Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger ließ die Tierwohl-Aktivisten in Ladis buchstäblich im Regen stehen und wählte den Hintereingang. Foto: VGT

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger ließ die Tierwohl-Aktivisten in Ladis buchstäblich im Regen stehen und wählte den Hintereingang. Foto: VGT

Ministerin Köstinger auf der Flucht vor Tierschützern?

Aktivisten gegen Spaltböden in der Schweinezucht hofften auf ein Gespräch.

Neben dem Wolf spaltet das Schwein im wahrsten Sinn des Wortes Tierschützer und Bauernschaft. Aktivisten des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) begleiten seit einiger Zeit mit Sprechchören und Transparenten die öffentlichen Auftritte von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und fordern die Abschaffung von Vollspaltböden in der Schweinezucht. Eine entsprechende Anregung kam auch von Köstingers Ministerkollege Rudolf Anschober, der neben der Gesundheit den Tierschutz in seinem Ressort verantwortet.

Die Landwirtschaftsministerin signalisiert bislang aber offenbar wenig Gesprächsbereitschaft. Was die Tierschützer verärgert. Auch bei den vom Bauernbund organisierten „Sommergesprächen“ in Ladis gelang die Kontaktaufnahme nicht. VGT-Obmann Martin Balluch dazu: „Ob in Ladis, Graz, Wien oder Bad Aussee, überall haben die öffentlichen Auftritte der Landwirtschaftsministerin in den letzten Tagen Proteste hervorgerufen. Und überall versucht sie mit allen Mitteln, das Gespräch mit den besorgten Bürgern und Bürgerinnen zu verhindern. 25 Jahre warten wir nun schon auf eine Zusage des Landwirtschaftsministeriums für ein Ende des grauenhaften Vollspaltenbodens in der Schweinehaltung. Diesmal aber lassen wir uns nicht mehr aussitzen.“

In Österreich werden rund 2,8 Millionen Schweine gehalten, die weitaus meisten davon in Oberösterreich. Der Anteil an Biohaltung ist mit 2,7 Prozent niedrig, wobei selbst „Bioschweine“ nicht vor Spaltböden sicher sind, die in der Biohaltung allerdings nur die Hälfte des Stallbodens ausmachen dürfen. Eine relative Qualität, sind doch für ein Bioschwein mit 110 Kilo Gewicht nicht mehr als 1,3 Meter Stallfläche und ein Quadratmeter Auslauf vorgeschrieben. (Quelle: Landschafftleben.at). Konventionelle Schweine werden auf 0,7 Quadratmetern pro Tier großteils auf Vollspaltenböden aus Beton, ohne Einstreu und ohne Auslauf gehalten.

Der Kot der Schweine fällt auf einen mit Spalten durchzogenen Boden. Die Tiere treten ihre eigenen Exkremente durch die Spalten in den Güllekanal. Das spart Zeit bei der Stallreinigung. Hält man die Schweine wie in der echten Bio-Landwirtschaft auf Stroh oder lässt sie ins Freie, zeigen die intelligenten Tiere die Verhaltensweisen ihrer wilden Verwandten und Vorfahren. Sie interessieren sich für ihre Umgebung und schaffen sich getrennte Bereiche zum Fressen, Koten und Liegen.

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7 Postings bisher
Biker

Zum Arbeitsalltag gehören auch die unangenehmen Dinge. Traurig wenn eine Ministerin sich davor drückt. Offensichtlich ist´s ihr wurscht wie die Schweine in den Zuchtbetrieben gehalten werden.

isnitwahr

@beobachter- mir fällt da nur das "Raubtier Mensch" ein: es tötet in einer grausamen Maschinerie ubd viel mehr als es zum "Fressen" braucht und bringt sich vor lauter "Fressen" selber um.

isnitwahr

Eine Person in einer solchen Position, die sich scheut, sich unangenehmen Themen zu stellen sollte sich dringend überlegen, ob sie für diese Position geeignet ist. Egal um welches Thema es sich handelt. Negieren und verstecken wird auf Dauern nicht reichen. Sehr traurig für eine Frau, die in Kommunikation anscheinend so trainiert ist, wie man ihrem Bildungsweg entnehmen kann.

beobachter52

Dass sich die Tierschützer für die Schweine einsetzen ist gut und recht! Das ihnen aber bei den Wolfrissen das grausame Schicksal der Schafe und Ziegen anscheinend egal ist, macht sie für mich unglaubwürdig!

    innocentalpaca

    Das grausame Schicksal...? Was meinen Sie bitte? Das ist die Natur. Lieber beobachter52, vielleicht sollten Sie mal Tiere in der freien Wildbahn beobachten.

      beobachter52

      Freie Wildbahn! Unsere Almen sind nicht freie Wildbahn, sondern Kulturgut, das unter anderem durch die Beweidung mit Schafen (Haustiere!) gepflegt und vor Verwuchs bewahrt wird! Das ist wichtig zum Schutz vor Lawinen und auch für den Tourismus (der für uns alle wichtig ist)!! Übrigens, ich beobachte vielleicht öfters Tiere in freier Wildbahn als du denkst (oft "leider" nur in Dokumenstationsfilmen)! Dabei gibt es kaum ein Raubtier, das mehr Tiere tötet als es zum Fressen braucht - außer dem Wolf ....

      unholdenbank

      @beobachter52: Die Almen, die als Kulturgut von den Schafen vor Bewuchs freigehalten werden, wären mit Bewuchs der weitaus wirksamere Schutz vor Lawinen. Warum sonst sollte man Schutzwälder anlegen? Und Schafe auf der Alm sind keine "Haus"-tiere sondern Almtiere. Eigentlich müssten dann die Schafbauern neben den üppigen landwirtschaftlichen Förderungen auch aus dem Kulturbudget alimentiert werden. Da würden sich die Schafbauern aber freuen. Schafe als Kulturgut.