Coronavirus: Heiligenblut unter Quarantäne

In ganz Österreich sind mittlerweile mehr als 600 Menschen positiv getestet. Update!

Die Kärntner Gemeinde Heiligenblut steht wegen der Corona-Epidemie bis 29. März unter Quarantäne. Das teilte die Bezirkshauptmannschaft Spittal an der Drau am Samstag mit. Ausländische Gäste dürfen aus dem Skigebiet abreisen, für Österreicher ist die An- und Abfahrt gesperrt. In ganz Österreich sind mittlerweile mehr als 600 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden.

Laut Gesundheitsministerium wurden bisher rund 7.500 Personen auf eine Infektion untersucht. Ein Patient ist bisher in Wien verstorben, sechs sind wieder genesen, zwei davon in Tirol, drei in Wien und einer in Niederösterreich. Die meisten Fälle gibt es mit mehr als 200 in Tirol.

Völlig überrascht von den Quarantäne-Maßnahmen in Heiligenblut zeigte sich Bürgermeister Josef Schachner: Es habe „keine Kommunikation“ gegeben, er habe selbst erst am Samstag von den Maßnahmen erfahren. „Ich hoffe nicht, dass das Willkür ist“, meinte er gegenüber der APA. In der Gemeinde wurden zwei Personen positiv auf das Virus getestet, denen gehe es aber gut, so der Bürgermeister.

Auch für den Bürgermeister kam die Abriegelung der Gemeinde Heiligenblut überraschend. Foto: Expa/Groder

Schacher betonte, er habe erst gegen 7.00 Uhr früh durch einen Anruf von der Polizei gehört, dass die Gemeinde abgesperrt wurde. Den genauen Grund kannte er zunächst selbst nicht: „Wir haben zwei positive Fälle gehabt, aber die hatten nur ganz leichte Symptome und sind in häuslicher Pflege“, schilderte er. Grundsätzlich sei er mit den Maßnahmen aber einverstanden, denn „Sicherheit geht vor, aber die Kommunikation könnte besser sein“, sagte Schachner.

Die Ausreise für ausländische Gäste ist laut Verordnung „nur mehr kontrolliert und nur mehr unter bestimmten Voraussetzungen möglich“. Abreisende Gäste müssen außerdem ein Formular mit sämtlichen Kontaktdaten ausfüllen.

Aus den isolierten Tiroler Orten im Paznauntal sowie St. Anton am Arlberg sind inzwischen die meisten der ausländischen Gäste bereits abgereist. Jene Touristen, die am Samstag mit dem Flugzeug abreisen, werden gesammelt mit zwei Reisebussen im Laufe des Tages zum Flughafen Innsbruck transportiert, hieß es von der Polizei.

Die Landessanitätsdirektion Kärnten richtete am Samstag eine Hotline für die Bevölkerung in Heiligenblut und Gäste, die innerhalb der letzten 14 Tage in der Gemeinde waren, ein. Aufgrund einer Verordnung der Bezirkshauptmannschaft steht der Ort seit in der Früh unter Quarantäne. Die Hotline steht von 15.00 bis 17.00 Uhr unter der Telefonnummer 050 536 15091 und 15102 zur Verfügung.

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) betonte in einer Aussendung, dass die aktuellen Maßnahmen gesetzt worden seien, um die Bevölkerung vor der Ausbreitung des Coronavirus zu beschützen. „In Verantwortung für sich selbst, für die Mitbürger und vor allem gegenüber besonders gefährdeten Menschen bitte ich alle – Einheimische wie Gäste – den Anordnungen der Behörde und ihrer Vertreter unbedingt Folge zu leisten. Mein dringender Appell: nehmen Sie das sich ausbreitende Coronavirus keinesfalls auf die leichte Schulter. Begegnen wir dieser schwierigen Prüfung mit der notwendigen Ernsthaftigkeit.“

Bei der Verordnung handelt es sich auf „eine Verkehrsbeschränkung auf Zeit. Urlaubsgäste aus dem Ausland und aus anderen Österreichischen Bundesländern sollen so eine geordnete Heimreise antreten können und den Ort registriert verlassen, indem sie unterschreiben, dass sie sich in ihrem Heimatort bei der zuständigen Gesundheitsbehörde melden und eine 14-tägige Heimquarantäne antreten“, hieß es.

Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) appellierte ebenfalls an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren: „Vorsicht statt Panik. Bitte befolgen Sie die offiziellen Anweisungen, sowohl hinsichtlich der Hygienemaßnahmen als auch, was die Einschränkung Ihrer sozialen Kontakte betrifft. Das sind unsere effektivsten Instrumentarien, um der zügellosen Ausbreitung des Coronavirus die Stirn zu bieten.“


Dieser Artikel wurde am  14. März um 17.20 Uhr upgedated. 

Die Arbeit von
dolomitenstadt.at unterstützen

Liebe Leserinnen und Leser,

gerade in Krisenzeiten ist faktenorientierte und schnelle Information wichtig.
Wir arbeiten trotz Rückgang bei den Werbeeinnahmen mit großem Einsatz, um Sie bestmöglich – und kostenlos! – zu informieren.

Wenn Sie unsere journalistische Arbeit mit einem einmaligen Beitrag unterstützen möchten, haben Sie jetzt Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen!

Sie möchten dolomitenstadt.at unterstützen?

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

4 Postings bisher
atomsix

Appropos 14tägige Quarantäne - gerade auf kleine.at gelesen: ​Sechs Testungen in Heiligenblut negativ Die Verdachtsfälle, die heute in Heiligenblut aufgetreten sind, sind alle negativ.

Man muss sich tatsächlich fragen, ob hier tatsächlich eine solch drastische Reaktion seitens des Landes erforderlich ist. Einfach mal zum Nachdenken - und bitte wünscht mir nicht wieder den Tod, wie nach meinem letzten etwas kritischen Posting.

    thomas78

    Der Bundeskanzler hat heute im Interview gesagt, dass die Corona Krise einigen von uns den Tod bringen wird. Mir dreht es den Magen um. Furchtbar

      chiller336

      stimmt es ist eine schlimme aussage .... aber nicht weit weg von der wahrheit. eventuell wurde das so gesagt, damit den menschen der ernst der lage bewusster wird und der versuch des eindämmens durch quarantänen erfolgreicher ist. ich würd die sache mit heiligenblut positiv sehen: nämlich wenn drin keiner infiziert ist, dann kann auch keiner hineinkommen, der eventuell träger deses virus ist. insgesamt nutzts ja sowieso nix - heiligenblut ist zu und bleibt das auch bis 29. märz

Pepsi

Unverständlich für mich, dass selbst der Bürgermeister nicht früher informiert wurde ...