Höchstgericht: Neue Kalser Skipiste ist vom Tisch

Wie die Tiroler Tageszeitung heute berichtet, hat auch das Verwaltungsgericht den Bau einer weiteren 850 Meter langen neuen Skipiste im Schigebiet Kals-Matrei abgelehnt. Das Höchstgericht hält sich selbst für unzuständig und verweist auf das Urteil des Landesverwaltungsgerichts, gegen das die Schultz-Gruppe als Liftbetreiber Revision eingelegt hatte. Die BH Lienz hatte den Bau 2018 bewilligt, doch die Landesumweltanwaltschaft legte Beschwerde ein und setzte sich damit letztlich durch. Für die Piste müsste großflächig Schutzwald gerodet werden, außerdem sei der Hang labil und abrutschgefährdet, wird unter anderem argumentiert.

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20 Postings bisher
Anna Maria Kerber

@senf Die Alpenkonvention beinhaltet im Bodenschutzprotokoll ganz konkret ein klares Verbot der Genehmigung von Skipisten in labilen Gebieten. Und in der Einschätzung des Hangs (sie schreiben, "angeblich labil"), da liegt der "Hund" begraben. Fakt ist halt, dass sich der Landesumweltanwalt bei der Einschätzung des Hangs auf die RECHTLICH verbindliche Alpenkonvention berief (siehe dessen website), während sich das Land an der "Checkliste labile Gebiete" (seit 15 Jahren nicht überarbeitet), einem Leitfaden OHNE rechtlichen Charakter, orientiert hat. Wem vertauen Sie?

    senf

    @A.M.Kerber, die alpenkonvention definiert den begriff "labil" nicht, daher war es notwendig, von einer arbeitsgruppe, bestehend aus vertretern diverser fachbereiche eine brauchbare definierung als leitfaden zur einheitlichen und faktischen entscheidungsfindung zu erarbeiten.

    meinen sie, dass sich sich die geologischen, hydrologischen und geotechnischen bedingungen im gelände innerhalb von 15 jahren geändert haben, oder haben nicht sachverständige im rahmen des verfahrens (erstinstanz) lokal entsprechende gutachten mit risikoeinschätzung durchgeführt, was zu einer erstinstanzlichen genehmigung geführt hat?

    aber egal, wie schon weiter unten von mir gepostet, ist die entscheidung des landesverwaltungsgerichtes anzuerkennen und diese besagt, dass die piste nicht gebaut werden darf.

Franz Brugger

Könnte man ein Bild einblenden, wo diese Abfahrt gedacht wäre?

stadtbewohner

@Talpa: Das ist leider zu kurz gedacht. Verlierer dieser Entscheidung durch das Höchstgericht sind neben dem Berbahnbesitzer Schultz auch alle Tourismusbetriebe der gesamten Region Kals/Matrei, vom großen Hotel bis zum kleinen Privatzimmervermieter, und schließlich auch alle Einheimischen Skifahrer.

    hoerzuOT

    Verzeihen Sie, aber das sehen Sie nicht richtig. Die Ressourcen für einen gelungenen Tourismus sind in OT mehr als vorhanden. Die Ressourcen für einen gelungenen Skitag, egal ob Tourist oder Einheimischer, auch.

    Es geht nicht um einige hundert Meter Piste. Während man vom "schönen" Zillertal auch noch an den Litfaßsäulen in Hamburg liest( selbst erlebt), kommt das, jedenfalls für mich, viel schönere OT kaum vor. Mich als Bergfan, freut diese Tatsache ja, aber ich denke da müsste man, falls mehr Touristen gewünscht sind, ansetzen. Eines ist allerdings klar: Unsere Natur gilt es nicht nur deshalb zu schützen, weil sie wunderschön und einzigartig ist , sondern auch, weil sie unser Kapital ist.

    Zustände wie im Zillertal und co, bringen vielleicht auf kurze Sicht große Gewinne, sind aber für den Qualitätstourismus, und keinen anderen sollte man sich in OT wünschen, bestimmt hinderlich.

      stadtbewohner

      Entschuldigung, Osttirol mit dem Zillertal bezüglich des Skitourismus zu vergleichen ist schon sehr weit hergeholt. Und es geht hier nicht um eine x-beliebige zusätzliche Piste, sondern ein wichtiges Verbindungsstück für das gesamte Skigebiet. Ich habe während der Fahrt mit der Gondel mit vielen Gästen darüber gesprochen, und alle haben diesen Skiweg als Schwachpunkt in diesem sehr schönen Skigebiet bezeichnet. Das GG-Resort Kals/Matrei gehört mittlerweile zu den TOP-Skigebieten von Österreich, ist mit modernen Liften ausgebaut, aber auch nicht übererschlossen mit Liften und Pisten. Aber sinnvolle und notwendige Verbesserungen, wie es diese leider nicht genehmigte Talabfahrt (850 m Länge!!!) gewesen wäre, sollten doch realisiert werden können. Und noch eines: unsere Natur schützen wir hier in Osttirol wie wohl kaum in einem anderen Teil von Tirol, man braucht nur auf die andere Talseite vom Skigebiet zu schauen, wo in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern strengster Naturaschutz verordnet wurde. Beides sollte vereinbar sein und unser Kapital für die Zukunft bilden.

