noch unklar, so weiß aktuell niemand, ob an der Grenze in Sillian auch nachts kontrolliert wird. Entsprechende Anweisungen gebe es noch keine. „Unsere Erhebungen haben aber gezeigt, dass Kontrollen in der Nacht Ressourcenverschwendung wären. Da ist einfach zu wenig los. Unsere Aufgabe hier ist es nicht, alles abzuwehren, sondern in erster Linie zu überprüfen, ob und wieviele Infizierte hier ankommen“, so Walder.

An der Grenze in Sillian wird ab sofort Fieber gemessen.

Auch wenige Kilometer von der Grenze entfernt, in Heinfels, ist es an diesem Tag ruhig. Auf den Straßen sind wenig Autos und im Ort kaum Menschen unterwegs. Einzig der Parkplatz des Skizentrums Hochpustertal ist recht voll. Zu Stornierungen aufgrund des Coronavirus erhalten wir gegenüber im Sporthotel Sillian keine Auskunft.

Im Café des Waffelherstellers Loacker geht es ruhiger zu als zuletzt. Die Angestellten sehen die Situation aber entspannt.

Wir bleiben in Heinfels. Im Café des Waffelherstellers Loacker ist man gesprächiger. Eine Kellnerin erklärt, dass man hauptsächlich im Shop weniger Andrang verspüre. „Im Café tut sich noch was, es kommen viele Einheimische“, sagt sie. Da man im Jänner und Feber starke Umsätze erzielen konnte, sehe man die aktuelle Situation relativ entspannt.

Direkt gegenüber, bei der Firma Hotex, ist die Lage deutlich prekärer. Der Hotelwäscherei hat vor allem das vorgezogene Saisonende und die Hotelschließungen in Italien arg zugesetzt. Betriebsleiter Manuel Berretta ist Südtiroler und heute nicht in der Firma. Am Telefon packt er alarmierende Zahlen aus: „Wir haben rund 400 und damit 99 Prozent unserer Kunden in Südtirol. Aufgrund der Hotelschließungen können wir derzeit nur noch zehn davon beliefern.“

Von ihren 400 Kunden in Italien kann die Firma Hotex derzeit nur etwa zehn beliefern.

Im Werk in Heinfels, wo etwa 50 Personen beschäftigt sind, werde diese Woche noch normal gearbeitet. Wie es ab kommenden Montag weitergeht, wisse er selbst noch nicht: „Wir werden uns natürlich auch mit dem Thema Kurzarbeit beschäftigen müssen.“

Wie ihm bereits mehrere Hoteliers aus Südtirol mitgeteilt haben, würde diese planen, bereits gegen Ostern wieder aufzusperren. Tritt dieser Fall ein, werde man bei Hotex ab diesem Zeitpunkt wieder den normalen Betrieb aufnehmen können. Trotz der negativen wirtschaftlichen Auswirkungen begrüßt Berretta aber die Maßnahmen: „Das muss nun einmal sein und es ist sicher nicht falsch so.“

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spitzeFeder

Dr. Walder im Radio: " ... das Virus ein bisschen zirkulieren lassen ..."

Der Rest der Welt bemüht sich ums genaue Gegenteil. Ich muss gestehen, dass ich nun leicht verwirrt bin.