Ein „Drive-in“ für Coronatests in Lienz

Franz Krösslhuber organisiert das Einsatzteam. Details über den Testverlauf.

Es gibt mittlerweile tausende Corona-Informationsseiten und Tipps im Internet. Und doch: wenn man – beispielsweise in Lienz und Umgebung – in der Wohnung sitzt und plötzlich eines oder mehrere der vielfach beschriebenen Symptome verspürt, dann wäre doch gut zu wissen, wie es ganz konkret weitergeht, wenn der Fall der Fälle plötzlich eintreten sollte.

1) Online-Fragebogen und 1450

Franz Krösslhuber, bekannt als Kinderarzt, Notarzt und für sein Afrika-Engagement, koordiniert die Abwicklung der Tests im Bezirk Lienz und beschreibt uns den Ablauf.

Franz Krösslhuber koordiniert das Team, das die Corona-Abstriche in Osttirol macht. Alle Fotos: Ramona Waldner

Wenn Menschen Symptome haben, die zu einer Infektion passen – was man vorab mit dem Online-Fragebogen der Leitstelle klären kann –  „dann sollte man sich bei der bekannten Telefonnummer 1450 melden, auch wenn diese Nummer manchmal überlastet ist.“ Hier ist also Geduld gefragt, aber so sind eben die Zeiten.

2) „Erweiterter Verdachtsfall“

Im Gespräch mit dem Anrufer eruieren die Ansprechpartner der Leitstelle, ob jemand ein „erweiterter Verdachtsfall“ ist. Im Bezirk Osttirol gibt es derzeit 20 bis 30 „erweiterte Verdachtsfälle“ pro Tag. Die Kontaktdaten des Patienten oder der Patientin werden aufgenommen und an das Einsatzteam der jeweiligen Region übermittelt. Krösslhuber: „Ein Epidemiearzt vor Ort hat immer Dienst und nimmt Kontakt mit dem potenziellen Patienten auf. Es gibt noch einmal ein Gespräch und wenn sich die Indizien erhärten, wird der Patient zur Teststation bestellt.“

Es gibt auch Informationen, wie man sich weiter verhalten soll.

3) Die Teststation

Teststation? Das ist für viele neu, obwohl es diese Einrichtung im Bezirk schon seit einer knappen Woche gibt. Sie funktioniert wie ein Drive-in! Krösslhuber erklärt uns Sinn und Funktion. „Bei Patienten, die mobil sind, ist es einfacher, wenn sie zu uns kommen als wenn ein Rettungsteam mit Vollschutz in der Wohnsiedlung vorfährt. Wir haben deshalb auf einem Parkplatz in Lienz eine mobile Teststation eingerichtet.”

Zwei Stunden am Vormittag und drei Stunden am Nachmittag wird derzeit getestet. Der Probant ist angemeldet und fährt mit dem Auto vor. Scheibe runterkurbeln, Abstrich machen und dann noch einen Fragebogen ausfüllen – fertig. Man fährt wieder nach Hause und die Wartezeit beginnt. Aktuell werden laut Krösslhuber bereits rund 90 Prozent der Verdachtsfälle auf diese Art abgewickelt. Nur bei zwei, drei Fällen kommt ein Team ins Haus.

4) Das Speziallabor im Villgratental

Während man zu Hause auf den Anruf wartet, wird die Abstrich-Probe ins Labor von Gernot Walder geschickt. Der Villgrater Virologe und sein Team leisten dort derzeit Herausragendes. (Walder sucht übrigens Verstärkung, sprich eine medizinisch-technisch vorgebildete Arbeitskraft zum sofortigen Arbeitsantritt!) Zweimal täglich treffen alle gesammelten Proben im Labor ein. Nach einigen Stunden hat man Gewissheit. Negativ oder positiv?

5) Wenn positiv, dann …

… meldet sich der Amtsarzt bzw. die Amtsärztin. Corona ist natürlich meldepflichtig. Jetzt beginnt das sogenannte „Kontakttracking“, also die detektivische Suche nach all jenen Personen, die man zwischenzeitlich ebenfalls angesteckt haben könnte. Sie durchlaufen dann das selbe Prozedere. Positiv getestete Personen erhalten medizinische und wenn nötig auch psychologische Betreuung, die Behandlung wird mit dem Hausarzt abgestimmt.

