Was steht an der Spitze der Bedürfnispyramide?

Aufs Klo gehen? Nein, falsch geraten. Es ist die Selbstverwirklichung!

Selbstverwirklichung steht an der Spitze der Maslow’schen Bedürfnispyramide. In der untersten Etage wohnen Essen, Trinken, Schlafen und aufs Klo gehen. Ohne die Befriedigung dieser physiologischen Grundbedürfnisse ist Selbstverwirklichung nicht möglich. Was aber bedeutet Selbstverwirklichung? Um die Gedanken an Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Hamsterkaufen abzuwehren, befrage ich das Internet. Das mach ich immer, wenn ich für einen Begriff zweimal dasselbe Wort verwenden und damit eingestehen müsste, dass er mir kein Begriff ist.

Unserem Volksschullehrer gefiel es, den Wortschatz seiner Buben durch reihenweises Abfragen von Synonymen zu vergrößern: gehen, wandern, trotten, schreiten… spätestens in der zweiten Bank der Mittelreihe war das Vokabular erschöpft. Zu „aufs Klo gehen“ wäre uns deutlich mehr eingefallen, doch war die Prahlerei mit Wörtern hier aus zeitlichen Erwägungen nicht ratsam. Nach der restlosen Ausbeutung seines Thesaurus wäre niemand mehr imstande gewesen, aufs Klo zu „schreiten“.

Da bin ich also wieder beim Thema angelangt, zu dem mir wirklich nichts mehr einfällt. Ich gebe daher die Stellungnahme meines Sohnes zu meinem letzten Eintrag wieder:

Mit der Gefahr, die eigenen Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigen zu können, konfrontiert zu sein, ruft eine uralte, tief im Menschen verankerte, gar animalische Angst hervor, die es schafft, den über Jahrtausende zivilisierten  Homo sapiens auf eine Bewusstseinsebene herabzuholen, die nichts weiter als den Erhalt des eigenen Lebens zum Ziel hat – Überlebenstrieb. So etwas geschieht sonst nur angesichts ungeheurer Naturgewalten oder Kriege, also, wenn es um Leben und Tod geht. Doch auf die Allermeisten trifft das, selbst in dieser großen medizinischen, wie gesellschaftlichen Krise nicht zu.

Die Versorgung unserer Grundbedürfnisse ist nicht bedroht, man reagiert lediglich auf sein „Bauchgefühl“. Foto: Jasmin Sessler/Unsplash

Es gibt keine Legitimation für Handlungen die jeder Rationalität entbehren und keinerlei Logik folgen. Die Versorgung unserer Grundbedürfnisse ist nicht bedroht, man reagiert lediglich auf sein „Bauchgefühl“. Das ist bezeichnend für die Zeiten, in denen wir leben und genau dieses Phänomen machen sich radikale Gruppen zunutze. Während früher Menschen von tatsächlichem Leid und Elend zu irrationalen Handlungen getrieben wurden, vermag heute lediglich die Angst vor einem solchen Zustand dasselbe auszulösen.

Auf meiner Suche nach Selbstverwirklichung stoße ich auf Oscar Wilde: „Ziel des Lebens ist die Selbstentwicklung. Das eigene Wesen zur Entfaltung zu bringen, das ist unsere Bestimmung.“ Genauer formuliert es der Berufsverband der Österreichischen PsychologInnen in seinen Tipps für jeden, dem in Quarantänezeiten die Decke auf den Kopf zu fallen droht: „Besinnen Sie sich auf ihre Stärken, auf alles, was Sie an positiven Erfahrungen in Ihrem Leben gemacht haben, alle Probleme, die Sie schon überwunden und gelöst haben, alles, was an Fähigkeiten, Neigungen vorhanden ist.“

Vielleicht sollte ich meine Bedürfnispyramide einfach auf den Kopf stellen und von dort aus beurteilen, was ich wirklich brauche. Zeit habe ich genug.


Rudi Ingruber ist Kunsthistoriker, Leiter der Lienzer Kunstwerkstatt und freier Autor – auch für dolomitenstadt.at. Sein Corona-Tagebuch erscheint während der Zeit der „Corona-Krise“ in unregelmäßigen Abständen.