      42na95

      @stadtbewohner

      Das GG-Resort Kals/Matrei ist von einem österreischichen TOP-Gebiet noch sehr weit entfernt - selbst vom Nassfeld sind es mehr als nur die Kilometer.

      Im Marketing für diesen Verhau ist der Heinzi selbstredend TOP.

      stadtbewohner

      @42na95 Antwort bezüglich TOP-Skigebiet noch weit entfernt: ​​Das GG-Resort Kals Matrei wurde von Skiresort.de, dem weltweit größten Testportal von Skigebieten, in der Kategorie weltweit führende Skigebiete bis 60 km Pisten mit dem 4. Platz ausgezeichnet. Es gibt sicherlich viel größere Skigebiete mit mehr Liften und Pisten. Entscheidend sind aber nicht hunderte von Pistenkilometern, sondern die Qualität der Aufstiegshilfen, Pistenvarianten und Pistenpflege, sowie Gastronomie. Und hier ist das GG-Resort TOP! Und deshalb wurde es von Skiresort.de auch als "Geheimtipp" bezeichnet. Mittlerweile scheuen auch Gäste und Einheimische aus Nordtirol und dem Pinzgau nicht die Anreise über den Felbertauern zum Skifahren nach Matrei, da hier auf den Pisten wesentlich weniger los ist und sie von der Qualität dieses Skigebiets überzeugt sind.

      le corbusier

      @42na95 & stadtbewohner:

      die Bewertung von Skigebieten hängt immer von den Kategorien ab, in denen man beurteilt. Ein Skigebiet in einer Region mit kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenprogramm kann man kaum bewerten, weil zu komplex. Das ist ja gerade das Problem von großen Skigebieten, mann konzentriert sich auf objektive Faktoren wie Pistenkilometer, Anzahl Aufstiegshilfen und Gastronomie, ...

      Dabei werden wesentlich entscheidendere Faktoren wie Kultur, Ruhe und Authentizität vergessen. Da gibt einfach eine präparierte Piste von der Dolomitenhütte herab mehr her als jedes Gletscherskigebiet. Wenn ich meinen 4-jährigen Sohn frage, welches das beste Skigebiet ist, würd er sagen der Haidenhoflift.

    Talpa

    Eher von dir zu kurz gedacht. Genau dieses zu Kreuze kriechen für ein paar Almosen (Nächtigungen o.Ä. in diesem Fall) vor dem großen Magnaten meinte ich. Ganz nebenbei: Hier die letzten Reste Bannwald für ein paar läppische Pistenmeter abzuholzen, halte ich für fahrlässig. Wenns zur Katastrophe kommt, und teure Schutzbauten installiert werden müssen, is der Schultz der Letzte, der an Netsch besteuern wird. Bin einheimischer Schifahrer, und fühle mich nicht als Verlierer.✌

Talpa

Schulz, Pletzer, Benko, Haselsteiner,.....anderswo heißns halt anders (,oder gleich). Die Welt wird immer voller mit solchen Typen. Mit zweifelhaften Methoden zu Geld gekommen, dann wird alles zammgekaft, was nur irgendwie was abwerfen könnte. Und selbstverständlich werden, mit hervorragenden Kontakten in die Politik versteht sich, staatliche Subventionen lukriert, wo`s nur geht. Dann, zum garnieren, noch a paar schlecht bis maximal durchschnittlich bezahlte Arbeitsplatzln schaffen, und ein Gutteil der Bevölkerung kommt aus der Lobhudelei gar nicht mehr heraus. Scheint in diesem Fall mal nicht geklappt zu haben, gut so.

    senf

    interessant. und welche konzept oder rezept kennst du für die landbevölkerung? sanften tourismus mit eingefrorenen lebensbilder aus dem 18. jhd., abwanderung, aussiedeln (die idee hatte man schon) oder einfach denen hinterlassen, die sich von grund und boden ernähren können? ohne staatliche subventionen versteht sich.

    soweit mir bekannt, sind die liftanlagen in sämtlichen tourismusorten des bezirks auf heimische initiativen entstanden und jahre später auch zahlungsunfähig geworden. warum auch? als selbstbedienungsläden mit und für politischen machtspielereien, wegen unfähigkeit oder hats gar an kaufmännischen fähigkeiten gemangelt?

    ich glaube, der wintertourismus oder der tourismus insgesamt hat ein ablaufdatum, aber was dann?