Bislang (Stand 20. März) blieb allen in Osttirol positiv Getesteten ein Krankenhausaufenthalt erspart!

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14 Postings bisher
Suncity

Ein herzliches Dankeschön an alle Helfer, die in dieser Zeit an vorderster Front stehen.

iseline

Engagierte Ärzte und die dolomitenstadt-Presse, die sich vor Ort gut informiert, nachfragt und aktuelle Beiträge liefert. Danke!

opmizzi

👍Vielen Dank! 👍

Staudinger

Weil hier die Frage aufgekommen ist wegen dem Onlinefragebogen

https://corona.leitstelle.tirol/

Weiters gibt es dort auch alle Coronavirus Hotlines und auch weitere Internetseiten zum Thema Corona. Hoffe ich konnte helfen

na servas

Es ist in der dzt schwierigen Situation ein Glück für unseren Bezirk, daß es so engagierte Ärzte wie einen Dr. Franz Krösslhuber gibt, der mit seiner großen Erfahrung -als Kinderarzt, Notarzt und "Afrika-Arzt"- dieses Einsatzteam leitet und sich einbringt (obwohl er meines Wissens nach schon über 70 Jahre "jung" ist) - genauso wie einen Dr. Gernot Walder mit seinem Labor hier in Osttirol zu haben! In diesen Tagen gebührt allen medizinischen Fachleuten sowie Pflegekräften und allen Mitarbeitern der Hilfsorganisationen ein außerordentlich GROSSER DANK - alle die in dieser Situation mithelfen, diese außergewöhnliche Situation zu meistern, leisten großartige Hilfe im Dienste der Gemeinschaft! DANKE !!!

AchSo ist das

Im "kleinen" Osttirol können wir uns glücklich schätzen - mit Dr. Franz Krösselhuber und Dr. Gernot Walder in forderster Front - medizinisch bestens versorgt ist. Sie bringen beide viel Kompetenz und langjährige Erfahrung mit. Ein großes Dankeschön an die weiteren vielen Ärzte und das Pflegepersonal die momentan großartiges leisten!

Spanidiga

Danke....super Information....👍

kämpfer

Alle Achtung und ein herzliches Vergeltsgott dem Hr. Dr.Franz Krösslhuber, der von seinem Ruhestand zurückkehrt, und seinen Dienst erweist! Auch sonst allen, die in Sachen CORONA außerordentliches leisten, ein großes DANKE!!!

bergfex

Ich bedanke mich bei allen Stellen und den Mitarbeitern/innen in Osttirol für ihre vorbildliche Arbeit.

senf

danke für die super übersicht im fall der fälle, aber wie kommt man zum online-fragebogen der einsatzstelle, der im bericht oben erwähnt wird?

Bobby

In dieser Zeit dankt man allen möglichen Einsatzkräften , die tagtäglich an allen Fronten Höchstleistung bringen. Pure Anerkennung und Dankbarkeit an diese. Allein deren Einsatz spornt mich als Bürger an, meinen Einsatz "zuhause" mit den Regeln und Maßnahmen zu halten.

Weiters muss man auch dem Team von dolomitenstadt.at sein Lob aussprechen, die wirklich die Menschen in Osttirol sachlich und informativ mit Fakten aktuell halten. In solchen Situationen sieht man wie sich der Qualitätsjournalismus zu den SCHLAGZEILENmedien (tlw. kriegt man wertvolle Infos nur mit Bezahl-Abo , wie zb. Straßensperren bei Schneechaos) unterscheiden. Diese sind dann in Sachen von Professionalität nur maßlos überfordert.

spitzeFeder

Klingt verdammt gut!

Lob und Dank an alle involvierten - ihr leistet Großartiges! DANKE!

Gertrude

Danke an alle, die hier Hervorragendes leisten!