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12 Postings bisher
nikolaus

Sind wir froh, dass wir nicht in der Steiermark leben: Dort wurde einer Mutter nach der Kontrolle ihres Einkaufs ein Anzeige angedroht, weil sie für ihr Kind ein Schulheft gekauft hatte, also einen Gegenstand, der nicht unter "Dinge des täglichen Bedarfs" fällt! Der Frühling 2020 treibt schon seltene Blüten 🌺🌷🌸

Spanidiga

ando...Ich kenne diese Verordnung....wäre aber leichter zu akzeptieren..wenn nicht für unnotwendige Produktionen Arbeiter quer durch Osttirol fahren dürfen....aber einem ein gewohnter Einkauf in einer Nachbargemeinde verwehrt wird...natürlich unter Einhaltung aller Auflagen...(ein T&G oder Penny gibts halt nur in der Deband-umgekehrt einen M-Preis nicht)

    bergfex

    @Spandiga.......(ein T&G oder Penny gibts halt nur in der Deband-umgekehrt einen M-Preis nicht)

    Vielleicht ist ihnen entgangen das T&G ein M-Preis für Großhandel ist, also T&G ist M-Preis.

    Genuatief

    Der Grund ist z.B., dass viele Leute auch zum Hofer fahren, weil dieser auch alles anbietet, was andere Geschäfte (Hervis, Obi usw.) auch verkaufen würden, aber geschlossen haben. Die Grundbedürfnisse (Essen) sollte abgedeckt sein, auf das meiste kann man dzt. aber verzichten ist meine Meinung. Übrigens die Bäckerei Trenker im City Center hat bis 13 Uhr geöffnet. Danke fürn Einkauf.....

Spanidiga

wieso darf ich aber als Lienzer zur Arbeit nach Tassenbach fahren....zB.

Spanidiga

Bergfex....Wieso sollte ich als Lienzner nicht zB. zum T&G fahren dürfen....genauso ein Debantner nicht zum M Preis.....was macht das für einen großen Unterschied....in so einem kleinen Umkreis sollte es schon möglich sein...in seinem Stammgeschäft einkaufen zu dürfen.... Fahre selber lieber zum Spar nach Dölsach als zum Spar in der Friedensiedlung was ich das ganze Jahr so halte. Lienzer Talboden sollte schon möglich sein.

    bergfex

    @Spandiga....! ! .Wieso sollte ich als Lienzner nicht zB. zum T&G fahren dürfen....genauso ein Debantner nicht zum M Preis..! !

    Haben sie da etwas nicht verstanden oder wollen sie es aus Engstirnigkeit nicht verstehen.

    Wahrscheinlich verstehen sie es nur wenn sie 2600 € Strafe zahlen.

    ando

    lt. aktueller Verordnung vom Land Tirol:

    ..... Ein Übertreten der Grenzen des Gemeindegebietes zu dem im § 3 Abs. 2 lit. d genannten Zweck ist nur dann zulässig, wenn nachweislich die Grundbedürfnisse nicht innerhalb der Grenzen des Gemeindegebietes gedeckt werden können. Dies ist im Falle von Kontrollen durch die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes glaubhaft zu machen.

Anthony Soprano

DANKE Herr Ingruber und DANKE Dolomitenstadt! Die Tagebücher sind für mich ein Lichtblick in den sonst doch recht düsteren Artikeln der Berichterstattung! Wieviele Erkrankte - In Tirol mehr als in Wien aber weniger als in Italien? Wieviele freie Plätze für uns Osttiroler auf den Intensivstationen der Welt - genug, zu viele, zu wenige? Woher kommt das Virus - China/ USA/ Italien/ Labor/ Fischmarkt/ Ischgl? Kommt es wieder - wieviele Wellen 1/2/3? usw. usw. usw. Man findet sich schnell in einem Tunnel wieder. Man fängt an sich hineinzusteigern und übersieht dabei die Chancen die sich eröffnen. !!! Ich meine damit natürlich NICHT Menschen die erkrankt sind oder um einen Angehörigen oder ihre Existenz bangen!!!!

Ich wünsche euch von ganzem Herzen alles Gute!

DANKE

    r.ingruber

    Danke Ihnen! bleiben Sie dran und bleiben Sie gesund!

bergfex

Und es werden immer Menschen gesehen, die von der Debant nach Lienz zum M-Preis fahren, um ein paar nicht notwendige Sachen zu kaufen.

Gibt es keine Kontrollen ?? Dann bräuchte man auch kein Gesetz zu erlassen.