Flori98

Schade, diese kurze Abfahrt wäre sehr wichtig für das gesamte Skigebiet. Denn der lange, unatraktive Skiweg ist der Schwachpunkt vom ansonsten sehr gut ausgebauten Skigebiet, da es die einzige Verbindung zwischen Kals und Matrei darstellt. Bei der Bewilligung durch die BH Lienz gab es kein k.o.-Kriterium für diese Piste. Und diese Bewilligung basiert auch verschiedensten Gutachten von Sachverständigen. Ich habe den Eindruck, der Landesumweltanwalt wollte sich dafür revanchieren, dass Schultz damals beim Bau der Skischaukel Kals Matrei sich eine Umweltverträglichkeitsprüfung durch unrichtige Flächenangaben erspart hat. Dies darf natürlich auch nicht sein. Andererseits hätte damals bei einem UVP-Verfahren der Landesumweltanwalt genau mit den gleichen Argumenten versucht, diesen für die gesamte Region lebenswichtigen Skigebietszusammenschluss zu verhindern. Ich hoffe jetzt aber dennoch, dass zumindes Verbesserungen beim Skiweg angedacht werden. So könnten zumindest ein paar Kehren (insgesamt sind es ja 7 180-Grad Kehren) wegfallen, indem dazwischenliegende (bereits gerodete oder vom Windwurf betroffene kurze Flächen) als Piste umfunktioniert werden. Oder vielleicht kann eine Neutrassierung in einem weniger labilen Gebiet gestartet werden.

    Anna Maria Kerber

    Verstehe ich das richtig: die Schlägerung eines Schutzwaldes und das Bauen in einen labilen Hang (die Alpenkonvention arbeitet mit strengeren Kriterien als das Land) wäre für den Bau einer Piste für dich gerechtfertigt?

      senf

      @frau kerber, man kann die alpenkonvention (ratif. 1994) strapazieren wie man will, ihre präambel meint, dass " ...wirtschaftliche Interessen mit den ökologischen Erfordernissen in Einklang gebracht werden müssen ..."

      was immer das für sie auch bedeutet.

      der alpine waldbestand in hanglage ist nahezu zu 100% bann- oder schutzwald, der natürlich auch nach fortrechtlichen prinzipien n a c h h a l t i g bewirtschaftet wird. wald ist sozusagen das "sparbuch" der bauern, sie nutzen ihn für den eigenbedarf und verkauf von schnitt- oder brennholz, und das auch im bereich der beantragten rodungsflächen für die geplante schiabfahrt im glocknerresort.

      dieser, angeblich labile waldhang ist mit einem breiten forst- und almweg (schiwegnutzung-) mehrmals durchschnitten und zudem längst überstanden. waldkahlschläge werden laut bauernmeinungen ohnehin in naher zukunft zur waldverjüngung notwendig, dafür wurde der forstweg mit viel steuermittel auch gebaut!

      wenn nun das lange verfahrensergebnis in zweiter instanz nach anhörung und unternmauerung sämtlicher gutachten (landesverwaltungsgericht) die geplante piste verneint, dann ist das zu akzeptieren, auch wenn es vielen nicht einleuchtet.

      ich finde es schade, denn die relativ kurze pistenverbindung hätte wesentlich zur komplettierung und damit zur qualitätssteigerung des skiresorts für kals und matrei beigetragen.

42na95

Mein Mitleid für diese 850 Meter hält sich in engen Grenzen

hoerzuOT

Gut so. Das traumhafte Skigebiet Kals-Matrei bietet ein wahrlich sensationelles Panorama ( ich denke, dass es in Österreich nur wenige Skigebiete gibt, die mit der Aussicht der "Adler-Lounge" konkurrieren können), ausgezeichnete Pisten und gute Kulinarik. Dass es nicht sonderlich gewinnbringend beworben wird ( so wie viele Gebiete in OT), ist Segen und Fluch in gleichem Maße und hat nichts mit fehlenden Pistenkilometern zu tun.

mitreder

Wie kann die BH in einem labilen Rutschhang mit Schutzwaldfunktion eine Piste genehmigen?

Kiew

Man hat leider den Eindruck, dass manche sich mehr erlauben dürfen und auf die Gemütigkeit der anderen vertrauen. Oft unter dem Mantel der "unbedingten Wirtschaftlichkeit einer Region, nie der eigenen". Zum Glück gibt es unabhängige Gerichte!